+
Francisco Castaño jubelt über 400.000 Euro.

Lotterie lässt Arme jubeln

Los ersetzt Lohn: Spanier mit Geldsegen

Madrid - Ob Tagelöhner, Rentner oder Arbeiter ohne Gehalt - Zehntausende Menschen sind im krisengeplagten Spanien auf einen Schlag ihre Geldsorgen losgeworden.

Als Francisco Castaño in aller Frühe zur Arbeit ging, wusste er nicht, dass dieser Tag sein Leben verändern würde. Während der 63-jährige Andalusier auf einer Plantage in der südspanischen Provinz Jaén Oliven erntete, wurde bei der Weihnachtslotterie die Nummer 76 058 als Hauptgewinn gezogen. Der Tagelöhner hatte sich ein Zehntel-Los mit dieser Nummer gekauft und bekommt nun ein Zehntel des Hauptgewinns „El Gordo“ (der Dicke) ausgezahlt - 400 000 Euro.

„Jetzt können sie mir meine Wohnung nicht mehr wegnehmen“, freute sich der glückliche Gewinner. Ihm drohte - wie vielen anderen Spaniern in dem von der Wirtschaftskrise geplagten Land - die Zwangsräumung seiner Bleibe, weil er seine Schulden bei der Bank nicht begleichen konnte. „Während der Ernte komme ich auf einen Tageslohn von 70 Euro und muss dafür mächtig leiden“, berichtete Castaño und zeigte Reportern seine schwieligen Hände.

Die spanische Weihnachtslotterie verhalf vielen Spaniern zu einer vorzeitigen Bescherung. Die größte und älteste Lotterie der Welt schüttete am Samstag 2,5 Milliarden Euro aus, ein wahrer Geldregen für das von Krise und Arbeitslosigkeit geplagte Land.

In Alcalá de Henares östlich von Madrid hatten die 25 Arbeiter einer Karosseriefabrik seit Monaten vergeblich auf ihre Löhne gewartet. Die Firma befindet sich in einem Insolvenzverfahren. Anstelle der Löhne können sie nun Losgewinne kassieren. Auch sie hatten für je 20 Euro Zehntel-Lose mit der Nummer des Hauptgewinns gekauft. „Wir haben diesmal weniger Geld eingesetzt als sonst“, berichtete einer von ihnen. „Mehr als ein Zehntel-Los für jeden war nicht drin.“

Ein in der Nähe wohnender Rentner hatte für sich und seine Familie zehn Zehntel-Lose mit der Nummer 76 058 erworben und kann nun vier Millionen Euro unter den Angehörigen verteilen. Der Zufall wollte es, dass auch ein Bewohner des 300-Seelen-Dorfes El Gordo in Westspanien einen Hauptgewinn erhielt. Zum ersten Mal in der 200-jährigen Geschichte der Lotterie ging einer der ersten Preise an das Dorf, das genauso heißt wie „der Dicke“.

In zahlreichen Orten Spaniens prosteten jubelnde Gewinner sich auf der Straße zu. In Barcelona scheute eine Gruppe von Hauptgewinnern jedoch die Öffentlichkeit. Einer von ihnen flüchtete durch die Hintertür einer Kneipe, als TV-Reporter anrückten. Damit die Kamerateams nicht vergeblich gekommen waren, stießen mehrere Gäste mit Sekt an, auch wenn sie nichts gewonnen hatten.

Das Finanzamt gehört jedes Jahr zu den größten Gewinnern der Lotterie, denn es kassiert etwa 25 Prozent der Einsätze ein. Diesmal erhielt der Fiskus zusätzlich einen Anteil von 144 Millionen Euro am Hauptgewinn. Zahlreiche Lose mit der Nummer des „El Gordo“ waren nicht verkauft worden und an den Staat zurückgegangen. Das Finanzamt bekommt die Gewinne, die auf übriggebliebene Lose entfallen. Ab dem kommenden Jahr kassiert das Finanzamt zudem von allen Gewinnen über 2500 Euro noch einmal ein Fünftel als Steuer.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Brand in Penthouse auf Hamburger Bunker hält Feuerwehr in Atem
Einen ganzen Tag hat die Feuerwehr in Hamburg gegen einen Brand in einem Penthouse auf dem Dach eines Bunkers gekämpft. Schwierigkeiten bereitete nicht nur die besondere …
Brand in Penthouse auf Hamburger Bunker hält Feuerwehr in Atem
Zahl der Toten bei Schulbusunfall in Frankreich ist gestiegen
Nach der Kollision eines Schulbusses mit einem Regionalzug in Südfrankreich ist die Zahl der toten Schüler auf sechs gestiegen.
Zahl der Toten bei Schulbusunfall in Frankreich ist gestiegen
Tote und Verletzte bei schwerem Zugunglück in den USA
Es war die Jungfernfahrt für Zug 501 auf einem neuen Gleisabschnitt südlich der US-Stadt Seattle. Mit einem Mal springen Waggons in voller Fahrt aus den Gleisen, ein …
Tote und Verletzte bei schwerem Zugunglück in den USA
US-Militär: Schüsse auf Autofahrer in England kein Terror
Am britischen Militärflugplatz Mildenhall soll ein Mann mit einem Fahrzeug versucht haben, eine Kontrollstelle zu durchbrechen.
US-Militär: Schüsse auf Autofahrer in England kein Terror

Kommentare