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Ein Jungstorch landet neben seinen vier Geschwistern in einem Storchennest in der Leinemasch südlich von Hannover. Foto: Julian Stratenschulte

Naturschutz

Störchen und ihren Jungen kam Trockenheit eher zugute

Wochenlang hat es vielerorts in Deutschland nicht oder nur ganz wenig geregnet. Muss man sich Sorgen machen um den Storchnachwuchs, der gern Regenwürmer frisst?

Berlin (dpa) - Störche in vielen Regionen Deutschlands haben in den vergangenen Wochen von der warmen und trockenen Witterung profitiert. Zwar seien zunächst wegen der Trockenheit auch ein paar Junge gestorben gegeben, aber insgesamt habe sich das Wetter eher positiv auf den Bruterfolg ausgewirkt, sagte der Storchexperte Kai-Michael Thomsen vom Michael-Otto-Institut in Bergenhusen (Schleswig-Holstein).

In diesem Jahr gebe es in Deutschland ungefähr wieder so viele Brutpaare wie im Vorjahr. 2017 brüteten nach Angaben Thomsens hierzulande 6914 Paare - die meisten in Brandenburg (1274), Baden-Württemberg (1104) und Niedersachsen (908). Die bundesweiten Zahlen für 2018 lägen voraussichtlich Anfang nächsten Jahres vor. Erhoben werden die Daten von ehrenamtlichen Mitarbeitern der Bundesarbeitsgruppe Weißstorchschutz im Naturschutzbund (Nabu).

Störche sind Thomsen zufolge nicht zwangsläufig auf Regenwürmer angewiesen, die sich bei Trockenheit eher in tiefere Bodenschichten verziehen. Die Witterung habe auch dafür gesorgt, dass Beutetiere wie Mäuse und Heuschrecken in großer Zahl vorkämen. "Grundsätzlich gibt es ja auch Störche in Spanien, Marokko, Algerien und Tunesien, also in Lebensräumen, die durchaus erheblich trockener sind, und dann finden sie entsprechend dort Heuschrecken und Insekten​."

Inzwischen seien die schwarz-weiß gefiederten Stelzenvögel ohnehin "aus dem Gröbsten heraus", wie Thomsen sagte. Anders als in der Zeit nach dem Schlüpfen der Jungen brauchten sie aktuell auch nicht mehr ganz so viel Futter. Können Störche nicht genug Nahrung für alle ihre Jungen auftreiben, kommt es durchaus vor, dass sie das Kleinste aus dem Nest werfen.

Nach einer Faustregel sind pro Paar und Jahr zwei Junge nötig, um den Bestand aus eigener Kraft - ohne den Zuzug von Störchen aus anderen Gebieten - stabil zu halten. "Das erreichen wir in Deutschland nur in relativ wenigen Gebieten", betont Thomsen.

Hierzulande dürfte es dieses Jahr im Schnitt zwischen 1,5 und 2 Jungen pro Nest geben, nimmt er an. "Das ist aber auch von Region zu Region unterschiedlich." Unter dem Strich geht er von einem höheren Bruterfolg als im regional teils verregneten Vorsommer aus. Unter solchen Bedingungen im Frühsommer können Junge auskühlen und sterben.

Rückläufig war die Zahl der Störche in den vergangenen Jahren vor allem in Mecklenburg-Vorpommern: Dort ging der Bestand von 2004 bis 2017 von 1142 auf 699 Paare zurück, wie Thomsen sagte.

Zuwächse gab es hingegen in westlichen Bundesländern. Mit ein Grund für diese Entwicklung ist das veränderte Zugverhalten der Gruppe von Störchen, die auf westlichen Routen gen Süden fliegt. Diese Exemplare kommen Thomsen zufolge gut über den Winter, weil sie oftmals in Spanien und Portugal bleiben können, statt den weiten Weg nach Afrika auf sich zu nehmen. Auf Müllkippen und Reisfeldern fänden sie ausreichend Nahrung.

Die Störche aus Nord- und Ostdeutschland hingegen, die über die östlichen Routen bis nach Südafrika fliegen, sind auf dem weiten und kräftezehrenden Weg hingegen auch vielen Risiken ausgesetzt.

Nabu über den Storchenzug

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