Greenpeace-Aktivisten zeigen während des informellen Treffens der EU-Handelsminister in Bratislava ein Transparent mit der Aufschrift „No TTIP“ am UFO-Turm auf der Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes über der Donau
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Der UFO-Turm auf der Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes über der Donau in Bratislava mit der Burg Bratislava im Hintergrund

Die Länder der Visegrád-Gruppe

Slowakei: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

Die Slowakei gehört zu den jungen Staaten und den spät beigetretenen EU-Ländern. Der Staat wurde 1993 unabhängig und ist seit 2004 Mitglied der EU und der NATO. Das Schengener Abkommen wurde 2007 geschlossen und seit 2009 zahlen auch Slowaken mit dem Euro.

  • Die Slowakei liegt mitten in Europa: Der Staat grenzt an Österreich, Tschechien, Polen, Ungarn und die Ukraine.
  • Die Hauptstadt des Landes ist Bratislava, die zugleich die größte Gemeinde des Landes darstellt.
  • Die Slowakei ist zu zwei Dritteln gebirgig, ein großer Teil der Karpaten zieht sich durch das Land.

Bratislava – Die Slowakei ist bekannt für wunderschöne Naturlandschaften und beeindruckende Schlösser und Burgen aus dem Mittelalter. Dazu zieht der Staat, ebenso wie Rumänien, Touristen mit schaurigen Sagen und Legenden an. Was im rumänischen Siebenbürgen „Graf Dracula“ ist, ist in Slowenien die „Blutgräfin“. Die beeindruckenden Berge, Wälder und Burgen waren schon Drehort für viele Filme und Serien mit Bezug zu Dracula oder der legendären Gräfin. So verträumt und ländlich der Staat in Osteuropa auf Bildern und bei Reisen in abgelegene Gebiete wirkt – rund die Hälfte der Bevölkerung der Slowakei lebt heute in den Städten.

Slowakei – der Staat und seine Geschichte

Zuerst besiedelten Slawen zwischen dem 5. und 6. Jahrhundert das Gebiet der heutigen Slowakei. Ab dem 7. Jahrhundert schlossen sich die Siedler zum ersten Mal zu einer politischen Ordnung zusammen. Es entstand das Reich des Samo. Im Frühmittelalter lag das heutige Staatsgebiet im Zentrum des Mährischen Reichs, was Experten als das erste bedeutende Staatsgebilde der Slawen bezeichnen.

Im 11. Jahrhundert ging die bewegte Geschichte der Slowakei weiter. Nun wurde das Gebiet des heute bekannten Staates in das Königreich Ungarn integriert. Als Teil Ungarns fiel die Slowakei 1526 an die Habsburger und wurde somit ab 1867 zu einer Region in Österreich-Ungarn.

Durch die Folgen des Ersten Weltkriegs wurde das Königreich aufgelöst und die Slowakei wurde der neu gegründeten Tschechoslowakei zugeordnet. 1939 verlor dieses Land auf Betreiben des Dritten Reichs große Teile seiner Gebiete und die Slowaken nutzten die Chance, eine Republik Slowakei als eigenständigen Staat auszurufen. Endes des Zweiten Weltkriegs wurde die Tschechoslowakei wieder neu gebildet. Erst 1993 trennten sich die verschiedenen Völker friedlich. Seitdem ist die unabhängige Slowakische Republik der Nationalstaat der Slowaken.

Slowakei – ein Staat der Visegrád-Gruppe

In der sogenannten Visegrád-Gruppe schlossen sich im Jahr 1991 ursprünglich drei Staaten zusammen. Das sind:

  • Tschechoslowakei
  • Polen
  • Ungarn

Nach dem Zerfall des Ostblocks und dem Ende des Kalten Krieges beabsichtigten diese Staaten, alle Probleme, die sie gleichermaßen betreffen, gemeinschaftlich zu lösen. Es handelt sich dabei heute um ein Binnenbündnis innerhalb der Europäischen Union mit halboffiziellem Charakter. Durch die einvernehmliche Auflösung der Tschechoslowakei in den unabhängigen Staat Slowakei und den unabhängigen Staat Tschechien gehören der Visegrád-Gruppe nun vier Länder an. Zu den gemeinsamen Aktivitäten zählen unter anderem:

  • ein gemeinsamer Fonds zur Förderung der Kultur
  • die Vergabe von Stipendien an Studierende
  • eine meist gemeinschaftlich ausgerichtete Außenpolitik
  • die gegenseitige Unterstützung in Krisenlagen

Das bedeutet nicht, dass der Staat Slowakei keine eigenen Entscheidungen treffen darf. So ist die Slowakei erst im Jahr 2004 der NATO beigetreten, die Partnerländer waren bereits seit 1999 Teil des Bündnisses. Der Beitritt zur EU erfolgte 2004 gemeinsam, aber nur die Slowakei hat bisher die Gemeinschaftswährung Euro eingeführt. Den Wegfall der Grenzkontrollen durch das Schengen-Abkommen haben dagegen alle vier Staaten gemeinsam bewältigt.

Die Slowakei – Politik

Gemäß der Verfassung von 1992 ist der Staat Slowakei eine Republik. Das Staatsoberhaupt ist der Präsident, welcher alle fünf Jahre gewählt wird. Seit 2019 hat Zuzana Čaputová das Amt inne. Ihre Macht teilt sie sich der Verfassung entsprechend mit dem Parlament. Die Exekutive des Staates stellt die Regierung dar. Sie besteht aus dem Ministerpräsidenten (seit 2020 Igor Matovič), seinen Stellvertretern und den Ministern. Die Regierung wird vom Staatspräsidenten ernannt und ist verpflichtet, dem Parlament innerhalb von 30 Tagen nach der Ernennung ihr politisches Programm vorzulegen. Zugleich muss die zukünftige Regierung um das Vertrauen des Parlaments bitten.

Sowohl die Regierung als auch das Parlament haben während der Legislaturperiode jederzeit die Möglichkeit, die Vertrauensfrage zu stellen.

  • Die Regierung kann im Parlament, Nationalrat genannt, jede Abstimmung mit der Vertrauensfrage verknüpfen.
  • Das Parlament kann seinerseits jederzeit der Regierung oder einem einzelnen Mitglied derselben das Vertrauen entziehen.

Dabei gilt: Über die Vertrauensfrage der Regierung entscheiden die Mitglieder mit einfacher Mehrheit. Möchte das Parlament der Regierung das Vertrauen entziehen, bedarf es der absoluten Mehrheit. Bei einem Vertrauensverlust erfolgt zwangsläufig die Abberufung des Präsidenten.

Slowakei – die Parteienlandschaft

Das Parlament der Slowakei hat nur eine Kammer, in der 150 Abgeordnete ihre Arbeit verrichten. Die Volksvertreter werden alle vier Jahre gewählt. Wählen dürfen alle Menschen, die älter als 18 Jahre sind. Die Stimmabgabe ist auch außerhalb des eigenen Wahlbezirks möglich.

Die Politik im Staat ist durch ein wenig stabiles Bild der Parteien geprägt. Ein Grund dafür ist, dass die Bevölkerung in zwei Lager gespalten ist:

  • Die einen sind außenpolitisch eher östlich ausgerichtet und werden als linkspopulistisch und sozial-national beschrieben.
  • Die anderen orientieren sich in der Außenpolitik stärker am Westen, sie gelten als mitte-rechts.

Seit 1989 haben interne Konflikte und Abspaltungen zu einer politischen Landschaft mit mehr als 100 verschiedenen Parteien geführt. Insgesamt beherrschen folgende Konflikte die Politik und die Entscheidungen der Wähler:

  • säkular-liberale Ordnung nach westlichem Vorbild vs. historisch gewachsene Gemeinschaft
  • liberale Marktwirtschaft vs. staatliche Interventionen
  • der Umgang mit verschiedenen ethnischen Gruppen (wie Slowaken und Ungarn)

Slowakei – Bevölkerung und Sprache

In der Slowakei leben rund 5,46 Millionen Menschen (Stand 2019). Seit der Unabhängigkeit des Staates stagniert die Größe der Bevölkerung, 2020 betrug das Durchschnittsalter 41,2 Jahre. Dabei ist die Tendenz steigend, die Bevölkerung altert zunehmend. Aktuell beträgt die Lebenserwartung durchschnittlich 77,3 Jahre. Frauen werden mit 80,8 Jahren statistisch gesehen älter als die Männer, die nur 73,3 Jahre erreichen.

Die slowakische Regierung gibt die Zusammensetzung der Bevölkerung auf zwei Arten an: nach der Staatsangehörigkeit und nach der ethnischen Zugehörigkeit gemäß Selbsteinschätzung. Nach Auswertungen des Statistischen Amtes der Slowakei von 2017 leben folgende ethnische Gruppen im Staat:

  • Slowaken: 81,5 Prozent
  • Magyaren: 8,3 Prozent
  • Roma: 2 Prozent
  • Tschechen: 0,7 Prozent
  • Russinnen: 0,6 Prozent
  • Ukrainer: 0,2 Prozent
  • Deutsche: 0,1 Prozent
  • Polen: 0,1 Prozent
  • Sonstige ohne Angabe: 6,4 Prozent

Staatssprache des Landes ist Slowakisch. Gleichzeitig sprechen viele Einwohner im Süden des Landes Ungarisch, während in den östlichen Landesteilen Russinisch verbreitet ist. Roma verständigen sich meist auf Romani. Die deutsche Sprache ist bis auf wenige Sprachinseln nahezu ausgestorben. Durch die lange gemeinsame Geschichte mit den Tschechen verstehen die meisten Slowaken das verwandte Tschechisch gut.

Slowakei: Städte und Geografie

Der Staat verfügt etwa über 14 Prozent der Größe Deutschlands. Die Hauptstadt der Slowakei und auch die größte Gemeinde des Landes ist Bratislava. Mehr als die Hälfte der rund fünf Millionen Einwohner lebt in Städten. Daher sind die Städte in der Slowakei für ein kleines Land vergleichsweise groß:

  • Bratislava (Hauptstadt): rund 430.000 Einwohner
  • Košice: etwa 240.000 Einwohner
  • Prešov: knapp 100.000 Einwohner
  • Nitra: rund 85.000 Einwohner
  • Žilina: etwa 85.000 Einwohner
  • Banská Bystrica: etwa 82.000 Einwohner

Die Geografie des knapp 50.000 Quadratkilometer großen Landes ist von den nördlichen Karpaten geprägt. Im Norden und in der Mitte beherrschen Gebirge das Land, im Süden erstrecken sich Ausläufer der ungarischen Tiefebene. In der Slowakei befindet sich die Hauptwasserscheide Europas. Dort fließen Teile des Wassers entweder nördlich der Gebirge zur Ostsee oder im Süden in das Schwarze Meer.

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