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Anwältin belächelt Rammstein-Statement – „Dem Mann ist presserechtlich nicht mehr zu helfen“

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Till Lindemann, Lederanzug, Bühne mit Feuer im Hintergrund
Till Lindemann, Sänger der Band Rammstein beim Wacken Open-Air Festival 2013. © dpa/ Axel Heimken

Rammsteins Frontmann Lindemann ließ über seine Anwälte der Presse unzulässige Verdachtsberichterstattung vorwerfen. Eine Fachanwältin sieht das völlig anders.

Berlin – „Wenn es nicht so bitter wäre, würde man über die Presseerklärung der Kollegen für Rammstein fast lachen müssen“, schreibt Stefanie Schork im Berufsnetzwerk LinkedIn. Sie ist Anwältin für Medienrecht und war nach eigenen Angaben bereits im Bundesjustizministerium im Referat für Sexualstrafrecht, Rechtsextremismus, Doping und Kriminalstatistik tätig. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den Frontmann der Band „Rammstein“, Till Lindemann, hatten seine Anwälte mit juristischen Schritten gedroht. „Dem Mann ist presserechtlich nicht mehr zu helfen“, meint Schork dazu.

Lindemanns Anwälte hatten in der vergangenen Woche Vorwürfe gegen den Rammstein-Sänger Lindemann zurückgewiesen. Die Vorwürfe, Frauen seien mit K.-o.-Tropfen zum Zweck sexueller Handlungen betäubt worden, seien ausnahmslos unwahr. Die Anwälte kündigten zudem juristische Konsequenzen an. Nun ist eine Debatte darüber entbrannt, ob die Band damit Journalistinnen und Journalisten einschüchtern wollte.

Die Anwälte hatten geschrieben: „Die erhobenen Vorwürfe wurden von zahlreichen Medien aufgegriffen und weiterverbreitet. In einer Vielzahl von Fällen ist es dabei zu einer unzulässigen Verdachtsberichterstattung gekommen.“ Und weiter: „In fast allen Fällen fand eine nachhaltige Vorverurteilung zulasten unseres Mandanten statt, was im Rahmen einer Verdachtsberichterstattung unzulässig ist.“

Deutscher Journalisten-Verband wirft Lindemanns Anwälten Einschüchterung vor

Schork schreibt auf LinkedIn dazu: .„Eine Strategie zur Rechtewahrnehmung für Lindemann kann dahinter nicht stehen. Die wird es auch nicht mehr geben, so wie die Dinge liegen.“ Und: „Die öffentlich gewordenen Schilderungen sind so deutlich geeignet, einen hinreichenden Mindestbestand an Tatsachen zu begründen, dass sich niemand daran gehindert sehen muss, über die Vorwürfe zu berichten.“

Auch der Deutsche Journalisten-Verband meint, Lindemanns Anwälte versuchten, die Medien einzuschüchtern. Der DJV-Vorsitzende Frank Überall ließ in einer Pressemitteilung schreiben, dass Verdachtsberichterstattung durchaus zulässig sei, so lange sie sich an Spielregeln halte: „Dazu gehören unbedingt Fakten.“ Das Schweigen des Rammstein-Sängers verhindere keine Berichterstattung, so lange ausreichend Informationen vorlägen. „Die Vorwürfe gegen den Frontmann einer der bekanntesten deutschen Bands sind so schwerwiegend, dass sie recherchiert und berichtet werden müssen.“

Im Details meint auch Rechtsanwältin Schork: „Mittels K.-o.-Tropfen, bzw. mittels Alkohol sollen Frauen nicht gefügig gemacht worden sein. Soweit reicht das Dementi, aber auch nicht weiter.“ Sie findet: „Dass eine „Casting-Direktorin“ über Jahre systematisch Frauen herbeigeschafft hat, die dem Sänger zur sexuellen Verfügung gestellt worden sein sollen, wird nicht bestritten. Das betrifft wegen des unmittelbaren Bezugs zu Show und Partys drumherum auch weder dessen Privat-, noch Intimsphäre.“

Till Lindemann (Rammstein): Widerspruch zwischen Verhalten der Band und Verhalten des Sängers?

Mehrere Frauen hatten in den vergangenen Tagen - teilweise anonym - Vorwürfe gegen Rammstein-Frontmann Lindemann erhoben. Die Frauen schildern Situationen, die sie teils als beängstigend empfunden hätten. Junge Frauen seien während Konzerten ausgewählt und gefragt worden, ob sie zur Aftershowparty kommen wollen, so die Anschuldigungen. Dabei soll es nach Schilderungen einiger Frauen auch zu sexuellen Handlungen gekommen sein. Die Vorwürfe sorgen sogar international für Debatten – andere deutsche Stars gehen davon aus, dass Rammstein durch die Vorwürfe bald nicht mehr auftreten wird.

Sänger Lindemann selbst hatte die Vorwürfe auf einem Konzert in München nur indirekt angesprochen:

In einer Stellungnahme von Rammstein hatte es bereits vor einigen Tagen geheißen, die Vorwürfe hätten sie sehr getroffen und man nehme sie außerordentlich ernst. Das Verhalten der Band ist wiederum für Anwältin Scholz ein Widerspruch zu Lindemanns Verhalten. Sie schreibt: „Darin liegt eine Selbstöffnung, die Lindemann sich entgegenhalten muss. Schließlich hat er sein Sexualverhalten schon zigfach selbst zum Gegenstand seines öffentlichen Wirkens gemacht.“ Auch die Krisenkommunikation von Rammstein über Social Media wurde von Profis bereits als veraltet eingestuft. Für die Band und Sänger Till Lindemann gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. (dpa/kat)

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