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Die Kinder werden jeden Tag zur Schule eskortiert

"Alleine haben wir große Angst"

Schulweg mit Militäreskorte

Tuba - Kaum vorstellbar: Dschafaar Omar und 18 Mitschüler aus dem arabischen Dorf Tuba müssen jeden Tag drei Kilometer Feldweg zurücklegen - und das mit einer Militäreskorte. Dafür gibt es gute Gründe.

Einerseits ist der elfjährige Dschafaar jeden Morgen sehr erleichtert, wenn die israelischen Soldaten sein Dorf ansteuern. Andererseits verabscheut er sie, "weil die die Hirten und die Jugendlichen verhauen". Aber ohne Militäreskorte traut sich der Palästinenserjunge nicht zur Schule, aus Angst vor Prügelattacken extremistischer Siedler.

Dschafaar Omar und 18 Mitschüler aus dem arabischen Dorf Tuba am Südrand des Westjordanlands müssen auf dem Weg zur Schule im Nachbarort Al Tawani drei Kilometer Feldweg zurücklegen, der zwischen der jüdischen Siedlung Maon und dem illegalen Außenposten Havat Maon hindurchführt. Nach ständigen Angriffen fanatischer Siedler auf die Tawani-Schüler beschloss das israelische Parlament 2004 die tägliche Armee-Begleitung. Zuvor hatte es die Öffentlichkeit aufgerüttelt, dass die terrorisierten Kinder täglich vor und nach dem Unterricht zwei Stunden Umweg zurücklegen mussten.

"Wenn wir alleine sind, haben wir große Angst, weil die Siedler mit Steinen werfen und uns schlagen. Meistens lauern sie hinter den Bäumen, um jeden Araber zu hindern, diesen Weg zu benutzen", berichtet Dschafaar. Seine 14-jährige Mitschülerin Rim Ali berichtet, dass die Probleme eigentlich fortbestehen: "Manchmal sind die Soldaten zum Schulende nicht da. Und dann müssen wir doch die zwei Stunden Umweg laufen, um nach Hause zu kommen."

Die vor Ort aktive italienische Friedensgruppe "Operation Taube" warf der israelischen Armee Anfang Oktober vor, "seit Beginn des neuen Schuljahres am 25. August, den Eskortpflichten kaum noch nachzukommen". So sei die Patrouille kürzlich trotz mehrfacher Anrufe und Vertröstungen, sie komme gleich, zwei Stunden lang gar nicht erschienen, so dass die ausländischen Pazifisten die Kinder auf dem Umweg begleiteten.

In diesem Jahr kamen die Kinder aus Tuba nach Angaben der Gruppe durch Verschulden der Soldaten an 61 Prozent aller Tage zu spät zum Unterricht. Und an zwei von drei Tagen müssen sie nach der Schule länger auf die Eskorte warten. Von der Nachrichtenagentur AFP zu den Vorwürfen befragt, räumt die Armee ein, "dass die Einsatzkräfte manchmal aufgrund operativer Erfordernisse verspätet sind". Die Abläufe würden nun "überprüft".

Mohammad al Tawil, Direktor der Grundschule und der Oberschule, die zusammen von 150 Mädchen und Jungen besucht werden, versucht das Problem pädagogisch zu mildern. "Da die Kinder aus Tuba wegen der trödelnden Soldaten meist zu spät kommen, wiederholen die Lehrer mit ihnen den verpassten Stoff, vor allem vor Prüfungen."

Schlimm findet er das ganze Klima, das aufgrund der extremistischen Siedler in den Hügeln südlich von Hebron herrscht. "Die Kinder kommen schon verängstigt und nervös hier an. Und wenn der Unterricht mal ein paar Minuten länger dauert und die Soldaten ausnahmsweise pünktlich waren, fahren sie ohne sie weg."

Vizedirektor Ajed al Juneidi ergänzt: "Neulich wurden drei Schüler von eben diesen Soldaten wegen angeblicher Steinwürfe festgenommen, schließlich aber wieder freigelassen. Wie sollen sich Kinder denn fühlen, wenn sie von einer Armee eskortiert werden, die ihre Schulkameraden gefangen nimmt?"

Seit drei Monaten verhandeln Israelis und Palästinenser unter Vermittlung der USA wieder über eine Friedenslösung, die für beide Nationen zwei entflechtete Staaten in gesicherten Grenzen garantieren soll. Auch das Schicksal der Kinder des Dorfs Tuba hängt - wie so viele verzwickte Probleme vor Ort - von einem Erfolg dieser Gespräche ab.

AFP

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