„Inzidenz verliert an Aussagekraft“

Alarm-Papier von RKI-Chef Wieler sorgt für Aufregung - jetzt reagiert Spahn

  • Momir Takac
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Die Sieben-Tage-Inzidenz soll laut RKI-Chef Wieler weiter maßgeblich bei der Entscheidung für oder gegen Corona-Einschränkungen sein. Gesundheitsminister Spahn ist anderer Meinung.

Update vom 28. Juli, 18.25 Uhr: Nach dem Bekanntwerden eines Panik-Schreibens von RKI-Chef Lothar Wieler hat sich jetzt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geäußert. Wieler hatte dafür plädiert, die Sieben-Tage-Inzidenz als „Leitindikator“ beizubehalten. Dem widersprach Spahn.  „Mit steigender Impfrate verliert die Inzidenz an Aussagekraft“, sagte er der Bild.

Neben der Inzidenz brauche es deshalb „zwingend weitere Kennzahlen, um die Lage zu bewerten“. Als Beispiel nannte Spahn die Zahl von neu aufgenommenen Corona-Patienten in Krankenhäusern.

Sieben-Tage-Inzidenz muss „Leitindikator“ bleiben: Alarm-Papier des RKI sorgt für Furore

Erstmeldung vom 27. Juli 2021, 18.03 Uhr

München/Berlin - In Deutschland gehen die Infektionen mit dem Coronavirus nach längerem Stillstand wieder stetig nach oben. Bei Politikern stellt sich daher die Frage, wie künftig mit den Zahlen in der Pandemie umgegangen werden soll.

Nach dem Willen vieler Länderchefs soll die Sieben-Tage-Inzidenz nicht mehr allein über Corona-Maßnahmen entscheiden, auch die Zahl der Klinik-Einweisungen soll einfließen, wie es auch ein Schweizer Epidemiologe vorschlägt.

RKI-Chef Wieler: Hohe Impfquote nicht ausreichend, um „vierte Welle flach zu halten“

Doch jetzt sorgt ein neues Papier des Robert-Koch-Instituts für Aufsehen. RKI-Chef Lothar Wieler warnt in dem Schreiben, das der Bild vorliegt, dass die vierte Welle begonnen habe und die Sieben-Tage-Inzidenz „Leitindikator“ bleiben müsse. Eigentlich wollte das RKI vom Inzidenzwert als alleinigem Bewertungsfaktor der Pandemie abrücken, doch nun folgte offenbar eine Kehrtwende.

Wie die Bild weiter schreibt, warnt Wieler in dem Papier drastisch vor hohen Inzidenzen. Als Beispiel soll er den schnellen Anstieg der Corona-Zahlen in Großbritannien angeführt haben, die inzwischen aber wieder rückläufig sind. Weiter heißt es, dass hohe Impfquoten alleine nicht ausreichten, „die vierte Welle flach zu halten“. Im Klartext heißt das, dass Corona-Einschränkungen nötig sind.

Geheime Schaltkonferenz wegen Alarmpapier des Robert-Koch-Instituts

Nach Bekanntwerden des Papiers soll es sogar zu einer geheimen Schaltkonferenz zwischen Kanzleramtschef Helge Braun und den Chefs der Staatskanzleien gekommen sein. Laut Bild sollen die Länderchefs Wielers Alarm nicht geteilt haben. So sollen sie die 7-Tage-Inzidenz weiter als „Frühwarnwert“ nutzen wollen, nicht jedoch als Maß aller Dinge.

Was künftig maßgeblich bei der Bewertung der Pandemie sein soll, können die Länderchefs und Kanzlerin Angela Merkel früher als gedacht besprechen. Der nächste Corona-Gipfel wurde auf den 10. August vorverlegt. Für Bayern hat Ministerpräsident Markus Söder die neuen Corona-Regeln verkündet. (mt)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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