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Ein Fenster der Schützenhalle wurde von einem Metallteil durchschlagen. Foto: Bernd Thissen

Schützenkönig tödlich getroffen - Polizei ermittelt

Mit Böllerschüssen sollte ein Schützenfest im Sauerland feierlich eröffnet werden. Teile der Kanonen fliegen durch die Luft, der Schützenkönig stirbt. Spielte Fahrlässigkeit eine Rolle?

Marsberg (dpa) - Beim Böllern ist ein Schützenkönig im Sauerland von einem Kanonenteil tödlich getroffen worden. Nach Polizeiangaben waren drei gusseiserne Kanonen am Samstag in Marsberg in Nordrhein-Westfalen gezündet worden, um das Fest zu eröffnen.

Wegen des Drucks seien Metallteile von zwei Kanonen nach hinten geschleudert worden, wo auch Freunde, Familie und Hofstaat des Schützenkönigs der Bruderschaft St. Magnus Niedermarsberg 1843 e.V. standen. Eines der Teile habe den 30 Jahre alten Mann getroffen.

Noch während der Behandlung im Krankenhaus starb er den Angaben zufolge an seinen Verletzungen. Die Kanonen wurden nach ersten Erkenntnissen der Polizei von Mitgliedern eines anderen Vereins gezündet. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Schützenkönig in einer kleineren Gruppe mit drei, vier Leuten zusammengestanden. "Es hätte noch schlimmer kommen können", hatte Polizeisprecher Ludger Rath Stunden nach dem Unfall gesagt.

Weitere Verletzte habe es nicht gegeben. 20 bis 30 geschockte Menschen wurden seelsorgerisch betreut. Das Fest wurde sofort abgebrochen. Die Polizei ermittelt wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung. Weder Staatsanwaltschaft noch Polizei machten am Sonntag Angaben dazu, wann die Vernehmungen beginnen sollten.

Der tödliche Unfall sei ein "tragischer Einzelfall", sagte der Sprecher des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS), Rolf F. Nieborg. "Es ist schon sehr lange her, dass einmal ein Kanonenrohr geborsten ist. Dabei wurde niemand verletzt", sagte er. Grundsätzlich bestehe die Gefahr, dass es eine Materialermüdung gebe, die von außen schwer zu erkennen sei. "Deshalb müssen solche Geräte regelmäßig gewartet und kontrolliert werden. Der Wartungstermin ist alle fünf Jahre bei den Beschussämtern in NRW."

Nach dem Tod des Schützenkönigs herrschten in Marsberg am Sonntag Fassungslosigkeit und Trauer. Statt der ursprünglich geplanten festlichen Schützenmesse fand ein Gedenkgottesdienst statt. Dazu kamen auch viele Menschen aus umliegenden Orten, wie die Frau des Schützenoberst, Petra Martin, sagte. Sie klang nach dem Gottesdienst erschüttert. Ihr Mann war nicht zu sprechen. Die große Kirche war demnach so voll, dass auch die Orgelbühne für Besucher geöffnet wurde. Die Schützen kamen in zivil.

"Es ist ein tragischer Unfall. Wir sind sehr, sehr traurig und fühlen mit den Angehörigen, mit der Ehefrau", sagte der Geschäftsführer des Sauerländer Schützenbundes (SSB), Wolfram Schmitz, am Sonntag.

PM Polizei

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