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Erster muslimischer Schützenkönig: Mithat Gedik. 

Reform von traditionellen Regeln in Schützenvereinen

Schützenverband im Sauerland: Bald dürfen auch Nicht-Christen rein

Leverkusen - Muslime, Schwule, Geschiedene in katholischen Schützenvereinen? Beim Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften konnte es da durchaus Schwierigkeiten geben. Doch jetzt will sich der Dachverband öffnen. Einige Einschränkungen sollen aber bleiben.

Mithat Gedik hat als Schützenkönig Berühmtheit erlangt: Der 34-Jährige schoss im Juli 2014 im Dorf Sönnern am Rand des Sauerlands den Vogel ab und löste damit eine Grundsatzdiskussion beim Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) und dessen rund 400 000 Mitgliedern aus. Denn Gedik ist Moslem, und bisher dürfen nur Christen im katholischen BHDS König sein. Der Verband, der sich dem Motto „Für Glaube, Sitte und Heimat“ verpflichtet fühlt, will sich nun öffnen.

Anfang August hätten die 1300 Bruderschaften, 120 Bezirksbrudermeister und die 800 Präsides, die die Vereine geistlich betreuen, ein Vorschlagspapier für eine Satzungsänderung bekommen, sagte BHDS-Sprecher Rolf Nieborg am Donnerstag.

An vier Stellen soll demnach die Satzung geändert werden, wenn die Bruderschaften dem zustimmen. Die Bruderschaften könnten dann auch „nicht Getaufte“ als Mitglieder aufnehmen. „Das betrifft Muslime, Hindus und eben alle die nicht christlich getauft sind“, sagte Nieborg. In einem zweiten Punkt soll diesen dann auch erlaubt sein, in ihrem Verein auf den Vogel zu schießen und Schützenkönig zu werden. Wer allerdings der Kirche durch einen Austritt den Rücken gekehrt habe, soll auch weiterhin nicht Mitglied einer katholischen Schützenbruderschaft werden dürfen.

Im März 2016 gibt's die Entscheidung

Mit den beiden anderen Satzungsänderungen will der BHDS zwei andere Probleme lösen. Denn bislang hatte der Verband auch Schwierigkeiten, homosexuellen Schützenbrüdern alle Rechte zu gewähren. Sie sollen künftig zwar König werden dürfen, müssen sich allerdings eine Königin als Mitregentin nehmen - nicht etwa ihren eigenen Partner.

Im Jahr 2011 war der Fall eines schwulen Schützenkönigs aus Münster bundesweit in die Schlagzeilen gekommen - er wollte seinen langjährigen Lebenspartner als „Königin“ mitnehmen, was damals zu Schwierigkeiten mit dem BHDS führte.

Außerdem sollen wiederverheiratete Schützen nach Vorstellungen des neuen Bundesschützenmeisters Emil Vogt in den Bruderschaften akzeptiert werden. „Da hat sich die Kirche ja auch in ihrem Arbeitsrecht geöffnet“, sagte Nieborg.

Bis November sollen die Bruderschaften vor Ort die Vorschläge diskutieren. Dann wolle der Hauptvorstand eine Satzungsänderung erarbeiten, die im März 2016 bei der Bundesvertreterversammlung zur Abstimmung gestellt werde, sagte Nieborg. „Das sind etwas länger dauernde demokratische Entscheidungsprozesse. Aber der Verband wird ja nicht von oben nach unten dirigiert, sondern umgekehrt“, sagte Nieborg.

dpa

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