Unbekannte beschmierten den Waggon

So reagieren New Yorker auf Hakenkreuze in der U-Bahn

New York - Unbekannte beschmieren die Wände eines New Yorker U-Bahn-Waggons mit Nazi-Parolen und Hakenkreuzen. Was die Fahrgäste dann machen, begeistert die sozialen Netzwerke.

Als der New Yorker Anwalt Gregory Locke am Freitagabend in die Linie 1 der U-Bahn stieg, traute er seinen Augen nicht. Sämtliche Fenster und Anzeigentafeln des Waggons waren mit Hakenkreuzen und antisemitischen Parolen beschmiert. „Der ganze Zug war still, alle schauten einander an, voller Unbehagen und unsicher, was sie tun sollen", beschreibt Locke die Situation auf seiner Facebook-Seite. 

Was dann passierte, ging durch Lockes‘ Post viral und erreichte mittlerweile über 600.000 Menschen.

Einer der Fahrgäste stand auf, holte seine Mitfahrer aus dem unbehaglichen Moment und sagte: „Mit Hand-Desinfektionsmittel kann man Edding wegbekommen. Wir brauchen Alkohol.“ Plötzlich raschelte es im ganzen Abteil. „Ich habe noch nie so viele Menschen gleichzeitig in ihre Taschen greifen und nach Taschentüchern und Desinfektionsmittel suchen sehen.“ Die New Yorker gingen sofort an die Arbeit und fingen an, die Scheiben von ihren Botschaften zu reinigen. „Innerhalb von zwei Minuten waren alle Nazi-Symbole weg“, schreibt Locke.

Trumps Amerika?

Der Anwalt kann diesen Vorfall nicht glauben, wie er in seinem Text erklärt: „Nazi Symbole. In einem öffentlichen Zug. In New York City. Im Jahr 2017", schreibt er.

„Ich schätze, das ist wohl Trumps Amerika“, soll ein Passagier laut Locke gesagt haben. Doch der hat die perfekte Antwort parat: „Nein, mein Herr, das ist es nicht. Nicht heute und zu keinem Zeitpunkt. Nicht solange sture New Yorker irgendwas zu sagen haben.“

Wäre es nämlich nach den New Yorkern gegangen, wäre Hillary Clinton heute US-Präsidentin. Fast 4,6 Millionen Wähler stimmten dort für die Demokratin, nur 2,8 Millionen wollten Donald Trump im Weißen Haus sehen.

Anstieg rassistischer und antisemitischer Straftaten

Ob die Täter Anhänger des frisch gewählten US-Präsidenten Trump sind, ist unklar. Kurz nach Donald Trumps Wahlsieg Anfang November verzeichneten Bürgerrechtsorganisationen in den USA jedoch einen sprunghaften Anstieg rassistischer und antisemitischer Straftaten. Kritiker werfen Trump unter anderem vor, mit einem Wahlkampf voller Hetze gegen Minderheiten rechtsextreme Bewegungen zu solchen Taten animiert zu haben. 

jl

Rubriklistenbild: © Gregory Locke/Facebook

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