Sudanesische Flugzeugentführer lassen Passagiere frei

Tripolis/Khartum - Für die 87 Passagiere des am Dienstag im Sudan entführten Flugzeuges ist der Alptraum am Mittwoch zu Ende gegangen. Die Entführer ließen alle Passagiere auf dem Flugplatz der libyschen Oase Al-Kafra frei, nachdem mehrere von ihnen wegen der Hitze und des Sauerstoffmangels an Bord ohnmächtig geworden waren.

Das berichtete ein Mitarbeiter der libyschen Zivilluftfahrtbehörde. Die beiden Entführer, die nach eigenen Angaben einer Rebellenorganisation aus der sudanesischen Konfliktregion Darfur angehören, behielten jedoch weiterhin die sechs Besatzungsmitglieder der Boeing 737 in ihrer Gewalt. Politische Forderungen stellten sie nicht.

Der Pilot der Maschine der privaten sudanesischen Luftfahrtgesellschaft Sun Express übermittelte dem Flughafendirektor von Al-Kafra per Funk eine Botschaft der Entführer, die erklärten, die Maschine solle aufgetankt werden. Sie wollten nach Paris weiterfliegen. Die libyschen Verhandlungsführer wollten ihrerseits versuchen, die Entführer dazu zu bringen, auch den Piloten und die anderen Besatzungsmitglieder freizulassen.

Die Entführer gehören nach eigenen Angaben der von Abdelwahid Nur geleiteten Splittergruppe der Sudanesischen Befreiungsarmee (SLA) aus Darfur an. Sie hatten die Maschine auf einem Flug von Nyala (Süd- Darfur) in die sudanesische Hauptstadt Khartum in ihre Gewalt gebracht. Zunächst verlangten sie vom Piloten, nach Paris zu fliegen, landeten dann jedoch am Abend in Al-Kafra. Abdelwahid Nur, der im französischen Exil lebt, dementierte in der Nacht gegenüber dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira, dass die Entführer zu seiner Organisation gehören.

Nach libyschen Angaben sind unter den freigelassenen Passagieren fünf Lokalpolitiker aus Darfur, zwei ägyptische Polizeioffiziere, zwei Äthiopier und ein Ugander. In Darfur kämpfen seit 2003 Rebellenorganisationen gegen arabische Milizen und sudanesische Regierungstruppen. Dem Konflikt sind bereits mehr als 200 000 Menschen zum Opfer gefallen. Hunderttausende wurden vertrieben und starben auf der Flucht.

Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi hatte die Konfliktparteien aus Darfur bereits mehrfach zu Friedensgesprächen nach Libyen eingeladen. Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag hatte im Juli wegen der Gräueltaten in Darfur einen Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Baschir beantragt.

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