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Staatsanwalt: Tote Babys von Wenden waren Mädchen

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Wenden/ Dortmund - Die drei Neugeborenen, die tot in einer Tiefkühltruhe in Nordrhein-Westfalen gefunden wurden, waren Mädchen. Das gab die Staatsanwaltschaft Siegen nach einer ersten Leichenschau bekannt.

Um die Todesursache herauszufinden, begannen Rechtsmediziner am Dienstagnachmittag in Dortmund mit der Obduktion der ersten Babyleiche. Die Staatsanwaltschaft hatte aber schon vor der Untersuchung bekanntgegeben, sie habe «Anhaltspunkte», dass die Kinder lebend geboren wurden. Deshalb sei Haftbefehl wegen Totschlages gegen die Mutter erlassen worden.

Die 44 Jahre alte Frau, die in einem Teilgeständnis eingeräumt hatte, die Kinder vor vielen Jahren in der Truhe «abgelegt» zu haben, befindet sich weiter in einem Justizkrankenhaus. Sie ist derzeit vernehmungsunfähig. Die Ärzte entscheiden, wann sie von der Mordkommission befragt werden könne, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Die Ermittler erwarteten am Dienstag noch konkrete Hinweise auf die Todesursache. Am Abend wollte die Staatsanwaltschaft erste Obduktionsergebnisse bekanntgeben. Die beiden anderen Kinderleichen sollten erst am Mittwoch untersucht werden.

Ob sich die Vermutung, dass die Neugeborenen seit Ende der 80er Jahre in ihrem eisigen Versteck gelegen haben könnten, durch die Untersuchungen bestätigen lässt, war zunächst unklar. Eine Lokalzeitung, in die einer der Leichname eingewickelt war, lässt darauf schließen, dass das Mädchen im Dezember 1988 zur Welt kam und in der Kühltruhe versteckt wurde.

Entdeckt wurde das kaum vorstellbare Geschehen am Samstag durch Zufall. Bei der Suche nach einer Tiefkühl-Pizza fand der 18 Jahre alte Sohn der 44-Jährigen auf dem Boden der elterlichen Kühltruhe drei Pakete. Als er eins davon öffnete, stieß er auf den Arm und den Kopf einer seiner Schwestern. Einen Tag später meldete sich die Familie bei der Polizei.

Die Familie aus dem Dörfchen Möllmicke bei Wenden war bisher völlig unauffällig. «Es gibt bei uns keinerlei Akten», sagte der Fachdienstleiter des Olper Jugendamtes, Thomas Droste. Der nordrhein-westfälische Familienminister Armin Laschet (CDU) geht davon aus, dass der Staat solche Fälle nicht verhindern kann. Da es keine Akten über die Familie gebe, griffen auch soziale Frühwarnsysteme nicht, sagte er der «Westfalenpost» (Dienstagausgabe). Man könne nicht hinter jedes Kinderbett einen Sozialarbeiter stellen. Laschet betonte aber, dass die Zahl der Babymorde in den vergangenen Jahren nicht zugenommen habe: Offenbar schaue die Gesellschaft aufmerksamer hin.

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