"Superjet 100" bei Demoflug verschollen

Jakarta/Moskau - 21 Minuten nach dem Start ist ein hochmodernes russisches Passagierflugzeug mit 50 Menschen an Bord bei einem Schauflug von den Radarschirmen verschwunden.

Ein Sprecher der indonesischen Rettungskräfte sagte am Mittwoch, der Kontakt zu dem Flugzeug sei in der Nähe eines Berges in der Provinz Westjava abgebrochen. Die Maschine von Typ Suchoi Superjet 100 (SSJ 100) gilt als Hoffnungsträger der russischen Luftfahrtindustrie, mit dem sich der Konzern Suchoi auf dem von Boeing und Airbus dominierten internationalen Markt platzieren will.

Die SSJ 100 war um 14.21 Uhr (Ortszeit, 09.21 Uhr MESZ) vom Flughafen in Jakarta zum zweiten Schauflug des Tages gestartet und sollte nach 50 Minuten wieder zurückkehren. Die Fluglotsen verloren nach Angaben der Rettungskräfte den Kontakt, nachdem der Pilot um eine Erlaubnis für eine Verringerung der Flughöhe von 3.000 Metern auf 1.800 Meter gebeten hatte. Eine Erklärung für die Abweichung vom Flugplan wurde zunächst nicht abgegeben. Es nieselte zu diesem Zeitpunkt, stürmisch war das Wetter nicht.

„Ich habe ein großes Flugzeug direkt über mein Haus hinwegfliegen gesehen“, sagte Juanda, Bewohnerin eines Dorfes in der Nähe eines 2.200 Meter hohen Berges, dem örtlichen Sender TVOne. Wie viele Indonesier benutzt sie nur einen Namen. „Es drehte ein wenig zu einer Seite. Die Triebwerke röhrten. Es schien Richtung Salak zu fliegen. Ich habe keine Explosion oder so etwas gehört“, sagte sie.

Dunkelheit und Wetter erschwert Sucharbeiten

Die Behörden leiteten eine Suche nach dem vermissten Flugzeug ein. Die einsetzende Dunkelheit und schlechte Wetterbedingungen erschwerten jedoch die Rettungsarbeiten. Der Sprecher des indonesischen Verkehrsministeriums, Bambang Ervan, sagte, mindestens zwei Helikopter hätten die Suche abgebrochen. Soldaten und Polizisten waren zu Lande im Einsatz und die Suche sollte die Nacht hindurch fortgesetzt werden. Allerdings ist das Gelände insbesondere bei Nacht unwegsam. „Hoffentlich treffen sie noch heute Nacht ein“, sagte Darayatmo, Chef des Such- und Rettungsdienstes.

Unter den 50 Insassen der Maschine befanden sich acht russische Besatzungsmitglieder. Nach Angaben der Rettungskräfte und der für die Buchung der Gäste zuständigen Agentur waren mehrere Diplomaten der russischen Botschaft, Vertreter von Fluggesellschaften und Journalisten unter den Passagieren.

Seit ihrem Jungfernflug 2008 befindet sich die SSJ 100 auf einer Schautour. Derzeit war sie auf einer Werbetour durch Asien unterwegs. Am Mittwoch war sie in Jakarta gelandet und zuvor in Birma, Pakistan und Kasachstan präsentiert worden. Laos und Vietnam standen als nächstes auf dem Programm. Die für Kurz- und Mittelstrecken konzipierte Maschine ist das erste komplett neue russische Passagierflugzeug seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor 20 Jahren.

dapd

Rubriklistenbild: © dapd/RIA-Novosti, Ruslan Krivobok

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