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Suche nach indonesischen Erdbeben-Opfern

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- Jakarta/Tokio/Berlin - Häuser in Trümmern, Trauer um die Toten und Warten auf Hilfe: Nach dem neuen schweren Seebeben vor Sumatra verzögern schlechtes Wetter und zerstörte Infrastruktur die internationalen Hilfsmaßnahmen. In den Städten und Dörfern versuchten am Mittwoch, Helfer und verzweifelte Angehörige mit Schaufeln und bloßen Händen Überlebende aus Schuttbergen zu befreien. Seit dem Beben von Montagnacht verbringen Tausende aus Furcht vor Nachbeben die Nächte weiter im Freien. Trinkwasser und Lebensmittel sind knapp.

Wie viele Menschen tatsächlich starben, ist immer noch ungewiss. Indonesiens Vizepräsident Jusuf Kalla hatte am Dienstag von bis zu 2000 Toten gesprochen.

Minutenlange Erdstöße der Stärke 8,7 hatten am Montag kurz vor Mitternacht (Ortszeit) Küstenregionen am Indischen Ozean erschüttert. Viele Gebiete sind seitdem von der Außenwelt abgeschnitten.

Auch auf den Banyak-Inseln in der Nähe des Epizentrums des Bebens könnten bis zu 300 Bewohner umgekommen sein, sagte ein indonesischer Regierungssprecher am Mittwoch. Zunächst galt die benachbarte Insel Nias als am stärksten betroffen, wo 330 Tote geborgen wurden. Dort konzentrierte sich der internationale Hilfseinsatz. Die Zahl der Toten auf den Banyak-Inseln könne die auf Nias übersteigen, sagte ein Sprecher der indonesischen Koordinationsstelle für Katastrophenmanagement der Nachrichtenagentur Kyodo.

Die Inseln, auf denen etwa 4000 Menschen leben, liegen nördlich von Nias. Weitere 100 Tote werden auf der Insel Simeulue beklagt. Hilfsorganisationen gingen davon aus, dass die Zahl der Toten weiter steigen wird. Nach Informationen des indonesischen Roten Kreuzes ist zu befürchten, dass allein auf Nias mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen sind. Tausende haben nach Angaben von Helfern kein Trinkwasser. Straßen und Stromleitungen sind beschädigt. In einer Moschee wurden Leichen aufgebahrt. Am Straßenrand liegen in schwarze Plastiksäcke gewickelte Leichen.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) lieferte bereits am Dienstag Lebensmittel nach Nias. "Die Leute sind bereits durch die Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember extrem traumatisiert", sagte WFP-Direktor Mohamed Saleheen. Laut WFP müssen auf Nias 200 000 der 450 000 Einwohner in den nächsten Monaten mit Nahrung versorgt werden. Nach Angaben des Kinderhilfswerks UNICEF sind in der Hauptstadt Gunungsitoli 30 Prozent der Häuser unbewohnbar. Die Menschen bräuchten Medikamente, Wasserbehälter, Kochgeschirr und Plastikplanen. Das indonesische Militär brachte Hilfsgüter und Rettungskräfte in die betroffenen Gebiete.

Der Gouverneur Rizal Nurdin sagte, ausländische Hilfe sei "während der Notstandsphase" willkommen. Nach dem Beben vom 26. Dezember hatte Indonesien die Präsenz ausländischer Helfer auf drei Monate beschränkt. Die meisten Organisationen waren aber noch am Ort, als am Montag das neue Beben die Region erschütterte.

Das Gebiet war nach dem Beben vom 26. Dezember von einer verheerenden Flutwelle verwüstet worden. Damals starben in den Ländern am Indischen Ozean rund 300 000 Menschen. Inzwischen sind 349 tote deutsche Opfer identifiziert worden. Die Zahl der vermissten Deutschen sei auf 221 gesunken, teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Mittwoch in Berlin mit. Es gebe keine Hinweise, dass Deutsche unter den Opfern des neuen Seebebens seien.

Wenn das vom Geoforschungszentrum (GFZ) Potsdam entwickelte Tsunami-Frühwarnsystem installiert gewesen wäre, hätte es nach Angaben des GFZ-Experten Jörn Lauterjung am Montag keine TsunamiWarnung für die Region gegeben. "Das System warnt nur, wenn tatsächlich eine Gefahr besteht."

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