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Bei einer Notfallübung werden Polizisten auf einen möglichen Gefahrenfall vorbereitet. 

Von Sirenen bis Smartphones

Vier-Augen-Prinzip im Ernstfall: So funktioniert die Gefahrenwarnung in Deutschland

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Wie werden Menschen in Deutschland im Gefahrenfall gewarnt? Ein Vorfall am vergangenen Wochenende bringt diese Frage auf die Tagesordnung.

München - Leere Straßen, panische Menschen, 38 Minuten Angst –die Meldung über einen vermeintlichen Raketenangriff hat die US-Insel Hawaii am Wochenende kurzzeitig ins Chaos gestürzt. Der Fehlalarm wirft auch die Frage auf, wie die Menschen in Deutschland im Gefahrenfall gewarnt werden.

Die beruhigende Erkenntnis: Ein Fehlalarm à la Hawaii ist hierzulande ziemlich unwahrscheinlich – und bisher auch nicht passiert. Der wichtigste Grund dafür: Anders als in den USA können die deutschen Stellen nicht einfach eine Nachricht an alle Mobiltelefone schicken. Das hat rechtliche und technische Gründe. Stattdessen läuft die Gefahrenwarnung über verschiedene Kanäle.

Im militärischen Ernstfall ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zuständig, Dienstsitz Bonn. BBK-Experten sind Teil der Luftabwehr-Zentralen von Bundeswehr und Nato. Sie entscheiden, was im (glücklicherweise derzeit unwahrscheinlichen) Fall eines Luftangriffs zu tun ist. Vorgesehen ist auch eine Rücksprache mit dem Bundesinnenministerium.

Verschiedene „Multiplikatoren“ werden informiert

Sollte für diese Rücksprache keine Zeit bleiben, entscheiden die BBK-Mitarbeiter selbst. Dabei gilt das Vier-Augen-Prinzip. Halten die Katastrophenschützer eine Warnung an die Bevölkerung für angezeigt, werden via Satellit verschiedene „Multiplikatoren“ informiert. Die wichtigsten: Fernseh- und Rundfunkanstalten, Nachrichtenagenturen, Internetanbieter, Deutsche Bahn und Paging-Dienste (wie sie Feuerwehr oder Ärzte nutzen).

Diese müssen die Warnung unverzüglich weitergeben. Im Fernsehen würde etwa das laufende Programm sofort unterbrochen. Auf diese Art sollen möglichst viele Menschen von der Bedrohung erfahren.

Zusätzlich gibt es in Deutschland noch immer 40.000 Sirenen aus dem während des Kalten Kriegs flächendeckenden Zivilschutznetz. Andere Quellen nennen die Zahl 15.000. Um diese Sirenen kümmern sich inzwischen die jeweiligen Städte und Kommunen. Offenbar funktionieren längst nicht mehr alle; mancherorts sind sie allerdings auch weiter in Betrieb, etwa bei Chemieunfällen. Bayern testet seine Sirenen noch immer zweimal jährlich. Das BBK strebt an, die verbliebenen Sirenen in Zukunft wieder in das Warnsystem des Bundes einzubeziehen.

Kostenlose Warn-App des Bundes

Inzwischen spielen natürlich auch Smartphones eine wichtige Rolle beim Katastrophenschutz. Seit 2015 gibt es „Nina“, die kostenlose Warn-App des Bundes. Darin wird meist vor Unwettern, Hochwasser oder Bombenentschärfungen gewarnt. Diese fallen in die Zuständigkeit der Bundesländer, weshalb die dortigen Behörden „Nina“ ebenfalls mit Warnungen füttern können. Zudem können Nutzer bei „Nina“ einstellen, für welche Orte und Ereignisse sie Meldungen erhalten wollen. Laut BBK haben die App bisher 2,5 Millionen Menschen heruntergeladen. Die Entwicklung soll laut Medienberichten rund 20 Millionen Euro gekostet haben.

Darüber hinaus gibt es Warnsysteme von privatwirtschaftlichen Anbietern. Das wohl bekannteste dürfte „Katwarn“ sein – es wird von der Versicherungsbranche finanziert. Beim BKK will man Angebote wie dieses nicht bewerten, weist aber darauf hin, dass einzig „Nina“ unmittelbar von staatlichen Stellen bedient werde.

Der dezente Seitenhieb kommt nicht ohne Grund: Beim rechtsradikal motivierten Amoklauf in München im Juli 2016 hatte „Katwarn“ wegen überlasteter Server nur sehr begrenzt funktioniert. Und beim Terroranschlag am Berliner Breitscheidplatz sogar keine einzige Meldung abgesetzt. 

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