Empfindliche Preissteigerung

Schwarzfahren soll teurer werden

Düsseldorf - Schwarzfahrer müssen künftig wahrscheinlich tiefer in die Tasche greifen. Und wer aus Prinzip auf ein Ticket verzichtet, für den verdreifacht sich die Strafe.

Notorische Schwarzfahrer sollen bald die dreifache Strafe zahlen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) will beim sogenannten erhöhten Beförderungsentgelt eine Staffel für Wiederholungstäter einführen und ihnen bis zu 120 statt bislang 40 Euro abverlangen. Beim ersten Schwarzfahren sollen künftig 60 Euro fällig werden, so die Verbandsspitze am Montag in Düsseldorf. Mit den erhöhten Summen setze man auf die Abschreckungswirkung.

Im europäischen Vergleich liege Deutschland mit den seit neun Jahren geltenden 40 Euro inzwischen im unteren Bereich. In Belgien etwa würden 200 Euro fällig. Die Kosten für die Kontrollen hätten sich außerdem auf rund 100 Millionen Euro im Jahr erhöht. Bund und Länder müssen der Erhöhung zustimmen.

Beschwerde gegen Staatsanwaltschaften

Unzufrieden ist der Verband mit dem Umgang der Justiz mit den Schwarzfahrern. Manche Staatsanwaltschaften lehnten es beharrlich ab, sie strafrechtlich zu verfolgen. Man überlege ernsthaft, gegen einige Staatsanwaltschaften mit Beschwerden an die Aufsichtsbehörden vorzugehen.

Nach Angaben des Verbandes fahren bundesweit rund 3,5 Prozent der Passagiere schwarz. Deshalb entgehen den Nahverkehrsunternehmen jährlich zwischen 250 und 300 Millionen Euro an Einnahmen.

Nahverkehr finanziere sich zu 77 Prozent selbst

Das Senken der Schwarzfahrerquote sei schon deswegen erforderlich, weil die Verkehrsunternehmen ihre Schienennetze sanieren müssten. Dafür klaffe eine erhebliche Finanzierungslücke.

Die Forderung der Piratenpartei nach kostenloser Nutzung von Bussen und Bahnen lehnten Verbandsvertreter als „Turbo-Sozialismus“ ab. Der öffentliche Nahverkehr finanziere sich zu 77 Prozent selbst. Es sei verfehlt, diese Kosten komplett dem Staat aufzubürden.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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