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Blick in eine Straße in Görlitz.

Jedes Jahr aufs Neue

Unbekannter schenkt Görlitz halbe Million Euro

Görlitz - Görlitz hat einen anonymen Fan: Jedes Jahr erfreut ein Unbekannter die Altstadt mit einer großzügigen Spende. Kürzlich ging wieder eine halbe Million Euro auf dem Konto ein. 

Mit 511.500 Euro kann man sich einiges leisten: Autos, Reisen oder Schmuck etwa. Man kann aber auch Kirchtürme, Gräber und jahrhundertealte Wohnhäuser sanieren wie in Görlitz, das sich jedes Jahr über solch unverhofften Geldregen freut. Schon zum 20. Mal hat ein anonymer Spender die Stadt beglückt. Die Summe fließt komplett in die Sanierung der Altstadt. Denn in Görlitz finden sich fast 4000 Baudenkmäler aus 500 Jahren Baugeschichte - von Gotik, über Renaissance und Gründerzeit, bis zum Jugendstil. Ein kostbares, aber auch teures Erbe.

Görlitz vereint Superlative: An der Neiße zu Polen gelegen ist es nicht nur die östlichste Stadt Deutschlands, sondern gilt auch als städtebauliches Juwel. Die Stadt blieb in ihrer jahrhundertelangen Geschichte von Kriegszerstörungen nahezu verschont. Der langjährige Vorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), Gottfried Kiesow, pries Görlitz einst als "schönste Stadt Deutschlands". Schon vor der Wende mühten sich Denkmalpfleger, den vom Verfall bedrohten Altstadtkern zu retten. Nach der Wende wurde mit großem Aufwand weiter saniert.

Seit 1995 jährlich großzügige Spende

Im Jahr 1995 spendete ein Unbekannter erstmals eine Million Mark. Seitdem floss die sogenannte Altstadt-Million jedes Frühjahr auf das Konto der Stadt - zuletzt eben jene 511.500 Euro vor rund zwei Wochen. Er sei "dankbar und glücklich", freute sich der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege.

Der Spender oder die Spenderin blieb indes bis heute im Verborgenen. "Vermutlich ist es jemand, der die Stadt kennt und weiß, was sie für einen Wert hat", sagt Peter Mitsching, Leiter der Görlitzer Denkmalschutzbehörde. Wem die Stadt den Geldsegen verdankt, darüber will auch der Generalsuperintendent des Sprengels Görlitz der evangelischen Kirche, Martin Herche, nicht spekulieren: "Das wissen wir nicht. Wir respektieren den Wunsch des Spenders nach Anonymität."

Der Kontakt zum Spender läuft ausschließlich über einen Anwalt. Dieser sitzt auch im Kuratorium der Altstadt-Stiftung, die über die Verteilung der Spendengelder - bislang rund zehn Millionen Euro - entscheidet. Durchschnittlich werden in jedem Jahr zwischen 70 und 100 Anträge auf Förderung gestellt. Die Spenden flossen bislang unter anderem in die Sanierung von Kirchen, Grabmalen, Museen, Gymnasien und Privathäusern.

"Insgesamt wurde mit Hilfe der Altstadt-Stiftung bisher ein Gesamtbauvolumen von rund 102 Millionen Euro realisiert", sagt Sylvia Otto von der Stadtverwaltung. Natürlich erhält Görlitz auch Hilfe von anderer Seite. So ist die Stadt für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ein Schwerpunkt in Sachsen.

"Man muss einfach nur dankbar sein für diese Chance", sagt Mitsching. Ohne die "Altstadt-Million" wären viele Projekte nicht realisiert worden. Der Spender selbst erhält jedes Jahr eine ausführliche Dokumentation, mit Vorher-Nachher-Fotos.

Die architektonische Pracht ist für Görlitz Gold wert. Wie viele ostdeutsche Städte hatte Görlitz nach der Wende mit Abwanderung zu kämpfen. Die Arbeitslosigkeit im Landkreis ist mit aktuell 13 Prozent recht hoch. Der boomende Tourismus wird ein zunehmend wichtiger Wirtschaftsfaktor. Im vergangenen Jahr wurde mit mehr als 250.000 Übernachtungen ein neuer Rekord erzielt.

Görlitz - die beliebte Filmstadt

Diese Entwicklung verdankt Görlitz nicht zuletzt der Filmindustrie, die die Stadt des historischen Charmes wegen schon vor Jahren entdeckt hat. Görlitz war unter anderem Schauplatz für die Verfilmung von "Inglourious Basterds" und "Der Vorleser"; zuletzt wurde dort der Hollywoodfilm "The Grand Budapest Hotel" gedreht. Fürchten die Görlitzer den Tag, an dem die anonyme Spende ausbleibt? Nein, meint Peter Mitsching. "Wir wissen, dass das nicht ewig dauert."

AFP

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