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Syrien: Rückzug aus Libanon möglich

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- Damaskus/Washington/Beirut - Nach massivem internationalen Druck hat der syrische Präsident Baschar el Assad einen Truppenabzug aus Libanon in einigen Monaten in Aussicht gestellt. Der Rückzug werde "sehr bald geschehen und möglicherweise in den nächsten Monaten", wurde Assad am Dienstagabend vom US-Magazin "Time" zitiert.

Unterdessen warf US-Außenministerin Condoleezza Rice der Regierung in Damaskus eine Destabilisierung des Nahen Osten vor. In Libanon beriet die Opposition über das Vorgehen nach dem Rücktritt des pro-syrischen Ministerpräsidenten Omar Karami unter dem Druck von Massenprotesten.

Wie Syriens Präsident Assad dem "Time"-Magazin sagte, werde über den Abzug noch in diesem Monat mit dem UN-Sonderbeauftragten Terje Roed-Larsen gesprochen. Einen genauen Zeitplan könne er nicht nennen, sagte Assad weiter. "Ich kann nicht sagen, wir könnten es in zwei Monaten machen, weil ich noch nicht mit den Militärs gesprochen habe. Vielleicht sagen sie, man braucht sechs Monate." Ein Truppenabzug müsse entsprechend vorbereitet werden.

In Libanon läuft die Suche nach einem neuen Regierungschef. Die Opposition traf sich zu Beratungen im Haus des Drusenfürsten und Oppositionsführers Walid Dschumblatt südöstlich von Beirut. Sie fordert die Bildung einer "neutralen" Regierung. Dschumblatt sagte im Nachrichtensender CNN, er habe den Rücktritt des pro-syrischen Präsidenten mile Lahoud verlangt. Nun müsse sich zeigen, ob die anderen Oppositionsführer sich seiner Forderung anschlössen.

Dschumblatt hatte bereits zuvor gesagt, Libanon wolle "keine Geisel" Syriens sein, das ein Jahr nach Ausbruch des Bürgerkrieges (1975-90) Truppen in den Zedernstaat entsandt hatte, um die Feinde zu trennen, und dort heute noch 15 000 Soldaten stationiert hat.

Ministerpräsident Karami war am Montag nach zweiwöchigen Massendemonstrationen mit dem Vorwurf, in die Ermordung des früheren Regierungschefs Rafik Hariri verwickelt zu sein, zurückgetreten.

Rice sagte, Syrien müsse die strategische Entscheidung treffen, ob es weiterhin ein negativer Faktor bleiben wolle. In einem Gespräch mit arabischen Journalisten in London verlangte sie nachdrücklich den Abzug der syrischen Truppen aus Libanon. Syrien müsse außerdem seine Unterstützung für den Terrorismus beenden, der darauf abziele, den Palästinensern eine bessere Zukunft auf der Grundlage einer ZweiStaaten-Lösung mit Israel zu verweigern.

Die syrische Regierungszeitung "Tischrin" warf den USA daraufhin vor, sie wollten mit ihrer Politik die arabischen Staaten destabilisieren und dazu gehöre es, den Druck auf Syrien zu erhöhen. Die Drohungen der Ministerin zeugten von "Hochmut und Arroganz". Von offizieller Seite wurden die Äußerungen zunächst nicht kommentiert.

Assad reist am Donnerstag einem Zeitungsbericht zufolge nach Saudi-Arabien. Er werde in Riad mit König Fahd und Kronprinz Abdullah zusammentreffen, berichtete die saudische Zeitung "el Okaz". Dort wird auch ein Dreier-Gipfel zwischen Syrien, Saudi-Arabien und Ägypten vorbereitet. Ein Termin wurde noch nicht genannt.
Unterdessen wurde zweieinhalb Wochen nach der Ermordung Hariris ein weiteres Opfer des Bombenanschlags gefunden. Die Leiche eines Passanten wurde unter Sand und Trümmern entdeckt. Damit stieg die Opferzahl des Attentats auf 18.

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