+
Adam Lanza, der Todesschütze von Newtown, auf einem undatierten Bild seiner Technik-AG

Massaker an US-Grundschule

Schütze: Einzelgänger ohne Schmerzempfinden

Southbury - Er war ein Einzelgänger, der sich im Umgang mit seinen Mitmenschen schwertat. So beschreiben Beobachter Adam Lanza, der am Freitag 27 Menschen und anschließend sich selbst tötete.

Ermittler versuchen noch immer herauszufinden, was Lanza dazu trieb, zuerst seine Mutter und anschließend 26 Menschen an einer Grundschule zu töten, darunter 20 Kinder. Aus Ermittlerkreisen verlautete, der junge Mann habe am Asperger-Syndrom, einer leichten Form des Autismus', gelitten. Menschen mit dieser Krankheit haben Probleme im Umgang mit anderen Menschen, können aber gleichzeitig hochintelligent sein. Auch ein schwach ausgeprägtes Empfindungsvermögen, wie es bei Lanza beobachtet wurde, könne mit dem Asperger-Syndrom zusammenhängen, sagt die Psychologin Elizabeth Laugeson von der University of California in Los Angeles.

„Er war sehr anders und sehr schüchtern und machte keine Anstrengung, mit irgendjemand zu interagieren“, sagt Olivia De Vivo, eine ehemalige Mitschülerin Lanzas. Er habe immer eine Aktentasche getragen, seine Hemden seien bis ganz oben zugeknöpft gewesen. Zurückblickend habe es bei Lanza schon Anzeichen gegeben, dass er zu einer Tat wie dem Blutbad in Newtown in der Lage wäre. „Aber man kann nicht sagen, dass jeder schüchterne Mensch so etwas tun würde“, meint De Vivo.

Nach Beschreibung eines Lehrers konnte Lanza anscheinend keinen seelischen oder körperlichen Schmerz fühlen. „Wenn der Junge sich verbrannt hätte, hätte er das nicht bemerkt oder gespürt“, sagt Richard Novia, ein ehemaliger Berater des Technik-Clubs der Newtown High School, an der Lanza einst Schüler war. Manchmal habe sich Lanza komplett aus seinen Aufgaben zurückgezogen, egal ob es darum ging, ein Buch zu lesen oder im Unterricht zu sitzen, sagt Novia.

Ein „sehr ängstlicher Junge“

Der Technik-Club an der Newtown High School war bei sozial unbeholfenen Menschen beliebt. Doch bei Lanza hätten die Probleme ein größeres Ausmaß angenommen, sagt Richard Novia. Es habe sich bei ihm um einen „sehr ängstlichen Jungen“ gehandelt, der gegenüber anderen nervös geworden sei. Wenn ihm andere im Flur der Schule entgegengekommen seien, habe sich Lanza an die Wand gedrückt oder sei in die andere Richtung gelaufen, erzählt Novia. Dabei habe er seine Aktentasche nicht losgelassen. Lanza habe sich verhalten „wie ein Achtjähriger, der sich weigert, seinen Teddybär aufzugeben“.

Damals habe er sich eher Sorgen gemacht, dass Lanza zum Mobbingopfer seiner Mitschüler werden könnte, nicht zur Bedrohung, sagt Novia. „Irgendwann in den vergangenen vier Jahren gab es erhebliche Veränderungen, die zu dem führten, was passiert ist“, sagt Novia mit Blick auf das Massaker vom Freitag. „Ich hätte nie vorhersehen können, dass er das tut.“

Lanza tötete sich kurz vor Eintreffen der Polizei

Nach dem Massaker an einer Grundschule im US-Staat Connecticut am vergangenen Freitag werden immer mehr Einzelheiten der Bluttat bekannt. So habe sich der Täter offenbar erschossen, als Polizeibeamte die Schule betraten, sagte der Gouverneur von Connecticut, Dannel Malloy, am Sonntag in der Fernsehsendung „This Week“. „Wir gehen davon aus, dass er in dem zweiten Klassenraum war, als er die Einsatzkräfte hörte und sich entschied, sich selbst zu töten.“

Die Sprecherin der Behörde für Feuerwaffen, Ginger Colburn, sagte, es gebe keine Hinweise darauf, dass der Täter einem Schützenverein angehört oder ein Schießtraining erhalten habe.

dapd

Trauer und Verzweiflung nach Amoklauf von Newtown

Trauer und Verzweiflung nach Amoklauf von Newtown

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach mehreren Stunden: Große Störung am Amsterdamer Flughafen behoben
In Amsterdam mussten Passagiere an diesem Dienstag eine Menge Zeit und Geduld mitbringen: Wegen eines technischen Fehler kam es zu Verspätungen. Viele Flüge wurden ganz …
Nach mehreren Stunden: Große Störung am Amsterdamer Flughafen behoben
Sein Name verschafft einem Verkehrssünder einen Job als Polizist
Ein 22-jähriger Inder ist an seinem ersten Arbeitstag so nervös, dass er ohne Führerschein losfährt. Er wird von der Polizei erwischt - dann nimmt die unglaubliche …
Sein Name verschafft einem Verkehrssünder einen Job als Polizist
Familie stirbt bei Unfall auf A7 - Lastwagenfahrer freigesprochen
Freispruch für einen LKW-Fahrer, der bei einem Unfall eine dreiköpfige Familie getötet hatte - dem Mann kann kein Versagen nachgewiesen werden. Die Ursache des Crashs …
Familie stirbt bei Unfall auf A7 - Lastwagenfahrer freigesprochen
Hells-Angels-Prozess in Köln: Alle sechs Angeklagten verurteilt
Ein Mordkomplott war es nicht. Dennoch muss der frühere Anführer der Kölner Hells Angels für mehrere Jahre ins Gefängnis. Auch die fünf anderen Angeklagten kommen nicht …
Hells-Angels-Prozess in Köln: Alle sechs Angeklagten verurteilt

Kommentare