Darum sehen wir im Mai einen "Riesenmond"

München - Riesenscheibe am Nachthimmel: Im Mai kommt der Mond der Erde sehr nah – und erscheint daher besonders groß. Doch auch die Tage haben im Wonnemonat einiges zu bieten: Sie werden etwa eineinhalb Stunden länger.

So prachtvoll wie im Mai zeigt sich der Mond nur einmal im Jahr: Wenn er am 6. des Monats um 5.35 Uhr im Sternbild Waage in die Vollmondphase eintritt, präsentiert er sich in vollem Glanz. Denn genau dann befindet er sich mit 356 960 Kilometern in Erdnähe. Die Vollmondscheibe am Nachthimmel erscheint entsprechend groß. Besonders eindrucksvoll: ihr Auf- und Untergang.

Fallen Vollmond und Erdnähe zusammen, führt das allerdings nicht nur zu einem prächtigen Himmelsanblick. Auch extrem starke Gezeiten sind die Folge, auch Springfluten an den Küsten.

Mit 406 450 Kilometern ist der Mond am 19. am weitesten von der Erde entfernt. Am 21. kommt er um 1.47 Uhr in Neumondposition. Da der Neumond die Erdbahnebene von Nord nach Süd kreuzt, zieht er vor der Sonne vorbei, es ereignet sich eine ringförmige Sonnenfinsternis. Doch diese ist von uns aus leider nicht zu sehen. Nur in Ostasien, im Nordpazifik und in weiten Gebieten Nordamerikas ist sie zu beobachten.

Die Venus zieht im Mai als weitaus hellstes Gestirn noch die Blicke auf sich. Zu Monatsbeginn strahlt sie am westlichen Abendhimmel in hellstem Glanz. Ihre Größe scheint dabei rasch zu wachsen. Der Eindruck entsteht, weil sich Venus schnell der Erde nähert. Im Teleskop oder Fernglas erkennt man ab etwa zwanzigfacher Vergrößerung eine Sichel, die im Laufe des Monats größer und schlanker wird.

Gegen Ende Mai verabschiedet sich Venus vom Abendhimmel. In der Nacht vom 5. auf 6. Juni wird sie die Erde bei ihrem Lauf um die Sonne überholen. Dabei zieht sie zwischen uns und der Sonne vorbei. Venus erscheint dann als dunkler Punkt vor der Sonne, der Fachmann spricht von einem Venustransit. Solche Vorübergänge der Venus sind seltene Ereignisse: Der nächste Venustransit findet erst in 105 Jahren statt.

Mars ist in der ersten Nachthälfte im Sternbild Löwe zu sehen. Aus der zweiten Nachthälfte zieht sich der rote Planet allmählich zurück. Geht Mars Anfang Mai noch eine Viertelstunde nach vier Uhr morgens unter, so sinkt er am Monatsende bereits um halb drei Uhr unter die westliche Horizontlinie. Zwar nimmt die Helligkeit des Planeten merklich ab, er bleibt aber heller als die hellen Frühlingssterne Regulus im Löwen und Spica in der Jungfrau. Nur der orangefarbene Arktur im Sternbild Rinderhirt übertrifft Mars um eine halbe Größenklasse an Glanz.

Als zweiter heller Planet beherrscht Saturn im Sternbild Jungfrau den Nachthimmel. Der Ringplanet hält sich nahe der Spica auf, dem bläulichen Hauptstern der Jungfrau. Jupiter wird Mitte Mai von der Sonne überholt. Am 13. steht der Riesenplanet in Konjunktion mit ihr: Er befindet sich am Taghimmel und bleibt nachts unter dem Horizont. Auch der flinke Merkur entzieht sich den Blicken.

Zu Monatsbeginn flammen die Sternschnuppen der Mai-Aquariden auf. Der Meteorstrom hat seinen Namen vom Sternbild Wassermann. Darin liegt der Ausstrahlungspunkt der Aquariden-Meteore. Der Höhepunkt des himmlischen Schauspiels wird am 5. Mai erreicht. Im Durchschnitt sind etwa 20 Sternschnuppen pro Stunde zu erwarten, um die Zeit des Maximums sogar bis zu 60. Es handelt sich um schnelle Sternschnuppen mit Geschwindigkeiten um 65 Kilometer pro Sekunde. Sie hinterlassen lange Leuchtspuren. Ihren Ursprung führen die Mai-Aquariden auf den Halleyschen Kometen zurück.

Besonders leicht zu finden ist im Mai der Große Wagen. Er steht am Abendhimmel senkrecht über unseren Köpfen. Folgt man mit den Augen dem Schwung der Wagendeichsel, so trifft man hoch im Süden auf den orange-roten Arktur, den Hauptstern des Bootes. Das Sternbild Bootes ist recht markant und lässt sich leicht einprägen. Es sieht aus wie ein großer Papierdrachen.

Der Löwe hat die Mittagslinie schon überschritten und neigt sich dem Westhorizont zu. In der Osthälfte des Himmelsgewölbes fällt neben dem Bootes ein Sternenhalbkreis auf. Er deutet die Nördliche Krone an. Der etwas hellere Stern im Halbkreis heißt Gemma. Der Name kommt aus dem Lateinischen und bedeutet schlicht Edelstein.

Im Nordosten strahlen die bläuliche Wega in der Leier und der ferne Deneb im Schwan, zwei Eckpunkte des Sommerdreiecks. Der Dritte in Bunde, Atair im Adler, geht erst im Laufe der Nacht auf. Im Süden schreitet die Jungfrau mit ihrem bläulichen Hauptstern Spica eben durch die Mittagslinie. Der Jungfrau folgt im Tierkreis das unauffällige Sternbild Waage. Tief im Nordwesten funkelt Kapella im Fuhrmann. Sie ist der hellste Stern, der bei uns zirkumpolar ist – also ganzjährig sichtbar, den Himmelspol scheinbar umkreisend.

Die Sonne befindet sich am aufsteigenden Ast ihrer Jahresbahn und nähert sich ihrer Gipfelposition. Diese wird sie allerdings erst im Juni erreichen. In der Nacht vom 13. auf 14. Mai verlässt sie das Sternbild Widder und wechselt in das des Stiers. Am 20. tritt sie nachmittags in das Tierkreiszeichen Zwillinge. Ende Mai passiert sie das Goldene Tor der Ekliptik im Sternbild Stier. Die Mittagshöhe der Sonne nimmt um sieben Grad zu – die Tageslänge wächst im Mai um etwa eineinhalb Stunden.

dpa

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