Tierleichen in beliebter Urlaubsregion in Südtirol entdeckt: „Deutet alles auf einen Bären hin“

Die Hinweise verdichten sich, dass ein Bär im Passeiertal in Südtirol auf Beutefang unterwegs ist. Mehrere Tierkadaver wiesen entsprechende Verletzungen auf.
Moos in Passeier – Im Passeiertal in Südtirol mehren sich die Indizien, dass ein Bär auf Beutefang mehrere Tiere riss. Insgesamt wurden in der Region bereits mehrere Schafe mit entsprechenden Wunden gefunden und Bärenspuren im Schnee entdeckt. Die Züchter und Bauern in der Gegend sind besorgt und erwägen teilweise sogar, ihre Tiere ins Tal zu bringen, wie Südtirol News am Dienstag (20. Juni) berichtete. Der Braunbär ist das größte an Land lebende Raubtier Europas.
Vier Schafe und ein Lamm getötet – weitere Tiere werden vermisst
Zwar hatte den Bären den Berichten zufolge niemand beim Reißen der Tiere gesehen und damit auf „frischer Tat ertappt“, doch die Hinweise verdichten sich. „Laut Rissbild und Spuren deutet alles auf einen Bären hin. Wir warten nun das Ergebnis der DNA-Analyse ab“, erklärte der Landesforstdirektor Günther Unterthiner laut Südtirol News. Auf der Timmelsalm in Rabenstein im Passeiertal wurden in den vergangenen Tage insgesamt vier gerissene Schafe und ein totes Lamm entdeckt, weitere Tiere werden vermisst.
Der Hirte der Timmelsalm hatte bereits am Samstag in der Nähe des Großen Schwarzsee auf etwa 2.500 Metern Höhe zwei Tierkadaver entdeckt, im Schnee waren dem Bericht zufolge Bärenspuren zu sehen gewesen. Es ist nicht der erste entsprechende Fall in der Gegend. Im März hatte ein Bär in Italien einen Jogger getötet, das Auswärtige Amt hatte infolgedessen eine Reisewarnung für die Region in Italien geprüft.
Wildtiere erweiterten während der Corona-Pandemie ihren Bewegungsradius
Während der Corona-Pandemie erweiterten Wildtiere ihren Bewegungsradius. Bären in Südtirol wurden seitdem immer häufiger gesichtet. Zu Zeiten der strengen Lockdowns legten die Tiere längere Strecken zurück und hielten sich näher an Straßen auf, wie eine am 8. Juni in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Science veröffentlichte Studie ergab. „Während der strengen Lockdowns hielten sich sehr viel weniger Menschen im Freien auf, was den Tieren die Möglichkeit gab, neue Gebiete zu erkunden“, erläuterte der an der Studie beteiligte Forscher Thomas Müller vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und der Goethe-Universität Frankfurt.
Braunbären waren einst in ganz Europa beheimatet, heute gibt es die Raubtiere nur noch in wenigen Ländern. In Italien beschränkt sich das Vorkommen insbesondere auf den Norden des Landes im Trentino, auf das Grenzgebiet zu Slowenien sowie auf den zentralen Apennin rund um die Regionen Abruzzen, Latium und Molise. Im zentralen Apennin geht die italienische Umweltbehörde Ispra von ungefähr 50 Tieren aus. Die Population schrumpft demnach allerdings. Im Trentino melden die Behörden seit dem EU-Ansiedlungsprojekt „Life Ursus“ etwa hundert wildlebende Bären – dort nimmt die Zahl immer weiter zu (bme/dpa).