Bande schmuggelt Hunderte Millionen Zigaretten

Oldenburg - Eine Bande soll in Griechenland Hunderte Millionen Zigaretten in illegalen Fabriken produziert und nach Westeuropa geschmuggelt haben. Allein in Deutschland entdeckten die Fahnder 40 Lagerstätten.

Lastwagen brachten die Ware über die Grenze. Um die Hintermänner fassen zu können, bildeten 2009 deutsche und griechische Ermittler ein Team. Mit Erfolg: 22 Haupttäter seien inzwischen festgenommen worden, darunter zwei hochrangige Polizeioffiziere aus Griechenland, sagte Siegfried Wittwer vom Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung am Donnerstag in Oldenburg. Mehr als 40 Mitglieder der Bande seien bislang identifiziert worden.

Den Beschuldigten werden unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Steuerhinterziehung und Geldwäsche vorgeworfen. Die Ermittler entdeckten in Thessaloniki zwei Anlagen, in denen illegal Zigaretten produziert wurden. In einer der beiden sollen mehr als 300 Millionen Stück hergestellt worden sein. Das sei ein Steuerverlust von 50 Millionen Euro, sagte Jörg Meier vom Zollfahndungsamt Hannover. Die andere illegale Zigaretten-Maschine entdeckte die Polizei im September 2010 auf einer einsam gelegenen Rinderzucht-Farm.

Die Zwischenhändler in Deutschland sollen die Ware über Bekannte oder in Sportvereinen weiterverkauft haben. “Die Gewinne sind enorm“, sagte Martin Koziolek von der Staatsanwaltschaft Oldenburg. Für Geldübergaben gab es Treffen am Brüsseler Flughafen.

Die Ermittlungen hatten 2006 in Niedersachsen ihren Ursprung genommen, nachdem ein Lastwagen voller geschmuggelter Zigaretten gestoppt worden war. Ende 2008 konnten bereits 600 Millionen Zigaretten europaweit beschlagnahmt werden. Doch die Organisation erholte sich schnell. Schon wenige Wochen später rollten wieder Lastwagen aus Griechenland mit Glimmstängeln Richtung Deutschland. Daraufhin begannen 2009 die Ermittlungen des deutsch-griechischen Teams unter dem Decknamen “Operation Hydra“.

In Griechenland wurden 19 Verdächtige festgenommen. Die Staatsanwaltschaft in Thessaloniki wird den Angaben zufolge in Kürze Anklage erheben. Ein weiterer Mann wartet auf seine Auslieferung nach Deutschland. Das Landgericht Oldenburg verhängte gegen einen Geldkurier und einen Zwischenhändler bereits mehrjährige Freiheitsstrafen. Weitere Verfahren laufen noch.

Die Ermittler wissen, dass sie den Ring der Zigarettenschmuggler nicht zerschlagen haben. Der bisherige Erfolg sei nur ein Zwischenschritt, sagte Koziolek. “Da kommen immer Neue nach, die werden weitermachen.“

dpa

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