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Geht er jetzt in Revision?

Nach Discobesuch totgeprügelt: Täter verurteilt

Verden - Er hat so heftig zugetreten, dass ein junger Mann nach einem Discobesuch stirbt. Jetzt muss der 21 Jahre alte Täter dafür in Jugendhaft. Er war schon seit Jahren polizeibekannt.

Wegen des gewaltsamen Todes eines jungen Mannes in Niedersachsen hat das Landgericht Verden den Täter zu fünf Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Die Jugendstrafkammer sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der damals 20-Jährige sein Opfer in Kirchweyhe nach der Rückkehr von einer Disco so heftig trat, dass der 25-Jährige wenige Tage später an einer Gehirnblutung starb. Anders als anfangs angenommen war der Mann laut dem Urteil nicht an einem vorangegangenen Streit beteiligt, sondern wurde zufällig zum Opfer.

Die Kammer verurteilte den 21-Jährigen wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre gefordert, die Verteidigung Freispruch. Die Verteidiger äußerten sich nach der Verhandlung nicht, ob sie Revision einlegen wollen.

In rund 30 Verhandlungstagen hatte das Gericht fast 50 Zeugen vernommen. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der erste Tritt gegen den 25-Jährigen vom Angeklagten kam. Es folgten weitere Tritte, davon mindestens einer vom Angeklagten. Möglicherweise habe es weitere Täter gegeben. „Mord oder Totschlag lag nicht vor. Dazu ist ein Vorsatz nötig“, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Grebe.

Grebe zeichnete in seiner Urteilsbegründung detailliert den Verlauf der Tatnacht zum 10. März 2013 nach. Auf der Rückfahrt in einem gemieteten Bus sei aus einem Streit heraus eine aufgeheizte Stimmung unter den überwiegend betrunkenen Jugendlichen entstanden. Es sei auch zu ausländerfeindlichen Äußerungen gegen die Gruppe der türkischstämmigen Männer gekommen, zu der der 20-Jährige gehörte.

Bilder: Trauer um totgeprügelten Streitschlichter

Bilder: Trauer um totgeprügelten Streitschlichter

Der Angeklagte bestellte nach Grebes Worten telefonisch ein Rollkommando von Freunden zum Busbahnhof in Kirchweyhe und drohte den anderen Jugendlichen mit Gewalt. Unmittelbar nach der Ankunft kam es zu dem kurzen, tödlichen Ausbruch.

Der 21-Jährige zeigte während der Urteilsbegründung keine sichtbare Regung. Der mit einer grauen Strickjacke bekleidete, schmächtige junge Mann verfolgte die Verhandlung aufmerksam. Eine Aussage hatte er im Prozess nicht gemacht. Während eines Haftprüfungstermins zuvor hatte er eine Beteiligung abgestritten.

Grebe begründete das Strafmaß vor allem mit der Notwendigkeit, den Täter über einen längeren Zeitraum zu erziehen, aber auch mit dem Gedanken der Sühne und des Schuldausgleichs. Bereits 2008 war er wegen Körperverletzung zu Jugendarrest verurteilt worden, weil er auf einen Jugendlichen eingestochen hatte.

dpa

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