Entscheidung gefallen

Bahn-Streik ausgerechnet in den Sommerferien – das müssen Reisende jetzt wissen

Droht Chaos bei der Deutschen Bahn? Im Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL gibt es wohl eine weitere Eskalation. Ausgerechnet zur Sommerferienzeit. Das sollten Reisende jetzt wissen.

Update vom 10. August 2021, 11.10 Uhr: Noch am heutigen Dienstagabend ab 19 Uhr werde der Güterverkehr bestreikt. Ab dem 11. August um 02 Uhr werde auch der Personennahverkehr komplett bestreikt. „Das ist ein bundesweiter Streik“, betont Weselsky, der am Freitag enden solle. Deutschland dürfte ein Streik-Sommer drohen. Ausgerechnet jetzt, da Reisen nach Corona wieder möglich sind. „Nichts außer Tricksen und Täuschen“ sei von der Bahn gekommen, kritisiert Weselsky. „Das Angebot ist für uns nicht verhandelbar!“, stellt er klar. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Erstmeldung vom 8. August 2021: Berlin - Verspätungen, Wartezeiten und Zugausfälle: Für Bahnkunden könnten die nächsten Wochen schwierig werden. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) treibt Ihre Streik-Pläne voran. Am Montag endet die Urabstimmung, in der die Mitglieder über den Arbeitskampf entscheiden.

Am Dienstag will GDL-Chef Claus Weselsky das Ergebnis auf einer Pressekonferenz präsentieren. Er rechnet mit einer Zustimmung von mehr als 90 Prozent. Offen ist noch, wann es zum Streik kommen könnte.

Weselsky hat bereits mehrfach gedroht, er rechne mit einem längeren Streik. In der Süddeutschen Zeitung vom Freitag bekräftigte er: „Von Anfang an war klar: Es geht uns nicht nur um Nadelstiche.“ Die Beteiligung an der Urabstimmung sei groß, sagte Weselsky weiter. „Wir rechnen damit, dass die Belegschaft ‚ja‘ zum Arbeitskampf sagt.“ Die Stimmung unter den Beschäftigten sei schlecht.

Bahn-Personalchef: „Diesen Streik braucht jetzt wirklich niemand“

Die Deutsche Bahn rief die Gewerkschaft abermals auf, noch einmal zu verhandeln. „Diesen Streik braucht jetzt wirklich niemand“, kritisierte der Personalchef des Konzerns, Martin Seiler. „Letztlich ist das eine Attacke auf das ganze Land.“ Nach den Corona-Beschränkungen begännen viele Menschen jetzt erst wieder zu reisen.

Die Tarifrunde zwischen der Bahn und der Gewerkschaft steckt jedoch fest. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, Unwahrheiten zu verbreiten und kein Interesse an Verhandlungen zu haben.

Es wäre der erste Streik bei der Bahn seit Dezember 2018, als die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ihre Mitglieder zum Arbeitskampf aufrief. Weitaus härter verlief der GDL-Streik 2014 und 2015. Die GDL hatte in neun Monaten insgesamt neun mehrtägige und flächendeckende Streiks bei der Bahn organisiert. Der Ausstand im Mai 2015 dauert sechs Tage, es war der längste in der Geschichte der DB. Den Tarifkonflikt beendete damals eine Schlichtung.

Deutsche Bahn: Wann beginnt der GDL-Streik?

Noch ist offen, wann der Streik genau beginnt. Als möglicher Start ist der Mittwochnachmittag im Gespräch. Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL Claus Weselsky drohte mit Streik ab 10. August. Kündigte im Vorfeld eine harte Auseinandersetzung an. Wie lange die erste Streikwelle dauern könnte, ist zunächst noch unklar.

„Die GDL wird nicht zu Warnstreiks von einigen Stunden oder einem Tag aufrufen“, ist auf der GDL-Webseite zu lesen. Deswegen hatte die Gewerkschaft zu einer Urabstimmung aufgerufen. Konkrete Pläne will die Gewerkschaft spätestens am Dienstag verkünden.

Streik bei der Deutschen Bahn - Das müssen Reisende jetzt wissen

Reisende sollten sich auf einen eventuellen Streik in der nächsten Woche vorbereiten, nach Alternativen, wie Mietwagen, Bus oder Flug suchen. Jedenfalls ist es wichtig die Nachrichtenlage zu verfolgen. Züge können überraschend ausfallen. Wer mit Kindern eine Zureise geplant hat, sollte besonders aufmerksam sein oder die Reise lieber ganz verschieben.

Bahn-Streik: Erstattung/Umtausch wegen Verspätung oder Zugausfall

  • Bei einer zu erwartenden Verspätung von mindestens 20 Minuten am Zielort können Reisende auch bei zuggebundenen Fahrkarten umbuchen. Eine andere - teurere Zugroute nehmen, beispielsweise einen ICE nehmen. Mehr Infos finden Sie bei Bahn.de.

Wer in einer Stadt strandet, sollt sein Corona-Impfzertifikat zur Hand haben. Ungeimpfte müssen in einigen Bundesländern einen negativen Antigen-Schnelltest vorweisen. Das gilt in Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. In Nordrhein-Westfalen gilt das für Landkreise ab einer 7-Tage-Inzidenz von 10. Alle Infos zur Corona-Lage in Deutschland finden Sie hier. (dpa/afp/ml)

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