Das kleine Schwarze Loch verformt den Roten Riesen V723 Mon
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Mit einer schematischen Zeichnung illustriert die Universität den Bericht vom Fund - schließlich ist das „Einhorn“ an sich unsichtbar.

So nah wie nie

Dunkles „Einhorn“: Besonders nah an der Erde - bislang kleinstes schwarzes Loch der Milchstraße entdeckt

  • Elisabeth Urban
    vonElisabeth Urban
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Es ist das bisher kleinste bestätigte schwarze Loch und liegt nah an der Erde: Entdeckt wurde das „Einhorn“ von Forschern, weil es einen großen Stern verändert.

Columbus, Ohio - Über die Entdeckung eines kleinen schwarzen Lochs, das so nahe an der Erde liegt wie kein anderes bislang gelistetes, durften sich jetzt Forscher der Ohio State University freuen. Weil ihr Fund so besonders ist und außerdem im Sternbild Monoceros, also Einhorn, liegt, bekam auch das Schwarze Loch den Namen „Unicorn“ verpasst.

Schwarzes Loch: Entstanden aus einem explodierten Stern

Das kleine „Einhorn“ wiegt nach den Schätzungen der Experten ungefähr dreimal so viel wie die Sonne - das ist für ein Schwarzes Loch tatsächlich sehr klein. Schwarze Löcher entstehen, wenn massive Sterne ihr Lebensende erreicht haben und in einer Supernova explodieren. Der Kern des Sterns kollabiert dann, abhängig von seiner Masse, entweder zu einem extrem dichten Neutronenstern, oder er wird zu einem Schwarzen Loch. Ungeklärt ist aber bislang, wo die Grenze zwischen den beiden Entwicklungen liegt, und wie klein eben die kleinsten Schwarzen Löcher sein können.

Neben seiner verhältnismäßig kleinen Masse zeichnet sich das neu gefundene „Einhorn“ vor allem dadurch aus, dass es nur 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt in der Milchstraße liegt, so nah wie bislang kein anderes. Tatsächlich stießen die Forscher um Doktorand Tharindu Jayasinghe eher zufällig auf das inaktive Schwarze Loch - das ist nämlich eigentlich nicht nur visuell, sondern auch für die Messgeräte der Astronomen unsichtbar.

Schwarzes Loch „Einhorn“: So wurde es von Forschern entdeckt

Sichtbar hingegen ist sein deutlich größerer Begleiter: Das kleine „Einhorn“ befindet sich im Orbit eines bekannten Roten Riesen. Der Riesenstern V723 Mon selbst ist ein gut dokumentiertes Objekt, den Jayasinghe und sein Team noch einmal genauer unter die Lupe nahmen, weil er sich immer wieder verändert. „Als wir uns die Daten ansahen, stach dieses schwarze Loch - das ‚Einhorn‘ - einfach heraus“ zitiert unter anderem das Wissenschaftsmagazin scitechdaily den Doktoranden.

Das unsichtbare „Einhorn“ verriet seine Existenz nämlich dadurch, dass es den gut sichtbaren Riesen deutlich in seiner Form beeinflusst. „So wie die Schwerkraft des Mondes die Ozeane auf der Erde beeinflusst und sie dazu bringt, sich zum Mond hin oder von ihm weg auszubuchten und hohe Wellen zu produzieren, so verformt das Schwarze Loch den Stern in eine Football-ähnliche Form“, so Todd Thompson, der ein Co-Autor der Studie ist. Aus den Veränderungen des Roten Riesen schlossen die Forscher also auf die Existenz des Schwarzen Loches und konnten eine ungefähre Größe des „Einhorns“ festlegen.

Kleinstes Schwarzes Loch unabhängig bestätigt

Mittlerweile wurde die Entdeckung des „Einhorns“ von einem weiteren, unabhängigen Forschungsteam bestätigt: Kento Masuda und Teryuki Hirano kamen an der japanischen Osaka-Universität ebenfalls zu dem Schluss, dass das „Einhorn“ seinen Begleiter verzerrt - und dass das Schwarze Loch tatsächlich sehr klein sein dürfte. (eu)

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