+
Vollmond über Berlin. Der Erdtrabant ist von einem großen Himmelskörper aus der jungen Erde herausgeschlagen worden. Foto: Soeren Stache

Studien werfen neues Licht auf Entstehung des Mondes

Die junge Erde ist vor Urzeiten mit einem Himmelskörper zusammengeprallt - herausgeschleudert wurde der Mond. Darin stimmen die meisten Astronomen überein. Jetzt haben Forscher aber weitere Details zur Entstehung des Erdtrabanten herausgefunden.

Münster/London (dpa) - Mehrere neue Studien erhellen die Entstehungsgeschichte des Mondes. Der Erdtrabant ist demnach wie angenommen von einem großen Himmelskörper aus der jungen Erde herausgeschlagen worden, hat dann aber wahrscheinlich eine abschließende Schicht kosmisches Material angesammelt.

Das zeigen Unterschiede in den verschiedenen Varianten von Wolfram auf Erde und Mond, die ein deutsches und ein US-Team unabhängig voneinander erstmals identifiziert haben. Beide Gruppen stellen ihre Analysen im britischen Fachblatt "Nature" vor.

Die gängige Theorie zur Entstehung des Mondes geht davon aus, dass ein katastrophaler Crash der jungen Erde mit einem sogenannten Protoplaneten von der Größe des Mars zur Entstehung des Mondes geführt hat. Simulationsrechnungen haben jedoch gezeigt, dass der Mond in diesem Szenario im Wesentlichen aus dem Material dieses Einschlagkörpers bestehen sollte, den Astronomen Theia getauft haben. Das ist allerdings schwer mit der heutigen chemischen Zusammensetzung des Mondes zu vereinbaren, die jener der Erde weitgehend gleicht.

Da sich heute die verschiedenen Körper des Sonnensystems deutlich in ihrer chemischen Zusammensetzung unterscheiden, sind Astronomen bislang davon ausgegangen, dass sich vermutlich auch Theia und die junge Erde in ihrer chemischen Zusammensetzung deutlich voneinander unterschieden haben. Das muss allerdings nicht unbedingt der Fall gewesen sein, wie neue Simulationsrechnungen zeigen, die eine dritte Gruppe um Alessandra Mastrobuono-Battisti vom Israelischen Institut für Technologie in Haifa ebenfalls in "Nature" präsentiert.

Diese Simulationen zeigen, dass immerhin 20 bis 40 Prozent der Himmelskörper, die zuletzt in entstehende Planeten einschlagen, dieselbe chemische Zusammensetzung aufweisen wie ihr Ziel. Die Wahrscheinlichkeit für so eine chemische Übereinstimmung liegt damit etwa zehnmal höher als bislang angenommen, wie es in einem Begleitkommentar in "Nature" heißt. Eine andere Möglichkeit ist, dass sich Theia und die entstehende Erde nach dem Einschlag zunächst gründlich gemischt haben, bevor Mond und Erdmantel aus den Trümmern entstanden sind.

Erstmals haben ein Team um Thomas Krujier von der Universität Münster sowie eine Gruppe um Mathieu Touboul von der US-amerikanischen Universität von Maryland nun kleine, aber messbare Unterschiede im Vorkommen verschiedener Wolfram-Varianten (Isotope) zwischen Mond und Erde nachgewiesen. Die Messungen widersprechen nicht der Einschlagtheorie. Stattdessen werten die Forscher sie als Beleg dafür, dass der junge Mond und die Erde nach dem Einschlag jeweils eine abschließende Schicht von Material angesammelt haben.

"Die kleinen, aber signifikanten Unterschiede in der Isotopenverteilung von Wolfram zwischen Erde und Mond entsprechen perfekt den unterschiedlichen Mengen von Material, die Erde und Mond nach dem Einschlag aufgesammelt haben", erläuterte Prof. Richard Walker von der Universität von Maryland in einer Mitteilung seiner Hochschule. "Das bedeutet, dass der Mond direkt nach seiner Entstehung dieselbe Isotopenmischung besaß wie der Erdmantel."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mann schleicht sich in Geisterstadt Fukushima - und macht erschreckende Entdeckung
Der Fotograf Keow Wee Loong liebt das Abenteuer, keine Grenze ist ihm zu weit. Genau aus dem Grund wagte er sich in die verseuchtesten Zonen Fukushimas - und was er dort …
Mann schleicht sich in Geisterstadt Fukushima - und macht erschreckende Entdeckung
Immer mehr Senioren hinter Gittern
Hinter Gittern wächst die Zahl der Senioren. Die JVA Bielefeld-Senne ist europaweit die größte Anstalt im offenen Vollzug und hat sich mit speziellen Abteilungen auf die …
Immer mehr Senioren hinter Gittern
Seit 12 Jahren vermisst - jetzt hat die Polizei eine heiße Spur
Seit zwölf Jahren fehlt jede Spur von dem Mädchen - jetzt haben Ermittler einen neuen Hinweis. In einem Wald in Brieselang könnten Leichenspürhunde etwas finden.
Seit 12 Jahren vermisst - jetzt hat die Polizei eine heiße Spur
Drei Verdächtige geben Schläge gegen 15-Jährigen zu
Drei Tage nach der tödlichen Schlägerei in Passau versuchen die Ermittler, das Geschehen zu rekonstruieren. Dabei sollen auch die Aussagen der Verdächtigen helfen. Drei …
Drei Verdächtige geben Schläge gegen 15-Jährigen zu

Kommentare