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Die Gegner des Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 haben wegen des Regens erstmal ihren Protest gegen das Fällen von Bäumen aufgegeben.

Stuttgart 21: Demonstranten weichen dem Regen

Stuttgart - Mehr als 30 Bäume hat die Bahn für Stuttgart 21 fällen lassen. Die Bahnhofsgegner versuchen alles, um die Kettensägen zu stoppen - aber der Regen hat ihnen zu schaffen gemacht.

Es war eine regelrechte Wasserschlacht im Kampf um Stuttgart 21: Im strömenden Regen haben wütende Demonstranten in der Nacht zum Sonntag versucht, die Bahn am Fällen von gut 30 Bäumen in der Nähe des Hauptbahnhofs zu hindern. Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften angerückt. Doch der stundenlange Dauerregen hat die meisten S-21-Gegner schließlich zermürbt: Weitgehend freiwillig gaben sie ihren Widerstand auf. Kurz nach Mitternacht begannen Arbeiter damit, die ersten Bäume zu fällen. Der Platz wird nach Angaben der Bahn gebraucht, um eine Baustelle für den neuen Fildertunnel einzurichten, der den geplanten Stuttgarter Tiefbahnhof mit dem Flughafen verbinden soll.

Die Aktion am Wagenburgtunnel kam am Samstagabend unerwartet. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, die Stuttgart-21-Gegner trommelten über Twitter und Facebook ihre Leute zusammen. 90 Demonstranten schafften es schließlich hinter die Absperrungen der Polizei. Weitere 150 Gegner des Milliardenbahnprojekts standen nach Polizeiangaben vor der Absperrung. Sie sangen und trommelten. Einige hielten Plakate hoch.

Stuttgart 21: Argumente Pro und Contra

Stuttgart 21: Argumente Pro und Contra

Matthias von Herrmann, Sprecher der Parkschützer, warf der Bahn vor, sie wolle erneut Fakten schaffen. “Es ist ein Armutszeugnis, dass unsere Regierung sich das bieten lässt und obendrein Polizei in den Einsatz schickt, obwohl die Sachlage weder rechtlich noch technisch noch finanziell geklärt ist“, sagte von Herrmann.

Doch das weist die Bahn zurück. Projektsprecher Wolfgang Dietrich betonte, es seien alle Bedingungen der Behörden erfüllt. Nach der Volksabstimmung habe die Bahn die Pflicht, weiterzubauen. Das Projekt sei ohnehin schon um ein Jahr verzögert. “Man muss Gas geben und Maßnahmen abarbeiten, die möglich sind“, betonte er.

Mit Lautsprecherdurchsagen forderte die Polizei die Demonstranten immer wieder auf, das Gelände zu verlassen. Notfalls werde die Polizei auch zwangsweise räumen, betonte ein Polizeisprecher. Doch das war nicht nötig, denn die Beamten hatten ungewöhnliche Rückendeckung: Der Dauerregen und die niedrigen Temperaturen setzten den Demonstranten, die sich in aller Eile auf den Weg gemacht hatten, arg zu. Die meisten machten sich nach einigen Stunden freiwillig auf den Heimweg. Einen einzigen Mann, der auf einen der Bäume geklettert war, mussten die Beamten schließlich herunterholen.

Die Bäume am Wagenburgtunnel haben allerdings nichts mit den Bäumen im Mittleren Schlossgarten zu tun. Die 170 teils sehr alten Platanen, Rosskastanien und Spitzahorne, die dort stehen, sollen ebenfalls bald gefällt werden. Um die Bäume hatte es zuletzt besonders heftige Auseinandersetzungen gegeben.

Am Samstagnachmittag hatten bereits rund 1200 Menschen in der Stuttgarter Innenstadt gegen das Milliardenprojekt und vor allem gegen den bevorstehenden Abriss des Bahnhofssüdflügels demonstriert. An der Bahnhofsfassade brachten einige ein Transparent mit der Aufschrift “DB: Sinnlos Fakten schaffen! Grün-Rot: Sinnvolle Fakten ignorieren?“ an. Das Aktionsbündnis gegen das Bauprojekt forderte, die Arbeiten für den geplanten Tiefbahnhof zu stoppen, bis alle offenen Fragen zu Baurecht und Naturschutz geklärt seien.

Im Anschluss an die Demonstration zogen einige hundert Demonstranten durch die Innenstadt und blockierten den Verkehr auf mehreren Straßen. Vereinzelt sei es auch zu Auseinandersetzungen mit den Einsatzkräften gekommen, sagte ein Polizeisprecher.

dpa

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