Fotomontage: Ein tätowierter Hund und eine tätowierte Katze
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Immer mehr Menschen lassen ihre Haustiere tätowieren oder piercen.

Tierschutz

Tätowierte Haustiere immer beliebter – Gesetz soll Tierquälerei in Mexiko verbieten

  • Sven Barthel
    vonSven Barthel
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Tierrechtsaktivisten in Mexiko fordern ein landesweites Verbot für Tattoos und Piercings bei Tieren. Ein neuer Gesetzesentwurf soll das Tätowieren an Haustieren aus ästhetischen Gründen verbieten.

Mexiko City - Einst Erkennungszeichen von Kriminellen und Seefahren, heute globaler Mainstream: Das Tattoo ist in allen Kulturen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen präsent. Laut einer Umfrage des Ispos-Instituts trägt bereits jeder fünfte Bundesbürger in Deutschland eine lebenslange Hautverzierung. Und es werden immer mehr.

Nicht nur hierzulande, wo Tattoo-Studios in den Szenevierteln der Großstädte bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie noch wie Pilze aus dem Boden schossen, sondern weltweit. Der häufigste Grund, warum sich Menschen Tinte unter die Haut ritzen lassen, liegt in deren Bedürfnis, individuell wirken zu wollen, wie eine Umfrage aus dem Jahr 2019 belegt. Vielen Menschen scheint das Tattoo das geeignetste Accessoire zu sein, um der eigenen Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen.

Tattoos auf Hunden und Katzen: Tierschützer wollen grausame Praxis verbieten lassen

In Mexiko gehen viele Menschen dafür sogar noch einen krassen Schritt weiter und degradieren ihre Haustiere* zum Modeaccessoire, indem sie ihren Hund oder ihre Katze tätowieren und piercen lassen. Dass sich zahlreiche Herrchen und Frauchen ihre geliebten Vierbeiner auf ihrem Körper verewigen lassen, darunter auch Stars wie die Sängerinnen Pink und Miley Cyrus, hat man schon oft beobachten können, dass aber jetzt auch deren Wuffis und Mauzis als Leinwand herhalten müssen, ist eine Entwicklung, die im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht.

Tierschützer prangern die Praxis als Tierquälerei ein. Wie der mexikanische Fernsehsender „TV Azteca“ berichtete, fordern sie, dass das Tätowieren oder andere körperliche Eingriffe an Hunden und Reptilien, die aus rein ästhetischen Gründen erfolgen, verboten werden sollen.

Tatsächlich plant Mexiko aktuell ein Gesetz, dass den Forderungen der Tierrechtsaktivisten entspricht und Tier-Tattoos mit bis zu 1.000 Euro unter Strafe stellt. Tätowierungen und Piercings, die zur Registrierung oder Überwachung des Tieres dienen, sind von dem Gesetzesvorschlag natürlich ausgenommen. Um Missbrauch vorzubeugen, sollen diese aber künftig unter Aufsicht eines Tierarztes durchgeführt werden.

Das Gesetz wird unter den Mexikanern kontrovers diskutiert, denn bislang waren Tier-Tätowierungen zu dekorativen Zwecken* in dem 128-Millionen-Einwohner-Land erlaubt. Doch damit soll nun Schluss sein. Mexikanischen Medienberichten zufolge soll die Umweltschutzkommission des Kongresses von Mexiko-Stadt das neue Verbot bereits einstimmig gebilligt haben.

In Deutschland ist das bedenkenlose Tätowieren von Tieren nicht erlaubt. Das entschied im Jahr 2010 das Verwaltungsgericht Münster mit der Begründung, dass man Tieren keine unnötigen Schmerzen zufügen dürfe. Das verbiete das Tierschutzgesetz. Die Richter wiesen damit die Klage eines Mannes ab, der seinem Pferd eine „Rolling-Stones-Zunge“ auf den rechten hinteren Oberschenkel tätowieren wollte. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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