Skandalöses US-Urteil

Keine Vergewaltigung - weil sie Single ist

Los Angeles - Ein nach eigenen Worten "ekelerregendes" Urteil hat ein US-Richter gesprochen, der aufgrund eines völlig veralteten Gesetzes einen verurteilten Vergewaltiger freilassen musste.

Skandalöse Revision: Ein zu drei Jahren Haft verurteilter Vergewaltiger aus den USA ist wieder auf freiem Fuß. Das Urteil gegen den Mann wurde am Mittwoch in Los Angeles aufgehoben - wegen eines Gesetzes des Staates Kalifornien aus dem Jahr 1872, das zwar völlig veraltet ist, aber immer noch gültig.

Der Fall klingt ungewöhnlich: Nach einer durchzechten Nacht mit einem befreundeten Pärchen hatte sich Julio M. in das Bett der Frau geschlichen und der Schlafenden vorgespielt, er sei deren Freund - der war jedoch bereits nach Hause gegangen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft nutzte der Mann die Wehr- und Arglosigkeit der Frau schamlos aus und verging sich an ihr, wie die "Huffington Post" berichtet. Erst als ein Lichtstrahl in das Zimmer drang, erkannte das Opfer, dass es getäuscht worden war.

Die Verteidigung legte Widerspruch gegen die Verurteilung des Mannes ein - und gewann! Das Gesetz, auf das sie sich berief, stammt aus dem Jahr 1872 und besagt, dass es sich nur dann um eine Vergewaltigung gehandelt hätte, wenn das Opfer verheiratet gewesen wäre und der Täter vorgegeben hätte, ihr Mann zu sein. Für unverheiratete Frauen gilt dies jedoch nicht.

Der zuständige Richter nannte sein eigenes Urteil "ekelerregend", hatte aber keine Wahl, als den Buchstaben des Gesetzes zu folgen. Er empfahl der Anklage, Widerspruch einzulegen und riet den Gesetzgebern, das entsprechende Gesetz einer Prüfung zu unterziehen.

hn

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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