Sunniten für Regierungsbeteiligung

- Bagdad - Zwei Tage nach der offiziellen Bekanntgabe des Wahlergebnisses hat die stärkste Fraktion der Sunniten im neuen irakischen Parlament ihre Bereitschaft zu einer Regierungsbeteiligung bekundet. "Wir wollen das Voranschreiten im politischen Prozess nicht aufhalten", erklärte Dhafer al-Ani von der Irakischen Konsensfront am Sonntag in Bagdad. Die Sunniten, die unter Saddam Hussein zur Führungselite gehörten, sind im Irak in der Minderheit und hatten die Wahlen zunächst abgelehnt.

 Mit 128 Mandaten ist die religiöse Schiiten-Allianz die stärkste Fraktion im neuen Parlament. Die absolute Mehrheit hatte sie jedoch verfehlt. Beobachter in Bagdad vermuten, dass der Prozess der Regierungsbildung, obwohl die Parteien schon seit Wochen verhandeln,viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Ein Experte sagte der Zeitung "AlHayat", es sei sogar möglich, dass die Übergangsregierung von Ministerpräsident Ibrahim Al-Dschafari noch mehrere Monate lang amtieren werde.

Unterdessen ist vor der für diesen Dienstag angesetzten Sitzung im Prozess gegen Ex-Präsident Saddam Hussein noch unklar, wer den Prozess nun leiten soll. Ein Sprecher des Gerichts sagte am Sonntag, der übergangsweise zum Nachfolger von Risgar Mohammed Amin ernannte Said al-Hamaschi werde die Sitzung leiten. Al-Hamaschi ist wegen seiner angeblichen Nähe zu Saddams Baath-Partei umstritten. Die irakische Zeitung "Al-Mashreq" zitierte dagegen einen hochrangigen Justizbeamten mit den Worten, Amin, der vergangene Woche seinen Rücktritt eingereicht hatte, werde auf den Richterstuhl zurückkehren. Präsident Dschalal Talabani habe dem kurdischen Richter zugesagt, dass er seine Arbeit ohne politischen Druck fortsetzen könne.

Ein Sprecher der Polizei in Tikrit sagte am Sonntag, US-Truppen hätten im Nordirak drei irakische Soldaten erschossen und vier weitere verletzt. Die Soldaten seien in der Nähe von Bedschi in vier Privatautos unterwegs gewesen, als ihnen ein US-Militärkonvoi entgegenkam. Die Amerikaner hätten das Feuer eröffnet. Erst später bei der Überprüfung ihrer Identität hätten die Amerikaner dann festgestellt, dass es sich nicht um Aufständische, sondern um Armeeangehörige handelte.

Fünf Angehörige einer Familie starben am Sonntag durch einen Sprengsatz, der in Balad Rus unter ihrem Auto explodierte. Bei weiteren Anschlägen kamen am Wochenende 19 Iraker ums Leben, darunter sieben Polizisten. Die US-Armee teilte mit, im westirakischen AlHaklanija seien am Freitag zwei amerikanische Soldaten von einem Selbstmordattentäter getötet worden.

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