Im Berliner Landgericht

Schwangere Lehrerin erstochen - Mordanklage gegen Ex-Freund

Berlin - Nachbarn hören Schreie und wollen zu Hilfe eilen. Doch die schwangere Frau liegt nach Messerstichen tödlich verletzt in ihrer Wohnung. Ihr Ex-Freund, auch Vater des Kindes, steht nun vor Gericht.

Nach tödlichen Messerstichen auf eine 35 Jahre alte schwangere Lehrerin in Berlin-Schöneberg muss sich ihr ehemaliger Freund und Vater des Kindes wegen Mordes vor Gericht verantworten. Ein Verteidiger des 29-Jährigen erklärte zu Prozessbeginn am Donnerstag am Berliner Landgericht, der Angeklagte sei zur Tatzeit am Tatort gewesen und habe „wohl das Messer gegen den Körper der Geschädigten geführt“. Der 29-Jährige werde sich zu einem späteren Zeitpunkt umfassend äußern.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte die schwangere Frau heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen angriff. Er habe sie getötet, „weil er es nicht akzeptieren wollte, dass sich die Geschädigte von ihm getrennt hatte und das gemeinsame Kind ohne ihn groß ziehen wollte“, heißt es in der Anklage.

Frau soll im vierten Monat schwanger gewesen sein

Der 29-Jährige soll der Lehrerin, die Angaben zufolge im vierten Monat schwanger war, am Morgen des 10. Juni 2016 aufgelauert haben. Als sie um 10.09 Uhr zur Arbeit gehen wollte, habe er die völlig überraschte Frau in den Flur ihrer Wohnung zurückgedrängt, so die Anklage. Sieben Mal soll der Angeklagte auf den Oberkörper der Frau eingestochen haben. Herz, Lunge und Leber seien tödlich getroffen worden. Der Embryo sei mangels Versorgung gestorben.

Der Angeklagte und die Lehrerin hatten sich nach Angaben des Anklägers Anfang 2016 in einem Lokal kennen gelernt. Der 29-Jährige - ein aus Tunesien stammender abgelehnter Asylbewerber - habe sich zuletzt um eine Dolmetschertätigkeit in einem Flüchtlingshilfeverein bemüht. Zunächst habe er sich gegen die Schwangerschaft ausgesprochen, sagte der Staatsanwalt am Rande des Prozesses. „Später änderte er seine Meinung.“

Zeuge: „Sie schrie aus Leibeskräften“

Nachbarn der Frau hatten Schreie gehört und wollten der Frau zu Hilfe eilen. „Sie schrie aus Leibeskräften“, sagte ein 55-jähriger Zeuge. Mit weiteren Nachbarn habe er vor der Wohnung der Lehrerin gestanden, als der Angeklagte die Tür öffnete und das Haus verließ. „Die Frau lag im Flur, ich spürte keinen Puls mehr.“ Der Prozess wegen Mordes und Schwangerschaftsabbruchs geht am 9. Januar weiter.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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