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In der Silvesternacht kam es in mehrere deutschen Städten sexuelle Übergriffe auf Frauen.

Sex-Attacken gegen Frauen

Grabscher-Alarm: Was geschah wirklich in der Horror-Nacht?

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München - Junge Männer, offenbar aus dem arabischen Raum, umzingeln in der Silvesternacht Frauen, belästigen sie sexuell und bestehlen sie: Die tz rekonstruiert die Ereignisse.

Junge Männer, offenbar aus dem arabischen Raum, umzingeln in der Silvesternacht Frauen, belästigen sie sexuell und bestehlen sie: Die erst verspätet bekannt gewordenen Übergriffe in Köln und Hamburg haben einen heftigen Polit-Streit entfacht. Die tz rekonstruiert die Ereignisse.

Was passierte in der Silvesternacht?

Ab 21 Uhr versammelten sich nach Polizeiangaben bis zu 500 Menschen auf dem Bahnhofsvorplatz, viele davon alkoholisierte junge Männer. Bis Mitternacht wuchs diese Menschenmenge auf rund 1000 an. Die Stimmung war von Anfang an aggressiv: „Hunderte haben sich gegenseitig mit Böllern beworfen oder auch Raketen in Menschengruppen geschossen“, so der Kölner Patrick, der mit Freunden in die Altstadt gehen wollte, gegenüber Spiegel-online. Aus dieser Menschenmenge heraus sollen sich dann kleinere Gruppen von zwei, drei bis zu 20 Männern herausgebildet haben, die Frauen attackierten: „Die Verdächtigen versuchten durch gezieltes Anfassen der Frauen von der eigentlichen Tat abzulenken – dem Diebstahl von Wertgegenständen, insbesondere Geldbörsen und Mobiltelefone“, heißt es zwei Tage später in der Mitteilung der Kölner Polizei.

Wie viele Opfer, wie viele Täter gibt es?

Inzwischen sind mehr als 500 Anzeigen bei der Kölner Polizei eingegangen, in etwa 40 Prozent der Fälle ermitteln die Beamten unter anderem wegen Sexualstraftaten. In zwei Fällen geht es um den Vorwurf der Vergewaltigung. In Hamburg sind bislang 53 Anzeigen eingegangen, zehn davon wegen sexueller Belästigung. Augenzeugen gehen von insgesamt 40 bis 100 Tätern aus. Bei der Bundespolizei liegen über 40 Anzeigen vor. 

Die im Internet kursierende Zahl von 1000 Tätern ist nach Polizeiangaben völlig überzogen. Justizminister Heiko Maas äußerte den Verdacht, dass es Absprachen zwischen den Tätern in den drei Städten gegeben haben könnte.

Warum wurden die Übergriffe erst so spät zum Thema?

Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers hatte am Neujahrstag die Silvesternacht als entspannt beschrieben und die Polizeiarbeit gelobt. Erst am Abend des 2. Januar wurde bekannt, dass mittlerweile 30 Anzeigen eingegangen seien. Albers räumte inzwischen ein, zunächst falsch über die Ereignisse der Nacht berichtet zu haben. Einen Rücktritt schloss er aus: „Gerade jetzt bin ich, glaube ich, hier gefragt.“

Was ist über die Täter bekannt?

Wenig, außer dass es sich vorwiegend um 15- bis 35-jährige Männer aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum handeln soll. Wie viele Tatverdächtige insgesamt im Fokus der Ermittler stehen, war von den verschiedenen Polizeistellen bislang nicht genau zu erfahren. Der Kölner Polizei waren bis Sonntagabend 19 Personen namentlich bekannt, die für Straftaten in der Silvesternacht am und im Hauptbahnhof verantwortlich sein könnten. Bis Freitagmittag hatte die Bundespolizei, die auf dem Bahnhofsgelände zuständig ist, 32 Tatverdächtige identifiziert. Darunter sind neun algerische, acht marokkanische, fünf iranische, vier syrische, ein irakischer, ein serbischer, ein US-amerikanischer sowie drei deutsche Staatsangehörige. 22 seien Asylbewerber. Mit Sexualdelikten sind sie aber bisher nicht in Verbindung gebracht worden.

In Gütersloh wurde am Samstagabend ein 19-Jähriger festgenommen, der nach Angaben der Polizei mit einem von einer 23-Jährigen in der Silvesternacht entwendeten Handy in Zusammenhang gebracht werden konnte. Der Mann sei einschlägig vorbestraft. Am Freitag waren zwei von der Kölner Polizei festgenommene 16 und 23 Jahre alte Männer wieder freigelassen worden, weil sich der Tatverdacht gegen sie nicht erhärten ließ. Die Kölner Polizei hatte nach Angaben eines Sprechers Handys bei ihnen sichergestellt.

Geht es hier um eine neue Form der Kriminalität?

Ja! Die Kriminologin Rita Steffesenn vom Zentrum für Kriminologie und Polizeiforschung beobachtet seit rund zwei Jahren diese neue Form der Kriminalität, die die Experten „Antanzen“ nennen: Junge Männer belästigen Frauen, teilweise auch sexuell, um sie so abzulenken und auszurauben. „Die sexuelle Annäherung ist hier gewissermaßen das Mittel zum Zweck“, so die Kriminologin in der ARD.

Noch immer gibt es keine gesicherten Erkenntnisse darüber, ob und wie sich die Täter vorab verabredet oder organisiert haben. Unklar ist ebenfalls, ob es zwischen den Taten in Köln und in anderen Städten einen Zusammenhang gibt.

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dpa

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