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Stierhatz in Pamplona - neiuerdings sind dabei auch immer mehr Frauen am Start.

Umstittenes Ritual in Pamplona

Immer mehr Frauen lassen sich von Stieren jagen

Madrid - Tierschützer gehen wieder gegen das blutige Ritual der Bullenhatz und der Stierkämpfe auf die Barrikaden. Doch die Fans lassen sich nicht beeindrucken.

Beim Start des diesjährigen San-Fermín-Festes waren sogar viele Frauen dabei - als waghalsige Läuferinnen.

Die Entrüstung gegen die Tierquälerei bei Stierkämpfen wächst von Jahr zu Jahr, dem Spektakel tut das keinen Abbruch. Zumindest nicht in Pamplona, wo am Sonntag mit der ersten Stierhatz das ebenso berühmte wie umstrittene alljährliche San-Fermín-Fest begann. Das spanische Fernsehen übertrug am Wochenende stundenlang live aus der Stadt im Norden. Auch die Zeitungen berichteten ausführlich, und zwar ohne die Kritiker zu Wort kommen zu lassen. Ausländische Touristen kommen zu Tausenden. Und immer mehr Frauen lassen sich von der fragwürdigen Show anziehen.

Das sogenannte schwache Geschlecht begnügt sich nicht mehr mit dem Zuschauen aus sicherer Entfernung. Obwohl traditionell nur „Mozos“, junge Männer, waghalsig vor den wilden Bullen in den engen Gassen herrennen, tauchen bei diesen Mutproben zunehmend Frauen auf. Frauen wie Isabel Soler. Die nur 50 Kilogramm leichte Katalanin stellte sich am Sonntag den 600 bis 700 Kilogramm schweren Kampfbullen.

Die Läufer sind traditionell in Weiß und Rot gekleidet und dürfen als einzige Verteidigungswaffe eine zusammengerollte Zeitung tragen. „Ich bin immer noch im Schockzustand“, räumte Isabel nach dem Lauf über die 825 Meter lange Strecke auf rutschigem Kopfsteinpflaster im spanischen Fernsehen ein. „Ich sehe immer mehr Mädchen, die mitmachen. Viele sind Ausländerinnen“, bestätigte sie.

Am Sonntag kam eine 26-jährige Amerikanerin ins Krankenhaus, nachdem sie sich bei einem Sturz Verletzungen am Gesicht zugezogen hatte. Bei den Mutproben werden jedes Jahr Dutzende verletzt. Seit 1924 gab es 15 Tote, zuletzt starb 2009 ein Läufer.

Die Tierschützer denken aber vor allem an das Leiden der Stiere. Am Freitag hielten Peta und AnimaNaturalis auf dem Hauptplatz von Pamplona eine „symbolische Beerdigung“ für die 48 Bullen ab, die in der Festwoche bei den abendlichen Stierkämpfen von Toreros getötet werden. „Für diese Morde gibt es keine Rechtfertigung“, klagt die Spanien-Präsidentin von AnimaNaturalis, Aida Gascón.

Zur weltweiten Berühmtheit Pamplonas trug unter anderen der US-Schriftsteller Ernest Hemingway bei, der in seinem ersten größeren Roman „Fiesta“ (1926) über das Fest und die Stierrennen schrieb.

Die Stierhatz-Touristen, die vor allem aus Europa, Australien und den USA kommen, haben wohl eine andere Meinung von dem fest, das es seit 1591 gibt. Dabei werden bis nächsten Sonntag täglich sechs Kampf-Stiere und mehrere zahme Leitochsen für die Stierkämpfe am Abend in die Arena gejagt. Es finden aber auch Konzerte, Prozessionen und Aktivitäten für Kinder statt. Wegen der Krise schrumpfte das Budget im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 2,1 Millionen Euro.

dpa

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