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Todesfall in Dessauer Zelle

Schrecklicher Verdacht: Wurde Asylbewerber in Zelle von Polizisten ermordet? 

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Für die Ermittlungsbehörden ist der Fall Oury Jalloh seit Oktober abgeschlossen, weil nicht mehr zu klären sei, ob sich der Asylbewerber aus Sierra Leone selbst angezündet hat oder angezündet wurde.  Jetzt ist allerdings ein geheimer Bericht aufgetaucht.

Dessau - Oury Jalloh starb in einer Dessauer Zelle der Polizei. Der Asylbewerber aus Sierra Leone verbrannte dort im Januar 2005. Wer für seinen Tod verantwortlich ist, konnte aber bis heute nicht geklärt werden. Jetzt soll laut einem Bericht von bild.de ein neues Papier aufgetaucht sein, das einen schrecklichen Verdacht stützen soll.

Das Papier soll einen konkreten Mordverdacht gegen mehrere Polizisten des Dessauer Reviers belegen. Verfasser des Berichtes ist der Chef der Staatsanwaltschaft Dessau, Folker Bittmann, der seit 2005 mit dem Verfahren betraut ist. Den Bericht soll Bittmann im April 2017 vorgelegt haben - kurz darauf wurde ihm der Fall entzogen. 

In Polizeizelle gestorbener Oury Jalloh: Neuer Wirbel nach ARD-Bericht

Der Inhalt birgt durchaus Zündstoff. Oury Jalloh musste demnach sterben, um zwei weitere Todesfälle im Dessauer Polizeirevier verschleiern zu können. Der vermeintliche Selbstmord des Sierra Leonensers soll von Beamten inszeniert worden sein, um neue Ermittlungen in den beiden alten Fällen zu verhindern.

Zwei ungeklärte Todesfälle gingen Jallohs Tod voraus

1997 starb Hans-Jürgen R., der betrunken von der Polizei aufgegriffen wurde, unweit des Polizeireviers an inneren Verletzungen. 2002 stirbt der Obdachlose Mario B. nach einer Nacht in der Zelle an schweren Verletzungen. Die Umstände der beiden Todesfälle sind bis heute nicht aufgeklärt worden.

Oberstaatsanwalt Bittmann sagte, dass die schweren Verletzungen Jallohs neuerliche Untersuchungen hätten auslösen können, die zu Ermittlungen in den alten Todesfällen hätten führen können. Dass Jalloh, der gefesselt war und drei Promille Alkohol im Blut hatte, das Feuer selbst entzündet haben konnte, schließt Bittman aus.

Der Bericht lässt allerdings auch Fragen offen: Warum äußert sich der Staansanwalt, der früher die „Selbstverbrennungsthese“ vertreten hatte, die Mord-These erst jetzt? Und warum sah er in einem früheren Prozess keinen Zusammenhang mit den beiden früheren Todesfällen?

Die Polizisten aus Dessau haben ihrerseits wenig zur Klärung des Sachverhaltes beigetragen. So wenig, dass der Richter es bei der Urteilsverkündung so formulierte: „Die Polizisten haben im Zeugenstand grottendämlich falsch und unvollständig ausgesagt.“

Nun wurden die Ermittlungen an die Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg übergeben. Die Justizministerin von Sachsen-Anhalt, Anne-Marie Keding (CDU), habe dies am Donnerstag veranlasst und damit ihr externes Weisungsrecht genutzt, teilte das Ministerium in Magdeburg mit. Angesichts der unterschiedlichen Einschätzungen der Staatsanwaltschaften in Dessau-Roßlau und Halle solle die übergeordnete Behörde nun eine Entscheidung treffen. Bis heute liege noch keine Begründung für die Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens vor. Deshalb sei die Staatsanwaltschaft Halle an einer Entscheidung darüber gehindert.

sh

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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