NRW-Ministerpräsident und CDU-Chef Armin Laschet gibt bei einem Besuch in einem Corona-Impfzentrum in Schwelm eine Erklärung ab.
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NRW-Ministerpräsident und CDU-Chef Armin Laschet will Schulen nur öffnen lassen, wenn das Corona-Testen funktioniert.

„Mangelhafte Vorbereitung“

Corona in NRW: Schul-Chaos vor Einführung der Testpflicht - Laschet stichelt gegen Söder

  • Veronika Arnold
    vonVeronika Arnold
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    Franziska Schwarz
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Wenige Tage vor Schulbeginn kommt es in NRW zu einer Panne. Indes äußert sich Ministerpräsident Armin Laschet zum weiteren Vorgehen bei Corona-Impfungen und lässt einen Seitenhieb gegen Kollegen Söder los.

  • Am Montag (12. April) enden in NRW unter Ministerpräsident Laschet (CDU) die Osterferien.
  • Ab dann gilt in dem Bundesland wegen Corona eine Testpflicht für Schüler:innen.
  • Die Auslieferungen der Corona-Kits verzögern sich allerdings.

Update vom 11. April 2021, 10.17 Uhr: Zum Schul-Chaos in seinem Bundesland äußerte sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet in einem Interview am Wochenende nicht. Dafür aber recht deutlich zum Vorgehen seines Kollegen Markus Söder (CSU). Auf die Frage nach dessen Bestellung des russischen Impfstoffes Sputnik V für Bayern und ob ähnliches für NRW geplant sei, konnte sich Laschet gegenüber der Bild-Zeitung einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Nein. Ich finde es richtig, wenn die Bundesrepublik Deutschland nach klaren Kriterien Impfstoff für alle bestellt, und nicht jeder nur für sich.“

In Sachen Impfungen regte Laschet außerdem an, die starren Prioritäten schon bald fallen zu lassen, sofern genügend Impfstoffmengen verfügbar seien. „Wenn zum Ende des Frühjahrs die großen Impfstoffmengen kommen, sollten die Impfprioritäten fallen und die Impfungen für alle Menschen geöffnet werden.“ Darin sehe Laschet auch die Möglichkeit für mehr Freiheiten im Sommer.

Schul-Chaos in NRW: Vor der Einführung der Testpflicht hakt es gewaltig - „Bankrotterklärung mit Ansage“

Erstmeldung vom 10. April 2021: Düsseldorf - Schüler und Eltern müssen sich in Nordrhein-Westfalen weiter gedulden. Ab Montag (12. April) soll für alle Distanzunterricht gelten. Ausnahmen bilden Abschlussklassen. Das gab NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer bekannt. Die Regel gelte vorerst nur eine Woche lang, bis zum 16. April, erklärte die FDP-Politikerin.

Außerdem sei eine Notbetreuung für die Klassen 1 bis 6 sichergestellt, erklärte Gebauer gegenüber dem WDR. Die Abiturprüfungen in NRW sollten, wie geplant, am 23. April mit dem Fach Englisch starten.

NRW führt an Schulen Testpflicht auf Corona ein - aber bei den Lieferungen hakt es

Für Schüler:innen im Präsenzunterricht gilt ab Montag zudem eine Corona-Testpflicht - zweimal wöchentlich im Selbsttest. Doch deren Auslieferungen an die Schulen hat sich verzögert. Bereits am Mittwoch hätten gut 1000 Grund- und Förderschulen versorgt sein sollen. Nun „voraussichtlich“ erst bis Ende der Woche, so das NRW-Schulministerium. Die Landesregierung gehe in der Frage von einem wöchentlichen Bedarf von 5,5 Millionen Selbsttests aus.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte am Mittwoch betont, dass eine Öffnung der Schulen nur infrage komme, wenn dort „überall das Testen funktioniert“.

Sie wolle mit der Testpflicht den Schülern „größtmögliche Sicherheit“ geben, führte Gebauer laut WDR aus, denn sie habe im Gespräch mit vielen Verbänden festgestellt, dass die Sorge bei Eltern, Schülern und Lehrern groß sei. Das hat sich bereits in den vergangenen Wochen gezeigt. Mehrere Städte und Kreise in NRW hatten wegen der Corona-Zahlen gebeten, den Präsenzunterricht aufschieben zu können.

Die Testpflicht ist für Kritiker nun aber eine zu einfache Strategie. Die Gewerkschaft „Lehrer NRW“ befürchtet ihr Scheitern. „Wenig anwenderfreundlich und definitiv nicht kindgerecht“ findet die Gewerkschaft „Lehrer NRW“ den Testkit. Es sei „für ein Setting mit 15 Schülern in einem Raum und einer Lehrkraft als Aufsichtsperson schlicht ungeeignet“, sagte der Vorsitzende Sven Christoffer dem WDR. Er fordert geschultes Testpersonal an den Schulen.

SPD und Grüne zerreißen NRW-Schulministerin: „Bankrotterklärung mit Ansage“

Kritik kommt auch von den Grünen und der SPD. „Die Ministerin musste jetzt die Reißleine ziehen“, zitiert der WDR die bildungspolitische Sprecherin in NRW, Sigrid Beer. „Die mangelhafte Vorbereitung eines potentiellen Schulbetriebs und die absehbare Inzidenzentwicklung machen die Entscheidung zwangsläufig.“

Und für die Sozialdemokraten im Landtag sagte Vize Jochen Ott: „Diese Kehrtwende ist eine schulpolitische Bankrotterklärung mit Ansage“. Während die Landesregierung in Düsseldorf einzelnen Kommunen erlaube, in Modellprojekten das öffentliche Leben wieder hochzufahren, schicke Gebauer „die meisten der 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler wieder ins Home-Office“.

NRW-Ministerin: „Schulen sind keine Corona-Pandemie-Treiber“ - RKI-Zahlen deuten anderes an

Mediziner hätten im Rahmen der Kultusministerkonferenz (KMK) bestätigt, dass das Infektionsgeschehen bei Kinder und Jugendlichen zunehme, sagte Gebauer zudem. „Die Schulen sind keine Treiber der Pandemie“, äußerte sie zugleich. Laut RKI-Lageberichten spielen die Schulen eine wachsende Rolle bei der Viruszirkulation, ebenso infizieren sich in Kitas viele Minderjährige mit der britischen Corona-Variante B.1.1.7.

Das Institut teilte aber auch mit: „Die Rolle von Kindern und Jugendlichen für die Übertragung von SARS-CoV-2 ist nicht abschließend geklärt.“(frs)

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