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Der Kompass am Wrack der "SS Gairsoppa"

Silberschatz im Atlantik: Wem gehören die Millionen?

London - Auf Schatzsuche in den Weltmeeren: Tiefseeforscher erfüllen diesen Traum mit modernster Technik. Im Atlantik machen sie einen neuen Fund. Anders als sonst oft, ist klar, wer damit Geld machen kann

Im blau-grauen Licht des Schweinwerfers tauchen die Umrisse einer Schiffsreling auf, bewachsen mit mysteriös aussehenden Meerespflanzen. Am Heck des Wracks schimmert ein golden glänzendes Kompasshäuschen, dass sich in 4700 Metern Tiefe erstaunlich gut gehalten hat. Mit Bildern wie aus einem Abenteuerfilm zeigten die Tiefseeforscher der US-Firma Odyssey Marine Exploration ihren neuesten Fund im Atlantik: Das 1941 von einem deutschen U-Boot versenkte britische Handelsschiff “Gairsoppa“. Sollte sich in dessen Laderäumen wie vermutet ein Silberschatz verbergen, winken der Firma und dem britischen Staat Millionen.

“Es wäre wohl vergessen worden, wenn es nicht diese Fracht hätte“, schrieb die britische Zeitung “Guardian“. Historischen Dokumenten zufolge sind rund 200 Tonnen Silber an Bord, die heute schätzungsweise 150 Millionen Pfund (etwa 172 Millionen Euro) Wert wären. Die so oft bei Schiffsfunden auftauchende Frage, wem der Schatz denn gehört, stellt sich diesmal nicht. Die britische Regierung hatte vergangenes Jahr nach einer offiziellen Ausschreibung einen Vertrag mit Odyssey geschlossen, dem zufolge 80 Prozent des Silbers an das Unternehmen gehen würden. Der britische Staat könnte demnach um die 30 Millionen Pfund in die Kasse bekommen.

Streit mit den spanischen Behörden

Bei der Firma Odyssey dürfte man aufatmen, dass das Finanzielle diesmal geregelt ist. Das Unternehmen ist seit Jahren im Streit mit den spanischen Behörden. 2007 hatte die auf Tiefseeerkundung spezialisierte Firma im Atlantik Silber- und Goldmünzen mit einem geschätzten Wert von rund 370 Millionen Euro gefunden.

Das spanische Kulturministerium beansprucht den Schatz für sich, weil er aus der 1804 vor Portugal gesunkenen spanischen Galeone “Nuestra Señora de las Mercedes“ stammen soll. Es geht unter anderem um die Frage, in welchem Hoheitsgewässer das Wrack liegt und wem das Schiff einst gehörte. Erst vor wenigen Tagen entschied ein US-Gericht, der Schatz müsse Spanien übergeben werden. Doch Odyssey kündigte weitere juristische Schritte an.

Eigentum unabhängig vom Fundort

Nach einer 2001 verabschiedeten Konvention der Unesco müssen Schiffswracks eigentlich unabhängig vom Fundort dem Land zuerkannt werden, aus dem sie kommen. Doch einige Länder sind dem Abkommen, das die Tiefseeschätze als Teil des kulturellen Erbes eines Landes sieht, nicht beigetreten und fühlen sich dazu nicht verpflichtet.

Im Einzelfall gibt es meist verschiedene Interpretationen. Dabei geht es auch oft um die Hoheitsgewässer eines Landes. Diese erstrecken sich nach internationalem Recht auf eine Entfernung von zwölf Seemeilen. Madrid allerdings erhebt Anspruch auf jegliche spanische Kulturgüter, die in einer Entfernung von 200 Seemeilen (fast 400 Kilometer) zur Küste entdeckt werden.

Die “Gairsoppa“ dürfte Odyssey jedoch keinen Ärger machen. Das britische Verkehrsministerium betonte am Dienstag erneut, dass klar geregelt sei, wem was gehöre. Man habe die Firma nach einer Ausschreibung ausgewählt, weil sie “den besten Ertrag für die Regierung ihrer Majestät versprach“.

dpa

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