EHEC: Warnung vor Salat, Tomaten und Gurken

Berlin - Die lebensgefährliche EHEC-Darmerkrankung breitet sich immer dramatischer aus. Das Robert-Koch-Institut warnt davor, rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland zu essen.

Lesen Sie auch:

Forscher identifizieren EHEC-Erreger

EHEC-Epidemie: EU will Alarmstufe 1 ausrufen

Sind rohe Blattsalate, Tomaten und Gurken Schuld an der sich schnell ausbreitenden EHEC-Erkrankungen? Das Robert Koch-Institut warnte am Mittwochabend in Berlin vor dem Verzehr der Gemüse: Eine Studie habe gezeigt, dass EHEC-Erkrankte diese Sorten deutlich häufiger gegessen hätten als gesunde Vergleichspersonen. Experten raten darum, vorsorglich auf diese Lebensmittel ganz zu verzichten - besonders, wenn sie aus Norddeutschland kommen. Dennoch suchen die Experten weiter fieberhaft nach dem Auslöser für die lebensbedrohliche Darmerkrankung. Den Angaben zufolge könnte nur eines oder mehrere dieser Gemüsesorten mit der EHEC-Welle zusammenhängen. Aber auch andere Lebensmittel wie Fleisch, Milch und Käse kommen nach wie vor als Infektionsquelle infrage - auch wenn dort noch keine EHEC-Keime nachgewiesen wurden.

Wegen der EHEC-Epidemie in Deutschland könnte bald europaweit die Alarmstufe 1 ausgerufen werden. Dies sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im EU-Parlament, Jo Leinen (SPD), der “Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag). “Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der gefährliche EHEC-Erreger auch auf andere EU-Länder überspringt.“ Bei der Alarmstufe 1 werden alle EU-Staaten aufgerufen, Maßnahmen zum Schutz ihrer Bevölkerungen einzuleiten, hieß es. Derzeit erlebe Deutschland den stärksten je registrierten EHEC-Ausbruch, sagte RKI-Chef Reinhard Burger am Mittwochabend. Es gebe so viele Erkrankte pro Woche wie sonst in einem Jahr. Zwei Drittel der Betroffenen seien Frauen.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Beim aktuellen Krankheitsausbruch sind mindestens zwei Frauen nachweislich durch den Erreger gestorben. In weiteren Fällen besteht der Verdacht, dass EHEC die Todesursache ist. Zudem kann die Erkrankung Nierenschäden hinterlassen. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) nannte die Ausbreitung “besorgniserregend“. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa waren am Mittwoch mehr als 600 Fälle registriert, von denen aber noch nicht alle bestätigt sind - am Dienstag waren es noch etwa 460. Die Zahl der besonders schweren Krankheitsverläufe mit blutigem Durchfall und Nierenversagen ist laut RKI auf mindestens 140 gestiegen. Meldungen über bestätigte Infektionen oder Verdachtsfälle kommen mittlerweile aus 15 der 16 Bundesländer - nur Rheinland-Pfalz hat noch keinen Fall gemeldet.

Der Schwerpunkt der Infektionen liegt in Norddeutschland. Am stärksten betroffen ist derzeit Hamburg. Für den Stadtstaat und Schleswig-Holstein meldeten die Behörden zusammen mehr als 400 Erkrankungen und Verdachtsfälle. Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) befürchtet, dass dort infizierte Patienten sterben werden. “Wir müssen damit rechnen, Patienten zu verlieren“, sagte der Nierenspezialist Rolf Stahl. Den Angaben zufolge werden derzeit 33 Erwachsene und 14 Kinder behandelt. RKI-Chef Burger glaubt, dass die Infektionszahlen abflauen werden, wenn das bakterienhaltige Lebensmittel gefunden sei.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Terror-Angst in Barcelona: Rasender LKW mit Schüssen gestoppt
Barcelona - Plante er einen Anschlag? Nach einer wilden Verfolgungsjagd haben Polizisten in Barcelona den Fahrer eines mit Gasflaschen beladenen LKW durch Schüsse zum …
Terror-Angst in Barcelona: Rasender LKW mit Schüssen gestoppt
Mehr Menschen denn je reisten 2016 mit Bus, Bahn, Flugzeug
Sie sind mobil wie nie: Die Bundesbürger sind im vergangenen Jahr öfter in Busse, Bahnen oder Flugzeuge gestiegen als je zuvor. Vor allem im Fernverkehr war der Zuwachs …
Mehr Menschen denn je reisten 2016 mit Bus, Bahn, Flugzeug
Unicef: 1,4 Millionen Kindern droht Hungertod
New York - Das UN-Kinderhilfswerk Unicef schlägt Alarm: In vier afrikanischen Ländern könnten rund 1,4 Millionen Kinder dieses Jahr nicht überleben, weil sie nicht genug …
Unicef: 1,4 Millionen Kindern droht Hungertod
„Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann?“ Hoffentlich nicht.
Mit Ihrem Coffee to go sind Sie noch schnell in die Bahn gejumpt. „Das ist Raubbau an unserer Sprache.“ Ein Gastbeitrag von Autor Andreas Hock am Tag der Muttersprache - …
„Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann?“ Hoffentlich nicht.

Kommentare