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Slowenien: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Ein Stehpaddler fährt mit einem Board, auf dem außerdem ein Junge sitzt, über die Ljubljanica
Ein Stehpaddler fährt über die Ljubljanica in Ljubljana © picture alliance/dpa/SOPA Images via ZUMA Wire | Jure Makovec

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Staat Jugoslawien gebildet, ein Teilgebiet wurde 1991 unabhängig und bildet den heutigen Staat Slowenien. Das kleine Land in Osteuropa gehört heute zur EU und ist Teil der Europäischen Währungsunion.

Ljubljana – Das Gebiet des heutigen Slowenien blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Zu Beginn des 6. Jahrhunderts n. Chr. besiedelten Slawen die Region und gründeten das Fürstentum Karantanien. Knapp 200 Jahre später eroberten die Franken das Fürstentum. Durch die Bistümer Salzburg und Aquileia erfolgte die Christianisierung der Bewohner. Der nun christliche Staat wurde im 11. Jahrhundert in das Heilige Römische Reich integriert und 1364 zum Herzogtum Krain erklärt. Später fiel das Gebiet an die Habsburgermonarchie, dann an das Königreich Jugoslawien. Erst nach über eintausend Jahren wurde die heutige Republik Slowenien 1991 wieder zu einem freien, eigenständigen Staat.

Slowenien – die Geschichte des Staates nach dem Ersten Weltkrieg

Im 19. Jahrhundert entwickelten die im Königreich Österreich-Ungarn versammelten Volksgruppen ein immer stärkeres Nationalbewusstsein. Als das Königreich nach dem Ersten Weltkrieg aufgelöst wurde, entstand ein „Nationalrat der Slowenen, Kroaten und Serben“. Als italienische Truppen versuchten, Kärnten sowie slowenische Küstenregionen zu erobern, bat der Nationalrat das Königreich Serbien um Hilfe. Aus dieser militärischen Zusammenarbeit entstand Ende 1918 das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das auch Staat der Serben, Kroaten und Slowenen, kurz SHS-Staat, genannt wurde.

Nach dem Krieg wurden diesem Staat über verschiedene Verträge Gebiete zugesprochen. Im Jahr 1929 wurde nach einem Staatsstreich aus diesem Vorläuferstaat, auf dessen Teilgebiet das heutige Slowenien liegt, das Königreich Jugoslawien. Bereits vorher dominierten die Serben die Politik, diese Vorherrschaft verstärkte sich im Königreich und die Slowenen litten zusätzlich unter dem Verlust des Zugangs zur Adriaküste.

Slowenien – die Geschichte ab dem Zweiten Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet des heutigen Sloweniens schnell von den Achsenmächten besetzt und unter Deutschland, Italien und Ungarn aufgeteilt. Rund 80.000 Slowenen wurden aus ihrer Heimat verschleppt und in Deutschland, Rumänien und Bulgarien zur Zwangsarbeit gezwungen. Kinder slowenischer Partisanen wurden als Druckmittel nach Franken verschickt. Am Kriegsende flohen sowohl die deutschsprachige Minderheit als auch kroatische und slowenische Truppen, die gegen die jugoslawische Befreiungsarmee gekämpft hatten, außer Landes, häufig nach Kärnten. Von dort wurden die Betroffenen allerdings ausgeliefert und in der Folge getötet.

Am 29. November 1945 entstand die Demokratische Föderative Volksrepublik Jugoslawien, der Staat hieß ab 1963 Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien. Als Sozialistische Republik Slowenien gehörte das heutige Slowenien in Form einer Teilrepublik dazu. Damals zeiget sich das Land sehr fortschrittlich. Bereits am 10. August 1945 durften Frauen in Slowenien wählen. Das passive Wahlrecht, also die Möglichkeit, für ein Amt zu kandidieren, und die volle rechtliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Gleichstellung garantierte Slowenien den Frauen ab 1946.

Slowenien – Unzufriedenheit mit der Politik Jugoslawiens

Insbesondere seit den 1980er-Jahren wurden die Slowenen immer unzufriedener mit der Politik der Belgrader Führung. Dieser Unmut führte zur Erklärung der Unabhängigkeit am 25. Juni 1991. Die Jugoslawische Volksarmee versuchte zwar, das Gebiet einzunehmen und wieder in den jugoslawischen Staat zu integrieren, aber die Slowenen setzten sich im 10-Tage-Krieg erfolgreich zur Wehr und verteidigten ihren jungen Staat Slowenien.

Bereits Ende des Jahres 1991 verabschiedete Slowenien eine eigene Verfassung und mit der Gründung der Republik entstand der Staat in seiner heutigen Form. Schon einen Monat später erkannten die damals zwölf Mitgliedsstaaten der EG Slowenien als eigenständigen Staat an.

Die Bevölkerung des Landes ist sehr homogen, dazu wurde das Land bei den kriegerischen Auseinandersetzungen nur wenig zerstört. Daher bildeten sich schnell stabile demokratische Verhältnisse aus und 1998 begannen die Beitrittsverhandlungen zur EU. Dort ist der Staat Slowenien seit 2004 Mitglied, seit 2007 ist der Euro die Währung im Land. Gleichzeitig mit der Währungsunion trat Slowenien auch dem Schengener Abkommen bei, wodurch Grenzkontrollen zu den anderen EU-Ländern entfielen.

Slowenien – die Politik im Staat

Ähnlich wie in Deutschland ist der Präsident, der in erster Linie repräsentative Aufgaben übernimmt, das Staatsoberhaupt des Landes. Allerdings wird der Präsident im Staat Slowenien alle fünf Jahre direkt vom Volk gewählt, während der deutsche Bundespräsident durch die Bundesversammlung bestimmt wird. Seit 2012 ist der 2017 im Amt bestätigte Borut Pahor der Präsident des Landes, er war vorher bereits Ministerpräsident. Diesen Posten bekleidet seit 2012 Janez Janša.

Auch das Parlament ähnelt dem deutschen System. Es besteht aus zwei Kammern – der Staatsversammlung und dem Staatsrat. In der Staatsversammlung tagen 90 Abgeordnete, die teils direkt und teils über die Stimmanteile gewählt werden. Für die autonomen Minderheiten (Ungarn und Italiener) existiert ein garantiertes Volksgruppenmandat. Bei Themen, die nur diese Minderheiten betreffen, besitzen deren Volksgruppenabgeordnete ein absolutes Vetorecht. Im Staatsrat versammeln sich 40 Abgeordnete aus wirtschaftlichen, regionalen und sozialen Interessengruppen. Gewählt wird das Parlament alle vier Jahre.

Schwierig für die Politik des Landes ist, dass der Grenzverlauf zwischen Kroatien und Slowenien bis heute unklar ist. Im Jahr 2010 wurde beschlossen, dass dieser Konflikt durch eine internationale Kommission, die von der EU geführt wird, geregelt werden soll. Ebenso stellte die Flüchtlingskrise 2015 eine große Herausforderung dar, als über eine Million fremde das Land durchquerten.

Slowenien – Geografie und Städte

Obwohl Slowenien ein kleiner Staat ist, gestaltet sich die Geografie abwechslungsreich. Die Hälfte des Landes ist mit Wald bedeckt, es gibt mit Karawanken, Julischen und Steiner Alpen Hochgebirgszüge, dazu kommen kleinere Mittelgebirge. Weiterhin sind Flachlandschaften und Karstflächen vorhanden. Knapp 50 Kilometer des Landes verlaufen entlang der Adriaküste und bieten somit einen schmalen Zugang zum Mittelmeer.

Das Klima in Slowenien ist zweigeteilt. Während in den nördlichen Landesteilen typisches Kontinentalklima herrscht, ist es in den südlichen Landesteilen deutlich wärmer und feuchter – in Richtung slowenische Riviera an der Adria mediterran.

Da Slowenien nur etwas mehr als 2 Millionen Einwohner hat, sind bis auf die Hauptstadt Ljubljana die Städte nicht sehr groß. Zu den bevölkerungsreichsten Orten des Landes gehören (Stand 2015):

Staat Slowenien – Sprache und Bevölkerung

Die Amtssprache im Staat Slowenien ist Slowenisch. Zusätzlich genießen in definierten Gebieten mit autochthonen Minderheiten die Sprachen Ungarisch und Italienisch besonderen Schutz. Es gibt zwar eine kleine deutschsprachige Minderheit in Slowenien, doch ist diese nicht als solche anerkannt. Das gilt ebenso für Rumänen und Bulgaren und deren Sprachen. Ebenso gehört Romani, die Sprache der Roma, nicht zu den geschützten Sprachen, obwohl diese Gruppe laut Verfassung einen besonderen Schutz genießen soll. Die Umsetzung dieser Vorgaben steht allerdings aus. Viele Slowenen sprechen mehr als eine Fremdsprache, da in den Schulen Sloweniens bereits früh Englisch, Deutsch und Italienisch unterrichtet werden.

Die Mehrheit der Bevölkerung im Staat stellen die Slowenier. Dazu kommen Serben, Kroaten und Bosniaken, die schon durch Umzüge während des Bestehens von Jugoslawien in diesen Landesteil kamen. Insgesamt verteilte sich die Bevölkerung laut Volkszählung im Jahr 2002 wie folgt:

8,9 Prozent der Bevölkerung machten keine Angaben zur ethnischen Zugehörigkeit.

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