Schneechaos im Süden Europas

- Hamburg - Ideale Wintersportverhältnisse bei strahlendem Sonnenschein in Deutschland, Schneechaos im südlichen Europa: In Spanien gab der Zivilschutz für 15 der 17 Regionen am Samstag Unwetterwarnungen heraus. Sogar im südspanischen Andalusien schneite es.

Die französischen Hochgeschwindigkeitszüge TGV hatten in Marseille bis zu zwei Stunden Verspätung, weil sie wegen des Schnees langsam fahren mussten. Behinderungen im Zugverkehr gab es auch in der südfranzösischen Stadt Toulouse. Die Schweiz erlebte die stärksten Schneefällen seit zwanzig Jahren.

In Spanien mussten am Samstag viele verschneite Straßen gesperrt werden oder waren nur mit Ketten befahrbar. Die Polizei rief die Bürger auf, das Auto möglichst stehen zu lassen. Nahe Barcelona musste die Feuerwehr die Insassen von zwei Reisebussen befreien, die im Schneetreiben auf einer Autobahn stecken geblieben waren. Im Baskenland waren rund 50 000 Haushalte ohne Strom, weil umstürzende Bäume die Hochspannungsleitungen beschädigt hatten. Mehrere Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten.

In Italien verlagerte sich nach den heftigen Schneefällen in Mailand das wetterbedingte Chaos in die Olympiastadt Turin. Auf allen Autobahnen der Region seien Ketten erforderlich, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Mehrere Straßen mussten gesperrt werden. Die Schulen blieben in der Region Turin und in der Lombardei geschlossen. Die Berge rings um Turin - auf denen im Februar die Olympia- Wettbewerbe stattfinden - seien metertief verschneit, hieß es. Auch im Aostatal fielen 70 Zentimeter Neuschnee.

In Frankreichs Südhälfte fielen seit Freitag bis zu 40 Zentimeter Schnee. In der Nacht zum Samstag mussten mehrere Autobahnen und Nationalstraßen im Rhônetal, in der Auvergne sowie im Südwesten des Landes für Lastwagen gesperrt werden. Auf der Nord-Süd-Autobahn A7 im Rhône-Tal waren bis zu 5000 Lastwagen blockiert, berichtete die regionale Verkehrsleitstelle. Wütend über die Sperrungen hatten sich Lkw-Fahrer nachts bei Nîmes auf der Autobahn quer gestellt, so dass eine Strecke von rund 20 Kilometern für den gesamten Verkehr blockiert war. Auf dem Flughafen Lyon wurden drei Viertel der Flüge gestrichen, etwa 1500 Passagiere harrten nach Radioberichten die Nacht über im Flughafengebäude aus.

Eine 90 Zentimeter hohe Schneedecke im südschweizerischen Kanton Tessin behinderte am Samstag den Verkehr. Abgelegene Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten. Die Schweizerische Bundesbahn SBB riet von Reisen ins Tessin und nach Italien ab. Züge und Busse verkehrten mit teilweise großen Verspätungen, einige Verbindungen wurden gestrichen. In den Städten Lugano, Bellinzona und Locarno blieb die Kettenpflicht für Fahrzeuge sowie ein Fahrverbot für Lastwagen in Kraft.

Im österreichischen Wallfahrtsort Mariazell (Bundesland Steiermark) brach am Freitagabend das Rathausdach unter der Schneelast zusammen. Verletzt wurde niemand.

In Bayern und in Niedersachsen herrschte auf den Straßen in die Skigebiete dichter Verkehr. Vor allem auf der Autobahn München- Salzburg, der Inntal-Autobahn sowie am Autobahnende bei Garmisch-Partenkirchen bildeten sich in Bayern Kilometer lange Staus. «Der Harz ist voll» berichtete auch ein Polizeisprecher im niedersächsischen Braunlage. Parkplätze waren belegt, auf den großen Zufahrtstraßen kamen die Autos nur im Schritttempo voran.

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