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Starkes Erbeben erschüttert Neuseeland

Wellington - Kurz vor Feierabend am Freitag bebt in Neuseeland die Erde. Die Menschen rennen in Wellington auf die Straßen. Strom und Telefone fallen teilweise aus. Gesteinsbrocken krachen auf eine Schnellstraße.

Sichtlich mitgenommen stehen Tausende Neuseeländer am Freitag in der Hauptstadt Wellington auf den Straßen. Ein heftiges Erdbeben hat die Stadt erschüttert, und viele sind aus den Gebäuden nach draußen gerannt. „Erst fühlte es sich an, als wenn ein Flugzeug über uns fliegt, und dann begann es zu wackeln - als wenn die Erde sich auftun würde“, sagt Amanda Beeslaar der Wellingtoner Zeitung „Dominion Post“. Stärke 6,6 melden die Seismologen. Das rüttelt selbst die erdbebengewohnten Neuseeländer auf.

Das Epizentrum liegt im Norden der Südinsel, in einer dünn besiedelten Region. Ein paar hundert Menschen leben in der Ortschaft Seddon. Hier sind die Gebäude flach. Das Fernsehen zeigt ein Video aus dem Helikopterüberflug - zumindest aus der Luft sieht es so aus, als sei alles stehengeblieben. Die Straße nach Seddon sieht anders aus: hier und da gehen dicke Rissen durch die Fahrbahn. Dort, wo die kurvige Straße sich durch Hügel schlängelt, ist eine Fahrbahn an mehreren Stellen halb verschüttet. Die grünen Hügel sind abgerutscht und hinterlassen eine hässliche Narbe in der Landschaft.

„Monster“ nennt ein Einwohner von Seddon das Beben. „Es wurde bei uns alles von den Wänden gerissen“, sagt Murray Jones dem Sender TV New Zealand. Die Einwohner seien von der Wucht schockiert. „Ich bin erschüttert.“ Wellington liegt nur 75 Kilometer weiter nordöstlich. Dort schwappte das Wasser in den privaten Swimming Pools aus den Becken. In einigen Läden purzeln Konserven aus den Regalen. Vicky McKay arbeitet bei Radio New Zealand, ist aber um 14.31 Uhr gerade im Auto in Wellington unterwegs. Sie denkt zuerst, ihr Reifen sei geplatzt. Dann spürt sie das Beben. „Dann sah ich, dass die Menschen auf die Straßen rannten, und einige hielten sich an Ampeln fest.“

Der materielle Schaden hält sich nach erstem Augenschein in Grenzen. „Es gab ein paar kleinere Feuer, und hier und da ist ein Stück Fassade abgebröckelt, aber das ist nicht der Rede wert“, sagt der oberste Zivilverteidiger, Bruce Pepperrell. „Der größte Schaden ist am Lebensgefühl der Menschen entstanden.“

Vor zweieinhalb Jahren hat ein 6,3-Erdbeben in Christchurch auf der Südinsel 185 Menschenleben gefordert und immensen Schaden angerichtet. Tausende von Nachbeben haben viele Einwohner dermaßen verängstigt, dass sie der Stadt den Rücken kehrten. Seitdem ist Wellington mit knapp 400 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt.

„Ist dies ein Vorbote für Schlimmeres?“ Das ist die Frage, die sich alle stellen. Eine Radiomoderatorin richtet sie an den Seismologen Kelvin Berryman. Was soll er sagen? Wenn Erdbeben nur vorauszusehen wären. Er findet trotzdem beruhigende Worte. „Dieses Beben fand nicht an einer der Hauptverwerfungslinien statt. Es gibt keinen Grund für besondere Beunruhigung.“ Oder für besondere Entspannung.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP (Symbolbild)

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