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Tragödie in Südafrika: Tod von 21 Jugendlichen in Bar gibt Rätsel auf

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Von: Tom Offinger

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Sie wollten eine schöne Party feiern, doch am Ende starben 21 Jugendliche in einer Taverne. Ganz Südafrika trauert - und gibt auch der Regierung eine Teilschuld.

East London - Nach dem rätselhaften Tod von 21 Jugendlichen in einer südafrikanischen Taverne haben sich am Mittwoch (6. Juli) Tausende Trauernde zu einer Massenbestattungszeremonie versammelt. Mit Blumen geschmückte Särge waren in einer Halle in der Stadt East London aufgebahrt. Trauernde hielten Fotos der Gestorbenen in den Händen. Anwesende sangen religiöse Hymnen und hielten Reden, während einige Familienangehörige tränenüberströmt in sich zusammensackten.

Tragödie in Südafrika: 21 Jugendliche sterben in Taverne

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa, der erst kürzlich in Bayern beim G7-Gipfel zu Besuch war, nahm mit Regierungsvertretern an der Beerdigungsfeier teil. „Wir sind hier, um als Nation zu trauern (...) und um über die Tragödie nachzudenken, die uns widerfahren ist“, sagte er. Ramaphosa kritisierte die Besitzer der Kneipe dafür, den Jugendlichen Alkohol ausgeschenkt zu haben.

Die Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren waren am 26. Juni leblos in einer kleinen Taverne in einem Township von East London aufgefunden worden. Das Mindestalter für Alkoholkonsum liegt in Südafrika bei 18 Jahren. Die Kneipenbesitzer hätten Profite über die Leben der Kinder gestellt, sagte der Präsident. „So etwas darf nie wieder passieren.“

Tragödie in Südafrika: Kohlenmonoxid als Todesursache?

Die Todesursache der Jugendlichen bleibt ein Rätsel. Die Ergebnisse einer forensischen Untersuchung stehen zehn Tage nach dem Vorfall noch aus. Laut Informationen der ARD seien in allen 21 Leichen Überreste von Kohlenmonoxid festgestellt worden. Woher das Gas, welches zur Erstickung der Jugendlichen geführt haben könnte, kam, ist derzeit noch ungeklärt. Ferner berichten Zeugen, dass die Türen der Taverne verschlossen gewesen seien und diese hätte von ihnen aufgebrochen werden müssen, um die Jugendlichen zu retten.

Berichten von Einsatzkräften zufolge wurden die Leichen in sich zusammengesunken auf Stühlen, Sofas und der Tanzfläche gefunden, es gab keine sichtbaren Wunden. Die Jugendlichen hatten laut Medienberichten einen Geburtstag und den Beginn der Ferien gefeiert.

Südafrika: Heftige Kritik an Regierung

Neben der Kritik an den Betreiber der Township-Taverne richtet sich ein Großteil des Unmuts auch gegen südafrikanische Regierung. Die Lage vieler Jugendlicher in dem Land sei nahezu aussichtslos, in der Gegend rund um die Taverne gibt es keinen Sportplatz oder kein Jugendzentrum, welches mögliche Eskapaden auffangen könnte. „Es mehren sich die Zeichen, dass unsere Regierung zusehends bei ihrem Auftrag versagt; dass bei ihr die Luft raus ist“, kritisierte beispielsweise die katholische Kirche des Landes in einem öffentlichen Schreiben die Regierungspartei ANC, die seit 28 Jahren das politische Geschehen bestimmt.

Das Schicksal der Nation sei der Regierung mittlerweile egal, stattdessen seien sie mit internen Machtkämpfen beschäftigt. Die Fähigkeit der Polizei, Post und Bahn, ihre Aufgaben zu erfüllen, sei „mangelhaft bis nichtexistierend“. Daher sei es kein Wunder, dass vor allem die jungen Südafrikaner das Vertrauen in den Staat, und auch in die Demokratie, verloren hätten, schließt die Erklärung der Kirche. (to mit dpa)

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