Schock in Brasilien: Mehr als 2000 Pinguine verenden durch Öl

Rio de Janeiro - Ein Ölteppich vor der Küste Brasiliens hat zu einem Massensterben von Pinguinen geführt, das Tierschützer und Gesellschaft in einen Schockzustand versetzt hat. Mehr als 2000 der flugunfähigen Seevögel verendeten in dem südamerikanischen Land in den vergangenen sechs Tagen.

Wie Medien unter Berufung auf die Behörden berichteten, waren am Freitag die Herkunft und die genaue Lage des tödlichen Ölteppichs weiter unbekannt. Die Kadaver der Tiere würden seit Sonntag ununterbrochen an den Küsten der südlichen Bundesstaaten Santa Catarina und Rio Grande do Sul angespült.

Das Nachrichtenprotal G1 schrieb unterdessen, die Zahl der toten Pinguine könne bei "mehreren Tausenden" liegen. Nicht nur die Umweltschützer, auch die Bewohner der betroffenen Regionen sind empört. "Ich habe einen zum Glück noch lebenden Pinguin am Strand in der Nähe meines Hauses gefunden. Er war total mit schwarzem Zeug verklebt, konnte die kleinen Flügel nicht bewegen", erzählte die Verkäuferin Adriana Santos in der Provinzhauptstadt Florianopolis, einem beliebten Badeort in Santa Catarina.

Der Kontakt mit dem Öl entzieht dem Gefieder der Pinguine und anderer Seevögel die wärmende und wasserabweisende Funktion. Die Tiere werden schwerer und kraftlos, können kaum noch schwimmen und erfrieren. Im Winter der südlichen Halbkugel verirren sich Tausende von Pinguinen nach Brasilien, weil sie bei der Nahrungssuche von kalten Meeresströmungen von der Antarktis gen Norden getrieben werden.

Nach Angaben der Behörden überlebten Hunderte Seevögel die Umweltkatastrophe. Sie würden im "Spezialzentrum für wildlebende Tiere" in Florianopolis gepflegt. Das Pflegezentrum sei aber völlig überfordert mit der Arbeit. Zu dieser Jahreszeit kümmere man sich dort normalerweise nur um zwei bis drei Tiere gleichzeitig. Seit dem Wochenende würden dort aber täglich 30 bis 40 durch Öl verschmutzte Tiere abgegeben, die in einem langwierigen Verfahren aufgepäppelt werden sollen.

Die Tiere seien alle in sehr schlechten Zustand, erzählte Tierarzt Guilherme Silva. "Vorerst werden sie nicht gebadet, nur gut ernährt, denn sie müssen in erster Linie wieder zu Kräften kommen und Gewicht gewinnen. Die sind so entkräftet, dass wir die Nahrung, wie etwa Fischpüree, Öl und auch das Wasser direkt in den Mund stecken müssen", sagte Silva. Die Behörden schätzen, dass trotz der liebevollen Pflege mindestens 30 Prozent der Tiere sterben werden. Biologen und Tierärzte aus anderen Bundesstaaten seien inzwischen nach Florianopolis entsandt worden.

Bislang ist weder bekannt, von welchem Schiff das Öl stammt noch wo sich der Ölteppich genau befindet. Das Öl wird aber auf hoher See vermutet. Schiffe und Flugzeuge der brasilianischen Marine sind laut Medien unterwegs, um das genaue Ausmaß zu ermitteln. "Wir können leider nicht den gesamtem Schiffsverkehr in Küstennähe überwachen. Es gibt täglich Hunderte von Schiffen auf dieser Route hier. Es wird nicht leicht sein, die Schuldigen zu finden", räumt Marcelo Duarte von der Umweltpolizei in Florianopolis ein.

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