Die schwedische Nationalflagge weht am 10.04.2017 in Stockholm auf Halbmast
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Schweden belegt bei internationalen Studien zur Lebensqualität stets einen der vordersten Plätze

Skandinaviens Wirtschaftsmotor

Schweden: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

Schweden wird oft mit natürlicher Idylle und einem unaufgeregten Lebensstil verbunden, der den Büchern der beliebten schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren entsprungen ist. Tatsächlich belegt das Land bei internationalen Studien zur Lebensqualität stets einen der vordersten Plätze.

  • Schweden ist bekannt für seine unberührte Natur und hohe Lebensqualität.
  • Staatsoberhaupt ist bereits seit 1973 König Carl XVI. Gustaf.
  • Der Staat im Norden Europas gilt als Vorreiter beim Klimaschutz.

Stockholm – Schweden weckt wie kaum ein anderes europäisches Land Vorstellungen von ländlicher Idylle, endlosen Wäldern und klaren Seen. Doch dies ist nur die eine Seite. Vor allem in den modernen Großstädten zeigt sich Schweden als eines der progressivsten Länder der Welt mit hoher Lebensqualität, Gleichberechtigung und Engagement im Klimaschutz.

Schweden: Die Zeit der Wikinger

Das heutige Schweden wurde vermutlich nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 14.000 Jahren besiedelt. Im 1. Jahrhundert n. Chr. erwähnten die Römer die von Königen angeführten Stämme Skandinaviens, darunter das Volk der Suionen, schriftlich. Aus diesem gingen im frühen Mittelalter die schwedischen Wikinger hervor, die im gesamten Ostseegebiet Handel trieben und Raubzüge unternahmen. Sie gründeten auch die ersten schwedischen Städte wie Birka, Sigtuna und Lund.

Die Christianisierung Schwedens im 11. Jahrhundert läutete eine neue Epoche in der Geschichte des Landes ein. Als Vater des modernen Königreiches wird der mächtige Fürst Birger Jarl betrachtet, der im 13. Jahrhundert zahlreiche Reformen durchführte und die Macht zentralisierte. Zur gleichen Zeit expandierte Schweden, indem es das benachbarte Finnland eroberte.

Schweden in der Kalmarer Union

1397 schlossen sich Schweden, Norwegen und Dänemark unter der dänischen Herrscherin Margarethe (als Vormund des erst 15-jährigen Königs Erik VII.) zur Kalmarer Union zusammen. Der Skandinavische Bund war jedoch von permanenten Auseinandersetzungen geprägt, die das schwedische Nationalgefühl stärkten. 1521 kam es unter Gustav Wasa zum Aufstand, der in der Unabhängigkeit Schwedens mündete. Der 6. Juni, an dem Gustav Wasa zum König von Schweden gewählt wurde, ist heute schwedischer Nationalfeiertag.

Die weitere Geschichte des Landes wurde vom Kampf um die Vormachtstellung in der Ostseeregion geprägt. Im 17. Jahrhundert dehnte sich das schwedische Reich über Finnland bis ins heutige Russland und ins Baltikum aus. Auch ein Teil der heute zu Mecklenburg-Vorpommern gehörenden deutschen Ostseeküste war kurzzeitig schwedisches Territorium. Niederlagen im Großen Nordischen Krieg von 1700 bis 1721 beendeten die schwedische Vormachtstellung in der Ostsee schließlich.

Schweden: Die jüngere Geschichte

Unter Gustav III. erlebte Schweden im späten 18. Jahrhundert eine kulturelle Blüte, die sich an Frankreich orientierte. Er gründete die Schwedische Akademie, die bis heute die Nobelpreise verleiht, und ließ Theater und ein Opernhaus errichten. In diesem fiel er 1792 bei einem Maskenball einem Attentat zum Opfer. Das folgende Jahrhundert wurde von großen sozialen Problemen und Armut in den ländlichen Gebieten dominiert. Zahllose Schweden wanderten nach Nordamerika aus.

Erst im frühen 20. Jahrhundert gelang dem Land mit der Industrialisierung eine wirtschaftliche Erneuerung. Die endlosen Wälder sorgten für eine florierende Holz- und Papierindustrie. Im hohen Norden wurde Eisenerz gefördert und verarbeitet. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs legte sich Schweden auf politische Neutralität fest, an der der Staat auch im Zweiten Weltkrieg festhielt.

Schweden: Der Staat und die Sozialdemokratie

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kamen die Sozialdemokraten in Schweden an die Macht und bauten den bereits den in den 30er-Jahren beschlossenen schwedischen Wohlfahrtsstaat aus. Das Projekt „Folkhemmet“ (Volksheim) sah eine umfassende Vorsorge der Bürger von der Wiege bis zum Grab durch den Staat vor, die mit extrem hohen Steuern einherging.

Die schwedische Wirtschafts- und Bankenkrise führte ab 1990 zu starken Einschnitten in das üppige soziale System und die Sozialdemokraten verloren erstmals die Macht. 1995 stimmte eine knappe Mehrheit der Bevölkerung für die Aufgabe der Neutralität und den Beitritt zur EU. Allerdings verweigerte der Staat den Beitritt zur Währungsunion und verzichtete auf die Einführung des Euro.

Schweden: Politik heute

Schweden ist eine parlamentarisch-demokratische Monarchie, an dessen Spitze König Carl XVI. Gustaf als Staatsoberhaupt steht. (Seine Rolle ist jedoch rein zeremoniell. Die eigentliche Politik wird im Reichstag mit seinen 349 Abgeordneten betrieben, dem der Ministerpräsident vorsteht. Aktuell ist dies der Sozialdemokrat Stefan Löfven. Insgesamt sind neun Parteien im Reichstag vertreten:

NamePolitikSitze
SozialdemokraternaSozialdemoraten100
Moderaterna\tModerat-Konservative\t70
SverigedemokraternaRechtspopulisten62
CenterpartietZentrum\t31
VästerpartietLinks27
KristdemokraternaChristdemokraten22
LiberalernaLiberale19
MiljöpartietGrüne16

Eine Besonderheit in Schweden ist das Öffentlichkeitsprinzip, das Privatpersonen den Einblick in alle behördliche Schriftstücke ermöglicht. Verbraucher können sich bei Problemen mit Behörden an sogenannte Ombudsmänner wenden, die als Vermittler auftreten.

Beim Klimaschutz nimmt Schweden den ersten Platz weltweit ein. Der Anteil der erneuerbaren Energien liegt bei 55 Prozent. Allerdings stammen weitere 40 Prozent aus Kernkraftwerken. Obwohl der Staat schon 1980 den Ausstieg aus der Atomenergie verkündet hatte, sind bis heute drei Kernkraftwerke mit acht Reaktoren in Betrieb.

Schweden – die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Fläche: 447.435 Quadratkilometer
  • Einwohner: 10.27.589
  • Hauptstadt: Stockholm
  • Amtssprache: Schwedisch

Schweden: Bevölkerung und Sprache

Im Januar 2017 wurde in Schweden die Marke von 10 Millionen Einwohnern erstmals überschritten. Die große Mehrheit der Bevölkerung setzt sich aus ethnischen Schweden und sogenannten Schwedenfinnen mit finnischen Wurzeln zusammen. Im hohen Norden leben noch etwa 20.000 skandinavische Ureinwohner vom Volk der Samen. Aufgrund des liberalen Einwanderungsrechtes erlebte Schweden immer wieder starke Einwanderungswellen.

Die wichtigsten Einwanderergruppen ohne schwedische Staatsbürgerschaft (Stand 2017) stammen aus:

Syrien172.000
Finnland150.000
Irak140.000
Polen91.000
Somalia66.000
Deutschland50.000
Afghanistan43.000
Norwegen42.000
Dänemark40.000
Vereinigtes Königreich27.000

Die schwedische Sprache wurde erst 2009 endgültig als Amtssprache gesetzlich bestätigt. Anerkannte Minderheitensprachen sind Finnisch, Meänkieli (Tornedalfinnisch), Samisch, Jiddisch, Romani und die schwedische Gebärdensprache.

Schweden: Geografie und Städte

Schweden liegt im Norden Europas und ist von flachen Ebenen und Wäldern geprägt. Im Westen an der Grenze zu Norwegen durchzieht das Gebirgsmassiv der Skanden das gesamte Land. Höchster Berg ist der 2.097 Meter hohe Kebnekaise 150 Kilometer nördlich des Polarkreises. Die Geografie Schwedens wird meist in die drei Bereiche Nordschweden (Norrland), Mittelschweden (Svealand) und Südschweden (Götaland) unterteilt.

Der Vänern ist mit 5.519,1 Quadratkilometer Fläche der drittgrößte See Europas nach dem Ladogasee und dem Onegasee in Russland. 1832 wurde der Göta-Kanal fertiggestellt, der Stockholm an der Ostseeküste über den Vänern und den zweitgrößten See Vättern mit Göteborg am Kattegat verbindet. Auf ihm verkehrt mit der 1874 in Dienst gestellten Juno das älteste Passagierschiff der Welt.

Die größten Städte von Schweden im Überblick:

RangStadtEinwohnerzahl (Stand 2019)*
1Stockholm974.073
2Göteborg579.281
3Malmö344.166
4Uppsala230.767
5Linköping163.051

*Diese Zahlen beziehen sich auf das eigentliche Stadtgebiet. Der Großraum Stockholm (Storstockholm) zählte 2020 insgesamt 2.389.923 Einwohner.

Schweden: Wissenswertes über das skandinavische Land

Die schwedische Wirtschaft wurde lange Zeit von der Geografie des Landes bestimmt: Die Wälder führten zu einer florierenden Holzindustrie, während im Norden Eisenerz abgebaut wurde. Im 20. Jahrhundert entstanden Unternehmen von Weltruf, darunter die Automarken Volvo und Saab, Ericsson Telecommunications und die Möbelhauskette IKEA. Einige der heute bekanntesten Internetkonzerne wie Skype, die Streamingplattform Spotify und Mojang Studios (Erfinder von Minecraft) stammen ebenfalls aus Schweden. Der Tourismus spielt keine so große Rolle. Rund 23 Prozent der Auslandstouristen kommen aus Deutschland. Sie zieht es vor allem in die schwedischen Wälder im Binnenland und an die Ostseeküste.

Der skandinavische Staat hat in den letzten Jahrzehnten großen Einfluss auf die europäische Kultur ausgeübt. Die Kinderbuchautorin Astrid Lindgren schuf unsterbliche Figuren wie Pippi Langstrumpf und prägte das Bild Schwedens im Ausland wie kaum eine andere. In den letzten beiden Jahrzehnten kamen berühmte Krimireihen wie Henning Mankells „Wallander“ und Stieg Larssons „Millennium“-Trilogie hinzu. Schwedische Popmusik erlebte mit ABBA in den 70er-Jahren den weltweiten Durchbruch. Dazu dominiert Schweden seit Jahren den Eurovision Song Contest, der bei der Bevölkerung einen weit höheren Stellenwert genießt als in den meisten europäischen Ländern.

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