Deutschland in der vierten Corona-Welle: Auch für Schüler eine zuweilen große Belastung
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Deutschland in der vierten Corona-Welle: Auch für Schüler eine zuweilen große Belastung.

„Im Stehen essen?“

Neues Schuljahr in Corona-Zeiten: Absurde Regelungen lassen Schlimmes befürchten

  • Patrick Freiwah
    VonPatrick Freiwah
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Das Schuljahr 2021/2022 steht schon jetzt unter einem schwierigen Stern. Schließlich ist die Corona-Krise längst nicht bewältigt, das zeigt schon ein Blick in die Schulen.

München - Wellenartig bahnen sich Corona-Infektionen ihren Weg auch durch Deutschland. Derzeit befinden wir uns in einem Stadium, das Medizin und damit auch die Politik als „vierte Welle“ bezeichnen. Einheitliche Regeln für das ganze Land sind in vielen Bereichen jedoch nach wie vor Wunschdenken, stattdessen entscheidet jedes Bundesland einzeln über Vorgehensweisen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie.

Wichtig ist ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Infektionsrisiko auch in den Schulen der Nation. Schließlich besteht durch einschneidende Schutzmaßnahmen die Gefahr, dass die Generation der Zukunft immense Schäden davon trägt. Nachdem die Corona-Pandemie bereits seit weit über einem Jahr das öffentliche Geschehen dominiert, stellt sich die Frage, inwieweit Lehranstalten sich in den Sommerferien auf die mittlerweile nicht mehr ganz so unbekannte Situation eingestellt haben.

Corona-Regeln in den Schulen: Ärgernisse und Verwirrungen vielerorts

Aktuelle Erfahrungen aus diversen deutschen Schulen lassen befürchten, dass vielerorts eine auch für die Schüler zufriedenstellende Lösung noch nicht gefunden wurde. Kein Wunder: Nicht nur in Bayern herrscht Verwirrung um die 3G-Regel. Die Bild berichtet über Ärgernisse von „drakonischen Corona-Regeln“, die Menschen nach den Sommerferien Sorgen bereiten:

  • Pinneberg (Schleswig-Holstein): In einer Schule dürfen Viertklässler wegen Corona kein einstudiertes Lied vortragen. Außerdem müssen Kinder in Pausen angeblich den Mund halten, weil sie beim Essen keine Maske tragen.
  • Dormagen (NRW): Obwohl die Räume laut Regelung groß genug sind, dürfen Schüler sich beim Essen dort nicht aufhalten. Das Mittagessen werde angeblich an einer Feuertreppe ausgegeben und die Gymnasiasten suchen sich auf dem Schulhof eine Sitzmöglichkeit - oder aber essen im Stehen. Als Grund wird aufgeführt, dass Lehrer keine Schüler ohne Maskenschutz in einem gemeinsamen Raum beaufsichtigen möchten.
  • Brandenburg: An einer Grundschule widersetzt sich eine Lehrerin offenbar gegen die Anweisung des Ministeriums, den Kindern beim Stoßlüften eine Maskenpause zu gewähren. Außerdem würde sie akribisch 1,5-Meter-Abstände nachmessen (auch zum Pult, trotz Glasscheibe).
  • Bielefeld (NRW): Erstklässler würden an symbolischen „Bushaltestellen“ von Lehrkräften abgeholt. Während die Kinder jedoch allesamt Masken tragen müssen, verzichten angeblich viele Erzieher darauf.
  • Karlsruhe (Baden-Württemberg):  In der ersten Klasse einer Grundschule gibt es angeblich einen „Durchatmen“-Platz am Fenster. Nur dort dürfen Schüler für kurze Zeit die Maske absetzen.
  • Hamburg: Auf Klassenfahrt sind Schüler dazu angehalten, in den Schlafzimmern die Corona-Maske aufzulassen. Einzige Ausnahme: beim Schlafen.
  • Neuss (NRW): Ein skurriler Fall hat sich dem Bericht nach auch an einer Grundschule in Neuss zugetragen: Nach einem positiven Nachtest eines Kindes wurde seitens Gesundheitsamt für sämtliche Kinder eines Gruppentisches zwei Wochen Quarantäne angeordnet. Zwischenzeitliches Freitesten sei jedoch nicht möglich gewesen. Anders ist das bei der Rückkehr nach Deutschland aus einem Hochrisikogebiet - hier ist das nach fünf Tagen möglich.

Corona-Regeln in deutschen Schulen: Kindern drohen Folgeschäden

Es lässt sich unschwer erahnen, dass derartige Verhaltensweisen für Kinder eine Gefahr darstellen und die Entwicklung dadurch potenziell großen Schaden nehmen kann. Derweil hat ein Forscherteam der Berliner Charité herausgefunden, warum Kinder Covid-19 selbst eigentlich ziemlich gut wegstecken

Brisant wirken derweil Äußerungen, die der Chef des Lehrerverbandes vor wenigen Wochen in Richtung der zuständigen Kultusministerien der Länder tätigte:

Unterdessen steigen die Corona-Zahlen in Deutschland weiterhin. Die NRW-Inzidenz ist dabei nahezu doppelt so hoch, wie andernorts. Ein Grund, nicht an Karneval zu denken? Hier geht‘s zum News-Ticker. (PF)

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