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Seit dem Skandal um billige Silikonbrustimplantate machen sich tausende Frauen Sorgen.

Silikonpfusch: Schnelltest schafft Klarheit

München - Seit dem Skandal um billige Silikonbrustimplantate machen sich tausende Frauen Sorgen: Auch hochwertige Implantate können reißen. Münchner Forscher glauben, jetzt einen einfachen Test für solche Risse gefunden zu haben

Gefährliche Risse in Brustimplantaten aus Silikon könnten möglicherweise bald sehr einfach durch einen Urintest feststellbar sein. Es gebe Hinweise darauf, dass dann die Platinwerte erhöht seien, sagte der Diplomchemiker am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität Rudolf Schierl der Nachrichtenagentur dpa.

Dabei gehe es um minimale Mengen im Nano-Bereich. “Das Platin hat gesundheitlich keine Relevanz, es ist nur ein Indikator.“ Sollte sich die These bewahrheiten, könnte es damit bald einen sehr einfachen, kostengünstigen und gesundheitlich nicht belastenden Test geben, ob die Implantate in Ordnung seien.

Bei vier von 30 Frauen seien bereits erhöhte Platin-Werte gefunden worden, ohne dass dies von Zahn-Ersatz aus Gold-Legierungen, von Krebs-Medikamenten oder von einer besonderen beruflichen Belastung stammen konnte, sagte Schierl. Die Werte hätten beim bis zu 10-fachen des normalen Referenzwertes gelegen. “Da hat sich schon gezeigt, dass einige Frauen mit Silikonimplantaten diese erhöhten Werte hatten. Aber es waren nicht genug, um sicher zu sagen, dass es diesen Zusammenhang gibt.“

Nun solle eine breiter angelegte Studie mit rund 100 Frauen Gewissheit schaffen. Die Untersuchung sei bereits von der Ethikkommission der LMU genehmigt. Die Ambulanz des Klinikums suche nun Frauen mit Implantaten, die teilnehmen wollten.

Zuvor hatte die Universität implantierende Ärzte um Kooperation gebeten, jedoch ohne Erfolg. “Das Anliegen fand bei den niedergelassenen Chirurgen keine große Resonanz“, sagte Schierl. Dabei hätte ein solcher einfacher Test gerade in dem jüngsten Skandal vielen Patientinnen schnell Sicherheit bringen können. “Hätten die Ärzte mitgemacht, hätten wir vielleicht da schon ein Instrument gehabt.“

Platin werde bei der Herstellung von Silikon als Katalysator verwendet. Reiße ein Implantat, könne das Platin freigesetzt werden. Die ersten Untersuchungen zu Platin im menschlichen Körper hatten in den 1990er Jahren an der LMU begonnen.

Damals waren die Katalysatoren für Autos eingeführt worden, die ebenfalls in geringen Mengen Platin freisetzten. Damals habe es die Sorge gegeben, dass sich dieses Platin gerade bei Menschen, die wie Taxifahrer oder Busfahrer viel im Verkehr unterwegs sind, im Körper sammeln und gesundheitliche Schäden verursachen könne. Das habe sich aber nicht bewahrheitet. In der Folge fanden die Wissenschaftler aber heraus, dass Platin aus bestimmten Metallzusammensetzungen beim Zahnersatz frei werden kann.

Der Referenzwert liegt laut Umweltbundesamt bei 10 Nanogramm Platin pro Liter Urin, bei den betroffenen Frauen habe der Wert bei bis zu 100 Nanogramm gelegen. Referenzwerte kennzeichnen anders als Grenzwerte keine gesundheitliche Gefährdung, sondern sollen lediglich eine Möglichkeit geben, Abweichungen von der Norm zu benennen.

dpa

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