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Zwei weitere Münchnerinnen im Nachtleben verschwunden: Wurde Sonja Engelbrecht Opfer eines Serienmörders?

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Von: Jennifer Lanzinger

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Knochen der seit 1995 vermissten Sonja Engelbrecht gefunden
Polizisten und Einsatzfahrzeuge stehen in einem Waldstück. © Friedrich/Vifogra/dpa

Seit 1995 gilt Sonja Engelbrecht aus München als vermisst, ein Knochen könnte Ermittler nun den Durchbruch in dem Fall bescheren. In den 90er-Jahren verschwanden noch zwei weitere Münchnerinnen spurlos.

München - Seit mehr als 26 Jahren gilt Sonja Engelbrecht aus München bereits als vermisst*, seit wenigen Tagen hoffen Ermittler auf den alles entscheidenden Durchbruch in dem mysteriösen Vermisstenfall. Vor gut einem Jahr hatte ein Waldarbeiter in einem Waldstück bei Kipfenberg im oberbayerischen Landkreis Eichstätt* einen Knochen entdeckt, diesen konnten Ermittler nun der jungen Münchnerin zuordnen. Am Donnerstag wurde die Suche nach Sonja fortgesetzt, wurde die damals 19-Jährige Opfer eines Serienmörders?

Zwei weitere Münchnerinnen im Nachtleben verschwunden: Wurde Sonja Engelbrecht Opfer eines Serienmörders?

140 Polizisten und Polizistinnen machten sich auch am Donnerstag, 25. November 2021, auf die Suche nach den sterblichen Überresten der seit vielen Jahren vermissten Sonja Engelbrecht. Mit speziellen Leichensuchhunden durchkämmt die Polizei den dritten Tag in Folge den Wald etwa 100 Kilometer nördlich von München. Am Vortag seien keine tatrelevanten Gegenstände gefunden worden, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums München.

Mehr als 26 Jahre gilt Sonja Engelbrecht bereits als vermisst, in der Nacht vom 10. April 1995 auf den 11. April 1995 wurde die junge Münchnerin zuletzt gesehen. Nun konnte der gefundene Oberschenkelknochen zweifelsfrei der damals 19-Jährigen zugeordnet werden, das Schicksal der Fachoberschülerin bleibt jedoch auch weiter ungeklärt. Eine mögliche Theorie für das Verschwinden der jungen Münchnerin: wurde die damals 19-Jährige Opfer eines Serientäters?

Vermisste Kristin Harder: Frau gibt anonymen Hinweis am Telefon - Doch Schicksal der Münchnerin bleibt ungewiss

Bereits im Dezember 1991 wurde Kristin Harder in München als vermisst gemeldet. Die damals 28-Jährige lernte an dem Abend ihres Verschwindens einen jungen Mann in einer Kneipe in Neuhausen kennen, gemeinsam sollen die beiden ins Münchner Nachtcafe gezogen sein. Danach soll Kristin Harder alleine einen Besuch im Schuhmann‘s geplant haben. Wie die Münchner Abendzeitung berichtet, soll jedoch bis heute niemand bestätigen können, dass die junge Frau dort wirklich angekommen sei. Erst wenige Monate später bestätigt sich der Verdacht für Münchner Ermittler: Kristin Harder wurde Opfer eines Verbrechens.

Im April wird ein Bein der jungen Frau in Neubiberg entdeckt. Durch Untersuchungen wird klar: das Bein der 28-Jährigen wurde zuvor tiefgefroren. Wie die Abendzeitung weiter berichtet wird nur wenige Monate danach, im Sommer 1992, ein Arm der jungen Frau im Rechen des Isarkraftwerks Altheim bei Landshut gefunden. Auch dieser war zuvor tiefgefroren. Das Schicksal der jungen Frau bleibt jedoch ungeklärt, auch wenn Ermittler den damaligen Begleiter Harders im Verdacht haben. Dieser Mann soll nach Angaben der AZ auch als Verdächtiger geführt worden sein.

Kurz darauf soll sich dann eine Frau anonym bei der Münchner Polizei gemeldet haben. Sie erklärte den Ermittlern am Telefon, das Mordhaus zu kennen. In einem Haus am Waldrand im Südosten Münchens sei Kristin Harder ermordet worden, konkreter wird die Frau bei dem Telefonat jedoch nicht. Ein möglicher Tatort wird nie gefunden. Auch durch diesen Hinweis kann das Schicksal der damals 28-Jährigen nicht geklärt werden.

Richard Thiess, bis 2014 Chef der Münchner Mordkommission, bestätigt gegenüber der AZ, dass der Begleiter lange Zeit als verdächtig galt. Er soll sich bei Verhören in Unstimmigkeiten verwickelt haben. So habe der Mann ausgesagt, Neubiberg nicht zu kennen, dies habe sich später als Lüge herausgestellt. So habe die Freundin des Mannes nur rund drei Minuten vom Fundort des Beines von Kristin Harder gearbeitet, aus der Garage ihres Bruders sei zur damaligen Zeit eine Kettensäge verschwunden. Doch: ein Haar, welches im Müllsack gemeinsam mit dem Bein von Kristin Harder gefunden wurde, kann nicht dem damaligen Begleiter der 28-Jährigen zugeordnet werden. Der Körper von Kristin Harder wurde bis heute nicht entdeckt, das Schicksal der jungen Frau gilt noch immer als nicht geklärt.

Auch Bettina Trabhardt gilt noch immer als vermisst - Münchnerin war eigentlich zu schick für den Biergarten gekleidet

Während Ermittler ab April 1995 auch nach der vermissten Sonja Engelbrecht suchen, verschwindet im August 1997 erneut eine Münchnerin. Auch Bettina Trabhardt gilt bis heute als vermisst. Die 45-Jährige hatte sich, wie Engelbrecht und Harder, ebenfalls am Abend ihres Verschwindens im Münchner Nachtleben aufgehalten. Einem Bekannten hatte Trabhardt am Tag ihres Verschwindens noch auf den Anrufbeantworter einen abendlichen Besuch im Biergarten vorgeschlagen, als dieser die Krankenschwester zurückgerufen hatte, war die 45-Jährige jedoch bereits nicht mehr Zuhause.

Eine Nachbarin hatte Bettina Trabhardt gegen 19 Uhr das Haus in einem für einen simplen Besuch im Biergarten zu schicken schwarzen Outfit verlassen sehen. Seit diesem Abend des 12. August 1997 gilt die 45-Jährige, die erst Wochen zuvor nach München gezogen war, als vermisst. Über eine mögliche Verabredung der Krankenschwester können Ermittler nur spekulieren. Sterbliche Überreste wurden bis heute nicht gefunden.

Sonja Engelbrecht verschwand ebenfalls im Münchner Nachtleben - Was geschah in der Aprilnacht 1995?

Sonja Engelbrecht war im April 1995 ebenfalls mit einem Bekannten im Münchner Nachtleben unterwegs. Während ihr Bekannter vom Stiglmaierplatz mit der Tram nach Hause fahren wollte, hatte die 19-Jährige geplant, ihre Schwester von der dort gelegenen Telefonzelle anzurufen. Doch bei der Schwester klingelte an diesem Abend das Telefon nicht, ob die junge Münchnerin von einem Anhalter angesprochen oder gar in ein Auto gezerrt wurde, bleibt bis heute ungewiss.

Obwohl innerhalb von sechs Jahren drei Münchnerinnen bis heute spurlos verschwanden, hatten Ermittler eine mögliche Serientäter-Theorie ausgeschlossen. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung im Jahr 2010 bestätigte Josef Wilfling, damaliger Chef der Münchner Mordkommission: „Es handelt sich nicht um einen Serienmörder, der in München umgeht“. Demnach hatte Wilfling im Fall Harder den bereits damals verdächtigen Begleiter als wahrscheinlichste Option für das Verschwinden der jungen Frau genannt. Bei Bettina Trabhardt soll Wilfling einen möglichen Suizid in Betracht gezogen haben.

Durch den Knochenfund in Bayern dürften Ermittler nun der Aufklärung des Falls Engelbrecht ein Stück näher gekommen sein. Das Waldstück ist nach Angaben des Polizeisprechers jedoch riesig. Zunächst durchsuchten Einsatzkräfte nach und nach die Teile des Gebiets, die als mögliche Ablageorte am ehesten infrage kamen. Ab Freitag dürfte dann die Witterung den Einsatzkräften einen Strich durch die Rechnung machen. Wann die Suche dann weitergehen könne, sei noch unklar.*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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