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Unwetter über Deutschland: Lokführer von Baum getroffen - Sturm sorgt für tragischen Todesfall

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Von: Jennifer Lanzinger

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Umgestürzte Bäume, Ziegel, die von Dächern geweht wurden oder eine zerstörte Windkraftanlage: Der erste Herbststurm hält Deutschland auch am Freitag auf Trab. Alle Infos im News-Ticker.

Update vom 22. Oktober, 14 Uhr: Der erste Herbststurm des Jahres hat in weiten Teilen Deutschlands kräftig gewütet - und so ganz ging Sturm Hendrik auch am Freitag noch nicht die Puste aus. Zunächst entspannte sich die Lage aber zunehmend. Dennoch waren die nach Skandinavien abziehenden Windböen in den Küstengebieten noch zu spüren. Dementsprechend sagte der Deutsche Wetterdienst (DWD) für den Norden und die Mitte Deutschlands erneut Böen oder Sturmböen voraus, dazu einzelne Gewitter im Laufe des Tages.

Auch auf dem Brocken im Harz wurden noch orkanartige Böen von bis zu 120 Kilometern pro Stunde erwartet. Zum Abend hin sollte sich die Wetterlage den Prognosen zufolge weiterhin beruhigen und die Lage normalisieren - das gelte auch für den Bahnverkehr.

Alles in allem fegte der erste Herbststurm wie von den DWD- Meteorologen vorhergesagt - mit einer Besonderheit: „Ungewöhnlich an diesem Sturmtief ist, dass die stärksten Böen über der Mitte Deutschlands aufgetreten sind - ein Streifen vom Saarland bis Rheinland Pfalz über Hessen und Franken bis nach Thüringen und Sachsen. Da sind bis bis ins Flachland orkanartige Böen aufgetreten“, sagte Markus Übel vom DWD der Deutschen Presseagentur.

Unwetter über Deutschland: Lokführer von Baum getroffen - Sturm sorgt für tragischen Todesfall

Update vom 22. Oktober, 9.30 Uhr: Nachdem Sturm Hendrik am Donnerstag über Deutschlang gewütet hatte sind an der nordfriesischen Küste deutlich erhöhte Wasserstände gemessen worden. Die höchsten Werte wurden am Eidersperrwerk und in Husum erreicht, wie eine Sprecherin des Bundesamtes für Schifffahrt und Hydrographie (BSH) mitteilte.

Die Sturmflutmarke von 1,5 Metern über dem mittleren Hochwasser wurde jedoch nicht überschritten. Auch in Hamburg lag der Höchststand laut BSH mit 1,44 Metern am Freitagmorgen knapp unter der Sturmflutgrenze. Der Fischmarkt wurde nicht erneut überschwemmt, am Donnerstag hatten Polizisten hier jedoch ein neun Jahre altes Mädchen in Sicherheit gebracht (siehe Update vom 21. Oktober, 21 Uhr). Polizei und Feuerwehren verzeichneten seit Donnerstagabend keine wetterbedingten Einsätze in der Region mehr.

Ob im Laufe des Freitags weitere Sturmfluten möglich sind, konnte das BSH zunächst nicht sagen. In jedem Fall bleibt es weiterhin
stürmisch. Der Deutsche Wetterdienst warnt an den Küsten vor schweren Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten zwischen 80 und 95 Kilometern pro Stunde. Am Nachmittag flaut der Wind dann ab, es sind jedoch bis zum Abend einzelne Gewitter möglich, an der Nordsee zum Teil mit orkanartigen Böen mit bis zu 110 Stundenkilometern. Auch auf dem Brocken im Harz werden orkanartige Böen von bis zu 120 Kilometern pro Stunde erwartet.

Währenddessen hat eine Sprecherin des Brandenburger Polizeipräsidiums ein Todesopfer des Sturms bestätigt. Demnach handelt es sich bei dem Mann um den Lokführer eines Regionalzuges aus Brandenburg. Weil ein Ast auf den Schienen gelegen haben soll, sei der Lokführer ausgestiegen. Doch während der Mann den Ast von den Schienen räumen wollte, sei er von einem umstürzenden Baum getroffen worden. Wie das Portal weiter berichtet, sei der Lokführer Stunden später in einer Klinik seinen schweren Verletzungen erlegen.

Sturm über Deutschland - DWD warnt erneut vor stürmischen Böen

Sturmtief
Menschen gehen in Sturm und Regen am Brandenburger Tor vorbei. © Annette Riedl/dpa

Update vom 22. Oktober, 6.23 Uhr: Im Norden geht es am Freitag sehr stürmisch weiter. Auch in der Mitte Deutschland ist laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) erneut mit stürmischen Böen, Sturmböen sowie Gewittern mit Graupel zu rechnen. Am Broken warnt der DWD vor Orkanböen (Bft 11 bis 12).

Sturmtief „Ignantz“ zieht ab. Doch an der Rückseite mit einer nordwestlichen Strömung maritime Polarluft nach Deutschland. Die Polarluft lässt die Temperaturen erstmal in den Keller rauschen. Die Maximalwerte liegen zwischen 8 und 13 Grad. Das ist deutliche kühler als an den Vortagen.

Bahnreisende müssen sich weiterhin auf einzelne Verspätungen einstellen. „Der Bahnverkehr normalisiert sich nach dem #Sturm bundesweit. Es kann noch vereinzelt zu Beeinträchtigungen kommen“, twittert die Bahn. Fahrgäste „Bitte informiert euch regelmäßig auf bahn.de bzw. im DB Navigator über eure Verbindung und auf bahn.de/aktuell über die aktuelle Lage.“

Am Donnerstag hatte das Sturmfeld dem DWD zufolge das gesamte Bundesgebiet umfasst. Starker Wind und orkanartige Böen ließen Bäume umstürzen, sie kippten auf Schienen und Straßen, wo es entsprechend zu Verkehrsbehinderungen kam. Polizei und Feuerwehren rückten zu Hunderten Einsätzen aus. In mehreren Bundesländern wurden Menschen verletzt - etwa als Bäume oder Äste auf Autos stürzten.

Besonders heftig wütete der Herbststurm im Harz. Nach DWD-Messungen wurden auf dem Brocken Windgeschwindigkeiten um die 150 Kilometer pro Stunde erreicht. In vielen Städten wurden Zoos und andere Einrichtungen geschlossen, teils wegen der alten und hohen Baumbestände. Auch Parks und Gärten wurden mancherorts sicherheitshalber gesperrt, in Köln ein Teil des Dom-Vorplatzes.

Sturm rollt über Deutschland: Polizei rettet Mädchen (9) auf überflutetem Fischmarkt

Update vom 21. Oktober, 21 Uhr: Eine Sturmflut hat am Donnerstag den Fischmarkt im Hamburger Stadtteil St. Pauli unter Wasser gesetzt. Der Scheitel sei am frühen Abend mit 1,72 Metern über dem mittleren Hochwasser erreicht worden, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Zahlreiche Schaulustige wollten das sehen.

Polizisten halfen einem Mädchen an einer Brüstung. Die Neunjährige habe zwar noch im Trockenen gestanden, doch das Wasser um sie herum sei bis zu 50 Zentimeter hoch gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten hätten das Kind in Sicherheit gebracht.

Fischmarkt Hamburg
Der Fischmarkt mit der Fischauktionshalle war am Donnerstagabend während des Hochwassers überschwemmt. © Daniel Bockwoldt/dpa

Ursprungsmeldung vom 21. Oktober: München - Der Deutsche Wetterdienst hatte den Sturm bereits seit Tagen vorausgesagt, mit dem Ausmaß dürften jedoch die wenigsten gerechnet haben. Während in Karlsruhe ein Mensch von einem umstürzenden Baum schwer verletzt wurde, machten die kräftigen Böen vielerorts dem öffentlichen Nahverkehr einen Strich durch die Rechnung. In Heidenheim zerstörte der Sturm eine Windkraftanlage. Über Kiel wütete am Donnerstag offenbar sogar ein Tornado.

Sturm rollt über Deutschland: Windkraftanlage zerstört - Menschen durch umstürzende Bäume teils schwer verletzt

In Baden-Württemberg hatten Feuerwehr und Polizei alle Hände voll zu tun. Während die Feuerwehr in Karlsruhe mitgeteilt hatte, dass im Landkreis ein Mensch von einem umstürzenden Baum schwer verletzt worden sei, wurde nahe Sinsheim im Rhein-Neckar-Kreis nach Angaben der Polizei eine Person durch einen herabfallenden Ast verletzt. Im Windpark Nattheim im Kreis Heidenheim zerstörte der Sturm eine Windkraftanlage, wie die Stadtwerke Heidenheim mitgeteilt hatten. In Ludwigsburg stürzte laut Polizeiangaben ein Gerüst auf ein Gebäude.

Im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald waren Wege und Straßen durch umgestürzte Bäume teilweise nicht befahrbar. Bei Hinterzarten war ein Baum auf die Oberleitung und einen Zug gestürzt. Feuerwehrleute und Rettungsdienst waren im Einsatz und evakuierten die Waggons. Vielerorts musste der öffentliche Nahverkehr sogar teilweise eingeschränkt werden. Rund um Karlsruhe kam es zu erheblichen Einschränkungen im Bus- und Bahnverkehr, umgestürzte Bäume, Stromausfälle und Weichenstörungen erschwerten den Betrieb.

Am Nachmittag hatte der DWD ein erstes Fazit zu dem Sturm über Deutschland gezogen. Sturmtief Hendrik dürfte sich jedoch langsam aber sicher noch am Abend Richtung Osteuropa verziehen.

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