Streit um Kosten für Inhalte

Studieren ohne Skripte: Rückkehr ins analoge Zeitalter?

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München - Studenten werden bald wieder studieren wie einst ihre Eltern, nämlich ohne Skripte, die online zu finden sind. Der Grund: ein Streit zwischen der VG Wort und den Universitäten des Landes.

Aber worum geht es bei dem Streit überhaupt? Die VG Wort ist wie die Gema eine Verwertungsgesellschaft, nur für Texter. Sie nimmt Tantiemen aus Zweitnutzungsrechten ein und gibt sie an die Urheber weiter. Mitglieder der Verwertungsgesellschaft sind Journalisten oder Autoren, aber eben auch Urheber von wissenschaftlichen Texten, wie etwa Lehrbüchern für Universitäten. Und um genau die geht es in dem Streit. 

Denn Dozenten können bislang Literatur und Skripte ganz einfach ins Intranet von Universitäten stellen - auch wenn sie die Texte nicht selbst geschrieben haben. Bisher zahlten alle Universitäten einen Pauschalbetrag. Das Geld wurde an Verlage und Autoren weitergegeben. Doch das will die VG Wort so jetzt nicht mehr akzeptieren. Denn immer mehr Skripte werden ins Intranet gestellt, weshalb die Verkäufe von Lehrbüchern zurückgehen und die Autoren immer weniger verdienen. 

„Ich glaube, dass die Universitäten das immer ein bisschen von sich weggeschoben haben“

Die VG Wort ging wegen diesem Missstand schon einmal vor Gericht. Sie forderte mehr Geld und ein Ende der Pauschalen. 0,8 Cent pro Seite und Student sollen künftig fällig werden. 2013 fiel bereits ein Urteil: Der Bundesgerichtshof gab der VG Wort Recht. Doch es scheiterte an der Umsetzung. Jetzt soll aber endgültig Schluss mit den Pauschalen sein: Gemeinsam mit den Kultusministern wurde eine Vereinbarung getroffen, die zum ersten Januar 2017 in Kraft treten soll. 

Laut Rainer Just, Geschäftsführer der VG Wort, ist schon längst klar gewesen, dass diese Entscheidung bald fallen würde: „Ich glaube, dass die Universitäten das immer ein bisschen von sich weggeschoben haben und gedacht haben, das wird schon irgendwie anders kommen. Und jetzt sind die natürlich in großer Zeitnot“, sagte er gegenüber Netzpolitik.org

„Ich bin da wirklich überrascht, weil ich gedacht habe, dass das Ganze konstruktiver angegangen wird“

Was passiert, wenn eine Universität sich weigert, mehr zu zahlen, scheint noch nicht ganz klar zu sein. Die Landeshochschulkonferenz von Niedersachsen hat beispielsweise für alle Hochschulen in Niedersachsen erklärt, man würde diesen Vertrag nicht unterzeichnen. Rainer Just verwundert der Widerstand: „Ich bin da wirklich überrascht, weil ich gedacht habe, dass das Ganze konstruktiver angegangen wird“, sagte er. 

Zulässig sind weiterhin übrigens Texte, die vom Dozenten eigens für die Vorlesung angefertigt wurden, ebenso urheberrechtsfreie Texte sowie OpenAccess-Lizenzen. Auch dürfen fremde Texte in eigenen Werken zitiert werden.  

Eines ist jedoch jetzt schon klar: Kommt die neue Regelung, stehen Dozenten wieder vor Bergen von zu kopierenden Skripten - das ist nicht besonders umweltfreundlich und schon gar nicht fortschrittlich. Ein Pilotversuch in Osnabrück zeigte: Das neue System führt zu einem deutlichen Mehraufwand für die Dozenten. Zudem sinkt die Menge der bereitgestellten Texte um 75 Prozent - nicht gerade förderlich für die Einnahmen der VG Wort.

sb 

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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