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Jeder vierte Schüler mit Förderbedarf besucht in inzwischen eine reguläre Schule.

Einbindung behinderter Schüler

Inklusion kommt nur eingeschränkt voran

Gütersloh - Möglichst viele Kinder, die bisher Förderschulen besuchen, sollen an regulären Schulen unterrichtet werden. Bei einem Viertel klappt das. Allerdings verlieren die Sonderschulen nicht an Bedeutung.

Der angestrebte gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung (Inklusion) kommt im deutschen Schulsystem nur in kleinen Schritten voran. Jeder vierte Schüler mit Förderbedarf besucht in inzwischen eine reguläre Schule. Vor vier Jahren hatte Deutschland sich verpflichtet, Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unterrichten. Die Studie befasst sich nicht mit der Frage, ob in den Regelschulen ausreichend Lehrpersonal für die Zusatzbetreuung zur Verfügung steht.

Die heutige Quote von 25 Prozent (Schuljahr 2011/2012) lag 2009 noch bei 18,4 Prozent. Diese Entwicklung habe aber nicht dazu geführt, dass weniger an Sonderschulen unterrichtet wird, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie des Bildungsforschers Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Bei immer mehr Schülern wird ein Förderbedarf festgestellt.

Doppelsystem hat weiter Bestand

Die seit 2009 geltenden UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet die Bundesrepublik Deutschland, Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unterrichten. Trotz des steigenden Inklusionsanteils ist der Schüleranteil der Sonderschulen nur gering gesunken. 2009 gingen 4,9 Prozent der Betroffenen nicht auf eine reguläre Schule. Aktuell sind es 4,8 Prozent. Das belege, so Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, dass das Doppelsystem aus Regelschule und Förderschulen unverändert Bestand habe.

Die trotz der fortschreitenden Inklusion konstante bundesweite Bedeutung der Sonderschulen hängt auch damit zusammen, dass bei immer mehr Kindern sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt wird, heißt es in der Studie. 2009 hatte der Anteil der Schüler mit Förderbedarf an der gesamten Schülerschaft noch bei sechs Prozent gelegen. Im vergangenen Jahr betrug die Förderquote 6,4 Prozent. Insgesamt haben damit in Deutschland eine halbe Millionen Schüler besonderen Förderbedarf.

„Solange das Doppelsystem aus Regel- und Förderschule besteht, ist erfolgreiche Inklusion schwierig, weil Förderschulen jene Ressourcen binden, die dringend für den gemeinsamen Unterricht benötigt werden“, sagt Professor Klemm in der Studie. 2012 hatte der Bildungsökonom bereits errechnet, dass - selbst wenn die Mittel der Sonderschulen weitgehend zu den Regelschulen umgeschichtet würden - bundesweit jährlich 660 Millionen Euro für 9300 zusätzliche Lehrer gebraucht würden, um inklusiven Unterricht in angemessener Qualität anzubieten.

Große Unterschiede zwischen den Bundesländern

Laut Studie sind die Unterschiede beim Thema Inklusion zwischen den Bundesländern groß. Bei den Faktoren Stellenwert von Sonderschulen, Anerkennung von Förderbedarf und Ausbau von gemeinsamen Unterricht weichen die Länder erheblich voneinander ab. Vorreiter bei der Inklusion sind Bremen (55,5 Prozent) und Schleswig-Holstein (54,1). In Niedersachsen werden nur 11,1 Prozent der Förderschüler auf einer regulären Schule unterrichtet.

In Mecklenburg-Vorpommern haben mit 10,9 Prozent mehr als doppelt so viele Schüler besonderen Förderbedarf wie in Rheinland-Pfalz oder Niedersachsen (4,9 Prozent). Und während in Bremen der Anteil der Schüler an Förderschulen seit 2009 von 4,6 auf 2,8 Prozent stark zurückgegangen ist, ist in Baden-Württemberg der Anteil von 4,7 auf 5,0 Prozent gestiegen.

dpa

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