Sohn: Gaddafi-Getreue dürfen sich zurückziehen

London - Einer der Söhne des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi hat den Rückzug von Getreuen seines Vaters gerechtfertigt und sieht das Regime nicht geschwächt.

“Es sind alte und kranke Menschen und wir werden seit zwei Wochen bombardiert“, sagte Saif al-Islam al-Gaddafi am Dienstag in einem Interview mit dem Sender BBC. Die Tatsache, dass etwa der frühere Außenminister Mussa Kussa vergangene Woche nach Großbritannien gegangen sei, sei keinesfalls ein Zeichen für die bröckelnde Unterstützung seines Vaters.

Kussa habe vielmehr um Erlaubnis gefragt, Libyen verlassen zu dürfen, da er krank sei und sich in London regelmäßig behandeln lassen müsse, behauptete der junge Gaddafi. Der zweitälteste Sohn des Diktators betonte, dass die Aussagen, die Kussa in London über das Gaddafi-Regime gemacht haben soll, frei erfunden seien. Die britische Regierung habe Druck auf Kussa ausgeübt. Weil er wegen seiner Gesundheit im Land bleiben wolle, habe er Geschichten erfunden, die nicht stimmten.

Libyen: Kämpfe zwischen Rebellen und Gaddafi-Truppen

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Nachdem sich Kussa nach London abgesetzt hatte, waren Gerüchte aufgekommen, weitere Mitglieder aus dem engsten Kreis um Gaddafi bereiteten ihre Flucht vor. Es sei in Ordnung, wenn die “alten und kranken Männer“ um Gaddafi sich zurückzögen, sagte al-Islam. Ob schon Nachfolger für die Minister und eventuell sogar seinen Vater bereitstehen, ließ er offen.

Der US-Sender CNN zitierte am Dienstag nicht näher genannte Quellen, al-Islam könnte bei einer möglichen Kompromiss-Lösung zwischen Gaddafi und den Rebellen zum Nachfolger des Machthabers aufsteigen. Die Übergangsregierung der Aufständischen hatte allerdings in den vergangenen Wochen immer wieder betont, dass die Gaddafi-Familie nach Ende des Konfliktes nie wieder eine Rolle im Land spielen sollte.

Der 1972 geborene Saif al-Islam al-Gaddafi hatte 2006 nach Kritik am Führungsstil seines Vaters vorübergehend das Land verlassen und längere Zeit in London gelebt. Er galt im westlichen Ausland als möglicher reformorientierter Nachfolger des Diktators, hatte sich aber seit Ausbruch des Konfliktes wieder stärker auf die Seite seines Vaters gestellt.

dpa

Rubriklistenbild: © Screenshot: merkurtz.tv

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