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SUV und andere große Autos: Deutscher Städtetag will Haltern an den Kragen

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Große Autos nehmen mehr Platz weg als kleine. In Städten ist das ein Verkehrsproblem. Nun wird gefordert, dass unter anderem SUV-Halter tiefer in die Tasche greifen.

München – Ungeachtet der Debatte um Klimaschutz und Ressourcen werden die Abmessungen von Automodellen seit Jahren größer. Zum einen wachsen die Fahrzeuge innerhalb der Modellreihen (z. B. VW Golf). Zum anderen erfreuen sich SUV als legitime Nachfolger von Geländewagen heutzutage auch in Deutschland einer enormen Beliebtheit. So ordnet das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) im Jahr 2022 etwa ein Drittel aller Pkw-Neuzulassungen diesem Segment zu (insgesamt 2,65 Mio.).

Mehr Übersicht, Sicherheit und Platzangebot haben jedoch ihren Preis, der in der Regel von anderen Bevölkerungsgruppen getragen wird: Üppig dimensionierte Fahrzeuge beanspruchen viel Platz – und das ist in urbanen Gegenden mit reichlich Anwohnern und vielen anderen Verkehrsteilnehmern problematisch.

SUV aus Städten verbannen? Deutscher Städtetag fordert Durchgreifen

Der deutsche Städtetag möchte dieser Entwicklung entgegentreten und fordert bundesweit ein Modell, das eine Trendumkehr einleiten soll: deutlich höhere Parkgebühren für Autos, die (zu) große Maße haben! „Der Trend kennt offenbar nur eine Richtung: immer größer, immer schwerer“, erklärt Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy gegenüber Stuttgarter Nachrichten und Stuttgarter Zeitung. Diese Realität passe nicht in eine Zeit, in der „über Energie- und Flächensparen, Klima- und Ressourcenschutz“ diskutiert wird.

Der Lösungsansatz, den der deutsche Städtetag vorantreibt und der auch in Bayern hitzig diskutiert wird: Dass Halter von großen Fahrzeugen künftig tiefer in die Tasche greifen müssen, wenn es um Parkplätze geht. Generell müsse das Ziel sein, weniger Autos in Städten zu haben, als immer mehr. Denn daran würde die Lebensqualität enorm leiden, führt Dedy aus. Außerdem sei es „absurd“, Parkflächen und -häuser stetig wachsenden Autos anzupassen, stattdessen sollten derartigen Fahrzeugen die „tatsächlichen Kosten für Fahren und Parken“ zugeordnet werden.

Überdimensionierte Autos nehmen viel Platz ein - und der ist gerade in städtischen Gebieten wertvoll
Überdimensionierte Autos nehmen viel Platz ein - und der ist gerade in städtischen Gebieten wertvoll. © Stefan Zeitz/Imago

Das ist allerdings leichter gesagt als getan: In der Industrienation Deutschland steht das Auto stellvertretend für den Aufschwung, den das Land in der Nachkriegszeit erleben durfte. (Auto-)Mobilität hat nach wie vor eine enorme Bedeutung und das nicht nur in ländlichen Gebieten, sondern auch in Städten – mitunter auch, weil der öffentliche Nahverkehr auch im Jahr 2023 in hohem Maße verbesserungswürdig erscheint. Die Mobilität der Zukunft dürfte hingegen anders aussehen.

Höhere Parkgebühren für SUV? In Tübingen längst Realität

Dass die Zahl der Autos in Städten kurz- bis mittelfristig sinkt, ist zweifelhaft. Mit der Forderung nach Mehrkosten könnte zumindest der Tendenz zu immer größeren Automodellen Einhalt geboten werden. Als Beispiel dient Tübingen: In der schwäbischen Stadt gibt es seit 2022 einen hohen Zuschlag beim Anwohnerparken – für SUV und andere große Autos betragen die Kosten das Sechsfache im Vergleich zu einem kleineren Auto.

Während der ADAC aufgrund der Entwicklung hin zu immer größer werdenden Autos großflächigere Parkplätze fordert, macht sich der deutsche Städtetag für eine Reduzierung der Fahrzeuge in Städten anhand des Tübinger Modells stark. Ob dieses Vorhaben jedoch einzig über höhere Parkgebühren für üppige Autos gelingen kann? Zweifel sind angebracht.

Kürzlich haben Umweltaktivisten, sogenannte Tyre Extinguishers, weltweit in Großstädten die Luft aus SUV-Reifen gelassen. Auch in Deutschland gab es Fälle. (PF)

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